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Reform: Hamburg krempelt Uni um

Die Hamburger Hochschullandschaft soll bis zum Jahr 2012 umstrukturiert werden. Eine falsche Organisation und zu starke staatliche Regulierung würden Studenten, Lehrer und Forscher daran hindern, ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Der frühere Bundesbildungsminister und ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi übergab gestern den Bericht einer von ihm geleiteten Expertenkommission an Wissenschaftssenator Jörg Dräger. Die Experten schlagen unter anderem eine an der Zahl der Absolventen orientierte Finanzierung, eine bessere Betreuung der Studenten in den ersten Semestern und die Zusammenlegung von Fachbereichen vor.

Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müsse die Hochschulstruktur in Hamburg ebenso wie in anderen Bundesländern neu geordnet werden, betonte Dohnanyi. Als Folge falscher Organisation und zu starker staatlicher Regulierung würden Studenten, Lehrer und Forscher daran gehindert, ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Die Kommission schlägt vor, weitgehend flächendeckend ein System anzubieten, bei dem Studenten nach sechs bis acht Semestern einen Bachelor-Abschluss machen, der vor allem zum Einstieg in den Beruf befähigt. Etwa die Hälfte der Studenten soll zwei bis vier Semester bis zum «Master» weiterstudieren.

Die Verteilung der Mittel will die Kommission nicht mehr von der Zahl der Studienplätze, sondern von der zum Examen angemeldeter Studenten oder der Absolventen abhängig machen. Dadurch soll die Quote der Studienabbrecher von 50 auf 30 Prozent sinken.

Nach Vorstellungen der Kommission gehört die Gliederung der Hochschulen in kleine Institute der Vergangenheit an. Sie schlägt die Bildung von «Studien- und Forschungssektionen» vor, etwa die Zusammenlegung der Fachbereiche der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität mit dem Angebot der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP).

Angesichts der Finanzknappheit müsse sich Hamburg stärker auf die Akademiker-Ausbildung für den Bedarf in der Metropolregion konzentrieren, sagte Dohnanyi. Derzeit würden rund 40 Prozent der Absolventen ins übrige Bundesgebiet «exportiert». 2012 würden in der Hansestadt und ihrem Umland etwa 6.500 Jungakademiker gebraucht, 2.600 mehr als heute. Die Zahl der Absolventen solle von 6.000 auf 6.700 erhöht werden.

Nach Auffassung von Dohnanyi kann Hamburg trotz der im Vergleich vor allem zu süddeutschen Universitäten geringen Mittelausstattung eine Vorreiterrolle einnehmen. Als Stadtstaat müsse die Hansestadt keine Rücksicht auf regionale Interessen nehmen, die eine Reform in Flächenländern erschwerten. Wissenschaftssenator Dräger will die Vorschläge bis zum Sommer mit den Hochschulen diskutieren und dann die Reform auf den Weg bringen. «Das wird kein Reförmchen, sondern ein tief greifender Reformprozess», sagte der Senator.

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