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TEIL 11: Der kleine Frantisek

In Franzensbad begrabbeln alle Mädels den etwa 70 cm großen und nackten Knaben aus Bronze, um bald »guter Hoffnung« zu sein...

Puh, die Zeit fliegt mir weg. Dabei ist in den vergangenen Wochen gar nicht sooo viel passiert, ich bin aber trotzdem ganz schön geschlaucht. Vor allem wegen der 20seitigen Hausarbeit für die Uni. Falls es da draußen jemanden interessiert: Tschechien hat immer noch einen staatlich regulierten Mietmarkt, und das führt zu Wohnungsmangel und einem blühendem Schwarzmarkt. Auf Letzterem wird mit den sogenannten »Decrees« gehandelt. Mit dem »Wohnungsrecht auf Lebenszeit« in einer staatlich-regulierten Mietwohnung, die man noch unter kommunistischen Zeiten bekam. Mhhh, gehe ich noch weiter ins Detail?

Lieber Hochzeitsdetails: Ich durfte meine erste typisch böhmische Hochzeit miterleben. Lucies Großgroßgroß-oder-was-weiß-denn-ich-Kusine heiratete ihren Traumtschechen. Empört war ich aber schon über die kurze Kennenlernzeit von vier Monaten...

Am Samstag um 10.15 Uhr auf Burg Seeberg in Westböhmen. Das bedeutete, dass wir zwei uns um 4.24 Uhr morgens in den Bummelzug setzen mussten, um in die westlichste Stadt Tschechiens zu kommen, nach As. Leider waren es aber noch weitere zehn Kilometer bis Burg Seeberg. Zwei Möglichkeiten, um vom Bahnhof As nach Seeberg zu kommen: Per Anhalter oder per Taxi.

Ersteres bietet sich im deutsch-tschechischen Grenzgebiet weniger an, vor allem wenn man weiblich ist. Nach 20 Minuten »Daumen hoch« mussten Lucie und ich einsehen, dass wir für alles angesehen werden - vor allem dem »leichten Völkchen« zugehörig - wohl aber nicht für zwei unschuldige Studentinnen aus Prag, die auf eine Hochzeit wollen. Also via Taxi zur Burg Seeberg, vorbei an mindestes 40 Nightclubs, Bars und hunderten »Ganz diskret!!!«-Schildchen.

Nach dem Hochzeitsritual haben wir uns schnell »aus dem Staub gemacht« und sind wieder mit einem Bummelzug nach Frantiskovy Lazne und Marianske Lazne gefahren. Franzensbad besticht durch seine Einfarbigkeit: Alle Häuser sind gelb: ockergelb, sandgelb, eigelb - sämtliche Gelbtöne findet man in Franzensbad. Und natürlich den kleinen Frantisek, einen etwa 70 cm großen nackten Knaben aus Bronze, vollkommen angelaufen, bis auf seinen »Pimmel«, der goldig glänzt. Begründung: Alle Mädels begrabbeln den Buben mit dem Fisch in der Hand, um bald »guter Hoffnung« zu sein, wie der kompetente Reiseführer Baedeker es formuliert.

Marienbad, wo der alte Goethe sich in die 16-jährige Ulrike verknallte, ist dagegen ein wenig größer als Franzensbad, aber auch nicht unbedingt schöner. Vor allem, weil im Stadtzentrum seit Jahren eine riesige Baulücke klafft. Aber vielleicht wird die auch bald einmal als Touristenhighlight deklariert...

So, genug geschwafelt

Cau v Praze

Marlies

Und noch ein kurzes Tschechisch-Kurs-P.S.:

Im Tschechischen heißt Doppelbett auch »Letiste«, das gleiche Wort wie für »Flughafen«...Wilde Assoziationen willkommen ;-)

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