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Mehrwertsteuererhöhung: Falle für ebay-Verkäufer

Ab dem 1. Januar gilt der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Verkäufer von Internetauktionshäusern geraten in die Bredouille - wie hoch ist der Satz, wenn die Ware 2006 gekauft, aber erst 2007 geliefert wird?

Mehrwertsteuer-Schnäppchen können sich für eBay-Verkäufer als teurer Bumerang erweisen. Pascal Finette, Experte für Online-Marketing und Vize-Präsident der Firma ChannelAdvisor, warnt: Wer Artikel vor Ende 2006 nicht mehr liefern kann, muss den höheren Steuersatz unter Umständen aus eigener Tasche zahlen.

Von 16 auf 19 wird zum Problem

Kurz vor der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 bieten viele eBay-Verkäufer ihre Waren noch als 16-Prozent-Schnäppchen an - und bringen sich damit unter Umständen selbst in Schwierigkeiten. Finette weist darauf hin, dass sich der gültige Mehrwertsteuersatz nicht nach dem Datum der Rechnungsstellung richtet, sondern ausschließlich nach dem Datum der Lieferung. Wer Artikel also vor dem Jahreswechsel verkauft, sie aber erst 2007 ausliefern kann, muss den höheren Steuersatz von 19 Prozent verwenden.

Sollte ein Artikel jedoch im alten Jahr gekauft und auch noch verschickt werden, aber erst im neuen Jahr ankommen, ist es schwierig zu bestimmen, wie hoch die Mehrwertsteuer sein muss. In diesem Fall weist ebay darauf hin, Kontakt mit dem zuständigen Finanzamt aufzunehmen, und individuelle Fragen dort zu klären.

Da bei eBay-Auktionen Vorkasse üblich ist, können die Verkäufer nicht tagesgenau steuern, wann Zahlungseingang und Lieferung erfolgen. Außerdem sind die Logistik-Unternehmen zum Jahresende oft überlastet. Kann die Auslieferung der Waren erst im Januar erfolgen, wird jedoch bereits die höhere Mehrwertsteuer fällig. Der höhere Preis wird sich aber nachträglich in der Regel beim Käufer nicht durchsetzen lassen. Denn der bei einer ebay-Auktion erzielte Verkaufspreis ist immer der Bruttopreis inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Gefährliche Weihnachtsschnäppchen

"Dann muss der Verkäufer die Differenz aus eigener Tasche bezahlen", erläutert Finette. "Manches knapp kalkulierte Weihnachtsgeschäft wird so zu einem Verlustgeschäft. Wer hier sicher gehen will, sollte die Mehrwertsteuererhöhung rechtzeitig in seine Kalkulation aufnehmen - oder ab Mitte Dezember seine Verkaufsaktivitäten einstellen" und sich damit die lukrative Weihnachtszeit verzichten.

Man sollte laut Finette keinesfalls darauf hoffen, dass das Finanzamt das tatsächliche Lieferdatum von Auktions-Verkäufen nicht sehr genau feststellen könne. "Hier sind manche Anbieter erstaunlich naiv", bemerkt Finette. "Spätestens bei der nächsten Steuerprüfung folgt dann das böse Erwachen."

mb
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