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MÜNCHEN: Wo ist der Weg zum Glück?

Weißwurstminister, Mazedonienkrise, Fernbeziehung - der Münchner Debattierclub diskutiert über alles und jeden

Weißwurstminister, Mazedonienkrise, Fernbeziehung - der Münchner Debattierclub diskutiert über alles und jeden

»Fernbeziehung. Das passt doch überhaupt nicht zusammen, Ferne und Beziehung«, ruft Jurastudentin Petra in den Raum. Sie ist der Contra-Partei zugelost worden und hat nun fünf Minuten Zeit, ihre Argumentation vor versammelter Mannschaft darzulegen. Ohne Podium, nur mit einer Viertelstunde Vorbereitung, stehend. »Aber, wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder«, wirbt der Club auf seiner Internetseite.

Initiiert hat die studentische Debattierkultur in München Johannes Much, ein 30-jähriger Politikstudent. Seine Begeisterung wurde durch einen Artikel über englische und amerikanische Universitäten geweckt, wo das Debattieren eine lange Tradition hat. Das müssen wir auch in München machen, sagte Much sich, und gründete Anfang des Jahres einen Club in München. »Wir wollen den öffentlichen Auftritt, die öffentliche Rede, üben. Uns geht es weniger um die politische Diskussion«, erklärt er das Konzept.

Deutsche Meisterschaften in München

Zu Beginn jedes Abends stehen Stegreifreden auf dem Programm. Eine bis zwei Minuten soll der Redner aus dem Ärmel schütteln - und zum Beispiel vor versammelter Mannschaft erklären, was er von Jutta Limbach als Bundespräsidentin hält oder wo er den Weg zum Glück sieht. Spontaneität, Auffassungsgabe, Allgemeinbildung schaden dabei nicht.

»Wenn ich meine Kollegen reden höre, merke ich schon, wie wir uns verbessert haben«, sagt Johannes Much. Vor ein paar Monaten nahm ein Münchner Team an den ersten deutschen Debattiermeisterschaften in München teil. Zur Zeit gründen sie gemeinsam mit anderen Clubs einen Dachverband der Debattierclubs. Und im Juni nächsten Jahres laden Much und seine Mitstreiter um die 100 Teilnehmer zu den zweiten deutschen Meisterschaften nach München ein.

»Bewertet wird alles: Inhalt, Form, Aufbau, aber auch ganz stark Körperhaltung, Gestik, Stimme und Souveränität«, sagt er. Bei den zweiwöchentlichen Treffen in München steht trotzdem der Spaß im Vordergrund - zwei Teams à vier Mitglieder debattieren gegeneinander, Zwischenfragen sind erlaubt, einen Sieger gibt es nicht. »Dafür wird jedem Redner ein Bewerter zugeordnet, der konstruktive Kritik übt - allerdings auch in einer Rede.«

Und so antwortet der Club auf der eignen Homepage selbstbewusst auf die Frage, was seine von den lahmen Debatten im Bundestag unterscheidet: »Das Niveau der Teilnehmer.« (fn)

Weitere Informationen:

Debattierclub München

Debattierclub.de

Die Treffen des Debattierclubs München, mittwochs um 19.15 Uhr in der Katholischen Hochschulgemeinde der LMU, sind offen für jeden.

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