HOME

Schulden: Minus auf dem Konto

Rote Zahlen zieren die Kontoauszüge vieler junger Leute. Auch Studenten verschulden sich. Deswegen habe einige Studentenwerke eine Schuldnerberatung eingerichtet.

Studenten sind arm dran - im wahrsten Sinne des Wortes. Auf den Kontoauszügen häufen sich die Zahlen mit einem bedrohlichen "H" dahinter. Immer mehr junge Leute stecken tief in den roten Zahlen. Viele Studentenwerke haben deswegen Schuldnerberatungen eingerichtet, um den Betroffenen aus der Schuldenfalle zu helfen.

Der Schuldenkompass 2003 der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (SCHUFA) gibt an, dass ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen einen Ratenkreditvertrag abgeschlossen hat und diesen nicht zurückzahlen kann. Wie viele Studenten sich darunter befinden, geht aus der Studie nicht hervor. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich auch zahlreiche Jung-Akademiker hoffnungslos verschuldet haben. "Viele Studenten besitzen oft mehrere Konten und Kreditkarten, jonglieren die Fehlbeträge hin und her und verlieren dabei nicht selten den Überblick," sagt Helmut Rauchholz, Schuldnerberater der Evangelischen Diakonie in Dortmund.

Beratung für verschuldete Studenten

Seit Oktober 2001 beraten das Studentenwerk Dortmund und die Evangelische Diakonie Studenten mit Geldproblemen. Mit steigender Nachfrage: "Letztes Jahr nahmen 113 Studenten die Schuldnerberatung in Anspruch", erklärt Ralf Jeuschede, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks. "Oft sind es ausländische Studierende, deren Mittel von Zuhause plötzlich wegfallen." Im Extremfall würden die Betroffenen exmatrikuliert. Folglich müssten sie Deutschland verlassen, da das Visum an die Einschreibung gebunden ist.

Auch die deutschen Studenten können nicht immer mit Geld umgehen. Rauchholz hat schon Chemiestudenten beraten, die ihren Laborjob verloren haben oder BWLer, die sich an der Börse verspekuliert haben. In der Schuldensprechstunde verschaffen sich die Berater zuerst einen Überblick über die Konten des Betroffenen. Danach streichen sie überflüssige Ausgaben, beantragen eventuell Stipendien und Beihilfen oder prüfen, ob Verwandte Geld dazu steuern können. Die Bemühungen sind meistens von Erfolg gekrönt. Viele ehemalige Verschuldete schreiben mittlerweile wieder schwarze Zahlen, sagt Rauchholz.

Nach Angabe der Zeitschrift Unicum Campus hat die erfolgreiche Zusammenarbeit in Dortmund längst Nachahmer gefunden, unter anderem in Düsseldorf. Hier gibt es seit dem Sommersemester 2003 eine Schuldnerberatung von Studentenwerk und Arbeiterwohlfahrt (AWO). "Allein in diesem einen Semester kamen 40 Studenten und ließen sich beraten", so AWO-Schuldnerberater Peter Arnold. Auch das Studentenwerk Bochum führt erste Gespräche mit der diakonischen Schuldnerberatung.

Wissenscommunity