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Unistart: Das verhexte erste Semester

Was im ersten Semester alles falsch laufen kann: zu wenig informiert, den Stundenplan zu voll gepackt, den Lernaufwand unterschätzt. Pia-Laura Popal studiert Jura und hätte nicht gedacht, "dass es schon am Anfang so hart wird".

Irgendwann im Januar hat Pia-Laura Popal gemerkt, dass was schief läuft in ihrem Studium. Seit drei Monaten besucht die 20-Jährige rechtswissenschaftliche Vorlesungen, Seminare und Arbeitsgruppen. Sie hat die Orientierungseinheit (OE) in der ersten Semesterwoche mitgemacht, weiß mittlerweile, wo sie Literatur findet, wo welcher Hörsaal ist, sie hat alle Lehrbücher gekauft, nette Kommilitonen getroffen, ein Zimmer im Wohnheim gefunden. So weit alles okay. Ganz nebenbei hat Pia aber auch ein neues Gefühl kennen gelernt: das Gefühl, irgendwie mittelmäßig zu sein. "Ich steige im Studium oft nicht durch die Strukturen, verstehe manche Sachen viel langsamer als andere - das ist ganz schön frustrierend." In der Schule, erzählt sie, sei ihr immer alles zugefallen. Ihr Abi-Schnitt von 2,2 reichte auf Anhieb für einen Studienplatz in Hamburg, auch in Bielefeld hätte sie studieren können, aber da wollte sie nicht hin. Weil Hamburg die größere und schönere Stadt ist, sagt sie. Von der Uni spricht sie nicht.

In der Großstadt an der Elbe fühlt sie sich "total wohl" - aber an der Uni manchmal immer noch "fremd" und "anonym". Das Lernen fällt ihr schwer. Das Auswendiglernen von Paragrafen, das logische Denken, das Schreiben im Gutachtenstil - alles Grundlagen des rechtswissenschaftlichen Studiums - empfindet Pia als ungewohnt. Von ihrer Gesamtschule in Essen war sie soziales Lernen und Verhalten gewöhnt, an der Uni, in ihrem Fach, kann sie damit nicht viel anfangen, sagt sie, da zähle nur das Pauken und der Einzelne. "Ich habe nicht gelernt zu lernen", sagt sie. Jetzt hat sie Schwierigkeiten, eine Arbeitsgruppe zu finden, die zu ihrem Lerntempo passt.

"Angst, was Falsches zu sagen"

Heute Morgen war es wieder da, das Gefühl der Mittelmäßigkeit. Um viertel vor acht ist Pia in den 5er Bus gestiegen, und wie jeden Morgen ihre Strecke gefahren vom Studentenwohnheim in Hamburg-Lokstedt bis zur Uni, gut vier Kilometer. Um halb neun beginnt ihre erste Vorlesung, "Staatsrecht", danach sofort die nächste, "Strafrecht". Sie muss hin, auch wenn es noch so früh ist, denn da stehen noch eine Klausur und eine Hausarbeit an. Und weil sie glaubt, die Klausur im Bürgerlichen Recht am Tag zuvor schon in den Sand gesetzt zu haben, muss sie hier jetzt richtig ranklotzen. Sie zieht noch einmal kräftig an der Zigarette, streicht dann ihre schwarzen Haare hinters Ohr und geht in den Hörsaal. Der Professor redet von "Notwehr", "Totschlag" und "tatbeständiger Tötungshandlung", aber Pia versteht nur Bahnhof. Doch sie hebt nicht den Finger, sie fragt nicht nach. Hat sie noch nie getan in diesem ihrem ersten Semester, sie hat "Angst, was Falsches zu sagen". Im Hörsaal sitzen knapp 200 Studenten, da hat selbst Pia, aus der sonst die Worte raussprudeln, Hemmungen, sich zu melden. Auch beim Mitschreiben klemmt’s, sie weiß oft nicht, wie sie Wörter abkürzen oder Sachverhalte schnell zusammenfassen soll. Pia schaut immer wieder zu ihren Nachbarn aufs Blatt, sie ist zu langsam, das merkt sie, und das nervt sie. Überhaupt der ganze Stoff - "ich hätte nie gedacht, dass es so viel ist, dass es schon am Anfang gleich so hart wird".

Irgendwie hatte sie sich das Studium anders vorgestellt, wie, kann sie nicht sagen, viel informiert hat sie sich vorher nicht, sie hat nur mit ihren Eltern gesprochen und mit einigen befreundeten Juristen. "Ich wollte Jura studieren, egal, wie das läuft oder wie lang das dauert", sagt sie.

Später will Pia zu irgendeiner internationalen Organisation, am liebsten zu den UN in New York. Ihr Vater stammt aus Afghanistan, der Großvater war Diplomat, Pia selbst hat ihr elftes Schuljahr in Namibia verbracht und dort miterlebt, wie schlecht die Völkerverständigung zwischen Schwarzen und Weißen funktioniert. Darüber und was sie dagegen tun kann, hat sie lange und intensiv nachgedacht, und nach ihrer Rückkehr aus Afrika beschlossen, Jura zu studieren.

Typischer Anfängerfehler

Etwa einen Monat vor Studienbeginn ist sie von Essen nach Hamburg gefahren. Sie hat sich an der Uni umgeschaut und bei der Fachschaft Studieninfos und Vorlesungsverzeichnis geholt. Um den Stundenplan musste sie sich nicht viele Gedanken machen, denn der ist in den Rechtswissenschaften durchstrukturiert.

Pia hat die vorgeschriebenen Veranstaltungen dann noch ergänzt um die Arbeitsgemeinschaften zu einzelnen Fächern, eine zusätzliche "Staatstheorie"-Veranstaltung und einen Englischkurs. Dass jede Vorlesung und jedes Seminar vor- und nachbereitet werden muss, hat sie dabei überhaupt nicht bedacht. In der Orientierungseinheit in der ersten Woche haben sie ihr nur erklärt, wo sie Literatur findet, wie man Bücher ausleiht, in Karteikästen recherchiert und sie dann in einen Crashkurs "Wie schreibe ich eine Hausarbeit?" geschickt. Da hat Pia gleich den Profikurs belegt, weil der statt sechs nur drei Stunden dauerte. Ein Fehler. "Ich hab nichts verstanden und musste mir von einem Kommilitonen noch mal die Zusammenfassung geben lassen", erzählt sie. Pia hätte sich eine längere Orientierungsphase gewünscht und mehr persönliche Informationen. An der Uni Hamburg, sagt sie, haben sie nur Zettel ausgeteilt. Und sie dann allein gelassen. "Man bleibt bei ganz vielen Sachen auf sich gestellt", sagt sie, "ich weiß zum Beispiel überhaupt nicht, was eigentlich passiert, wenn ich durch eine Prüfung falle". So kam es, dass Pia sich für ihr erstes Semester insgesamt fünf Klausuren und Hausarbeiten vorgenommen hat, während den meisten ihrer Kommilitonen schon zwei oder drei Arbeiten reichen. Mittlerweile weiß Pia, dass sie sich viel zu viel aufgeladen hat. Typischer Anfängerfehler.

Zu Studienbeginn ist alles so neu, vieles ist möglich, man kann sich ausprobieren. Auch Pia sagt, sie sei überwältigt gewesen von den Möglichkeiten, die sich ihr an der Hochschule bieten. Sie hat sich gleich in der ersten Woche für den Englischkurs angemeldet, weil sie doch später mal ins Ausland gehen will. Und "Staatstheorie und Verfassungsgeschichte" macht sie auch in diesem Semester, weil sie das interessant findet, und im nächsten Semester wird es nicht angeboten. Gebremst hat sie keiner. Wer auch? Bei der Studienberatung war sie noch nie. Warum auch? "Ich wusste ja schon, was ich studieren will, was sollte ich die noch fragen?"

Noch ein Semester opfern und dann entscheiden, ob es weitergeht

Mittlerweile fühlt sie sich total überfordert und schwört sich, nächstes Semester weniger Veranstaltungen zu belegen. Dann will sie ohnehin mit einer Freundin auf Wohnungssuche gehen. Ihr Zwölf-Quadratmeter-Zimmer mit Bad und Küche auf dem Flur, für 174 Euro warm im Studentenwohnheim Rudolf-Laun-Haus, das ihr zu Studienbeginn zugelost worden ist, findet sie zwar okay, aber nicht auf Dauer. "Ich wollte auf keinen Fall allein wohnen", sagt sie, "hier habe ich schnell Leute kennen gelernt." Manchmal auch unfreiwillig. Denn die Wände sind dünn und ziemlich hellhörig. Wenn nebenan ein Kommilitone Musik hört, kann sie mitsingen, aber nicht mehr lernen.

Dann trifft sie sich zwischen den Lehrveranstaltungen mit ihrer Kommilitonin Anna im Café der Evangelischen Studentengemeinde. Sie gehen noch mal den Stoff der letzten Staatsrechtsvorlesung durch und besprechen, woher sie die Mitschriften aus den Arbeitsgemeinschaften bekommen können. Öfter zieht es Pia aber allein zum Lernen in die kleine Bibliothek für Internationales Privat- und Prozessrecht. Dort setzt sie sich auf den Platz ganz hinten links in der Ecke am Fenster. Sie mag diesen Ort, er ist so leer, so ruhig, und wenn sie die Einbände der Bücher um sich herum studiert, schweifen ihre Gedanken ab von der "tatbeständigen Tötungshandlung" in die weite Welt des Rechts und der Diplomatie. "Man muss das Recht verstehen, um Konflikte lösen zu können", glaubt sie, "das Recht ist die Grundlage aller internationalen Beziehungen." Sie will mehr über das Recht wissen. Dafür erträgt sie ein Studienfach, das ihr eigentlich nicht liegt, und ein Gefühl, das sie fast verzweifeln lässt. Ein "großes Opfer" sei das Jurastudium, sagt sie. Noch ein Semester will sie opfern und dann entscheiden, ob sie weitermacht.

Marion Schmidt / print

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