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Was tun?: Wege aus dem alltäglichen Chaos

Zehn Situationen, die viele Eltern kennen und fürchten - und wie Sie sie mit Triple P meistern können.

1. Katja, 14, sollte um 23 Uhr zu Hause sein, kommt aber erst um eins

- Verschieben Sie die Aussprache bis zum Morgen, wenn Sie wieder ruhiger sind.
- Forschen Sie nach den Ursachen, aber erklären Sie Ihrer Tochter auch Ihre Sicht der Dinge. "Es ist mir wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, dass du pünktlich kommst. Ich habe mir große Sorgen gemacht." Erwarten Sie nicht gleich eine Entschuldigung oder dass Ihr Kind sagt: "Ja, du hast ja Recht." Das klappt in diesem Alter nicht immer. Viel wichtiger ist, dass Ihr Kind versteht, was es bei seinen Eltern ausgelöst hat.
- Eine Konsequenz muss sein, sie sollte aber einen Bezug haben. Beispiel: Sie ziehen die überschrittene Zeit am nächsten Abend ab: Ausgang nur bis 21 Uhr.

2. Im Zimmer von Tim, 8, herrscht Chaos. Er räumt nicht auf

- Legen Sie gemeinsam eine Familienregel fest. Etwa: "Bis zum Abend räumt jeder seine Sachen weg."
- Wichtig ist der richtige Zeitpunkt. Tim erst ansprechen, wenn er sein Spiel beendet hat. Kündigen Sie das Aufräumen an. "In einer halben Stunde wollen wir essen. Räum vorher auf!"
- Rufen Sie nicht von einem Zimmer zum nächsten. Gehen Sie zu Tim, sprechen Sie ihn ruhig und mit Namen an - und gewinnen Sie so seine Aufmerksamkeit.
- Sagen Sie so präzise wie möglich, was Sie wollen.
- Wenn er aufräumt: Loben Sie ihn!
- Wenn er sich weigert, wiederholen Sie Ihre Aufforderung einmal. Räumt er auf - loben Sie ihn. Räumt er nicht auf, sollte eine Konsequenz folgen. Beispiel: Seine Lieblingsserie fällt heute aus.

3. Marie, 4, rastet bei jeder Kleinigkeit aus

- Wutanfälle sind in diesem Alter häufig, weil Marie ihre Emotionen noch nicht so gut kontrollieren kann und erst lernen muss, Ärger angemessen auszudrücken.
- Loben Sie Marie, wann immer sie es schafft, bei Frust ruhig zu bleiben und zu sagen, was sie will.
- Sagen Sie ihr präzise, was sie tun soll: "Marie, hör auf zu schreien und frag mich mit normaler Stimme."
- Wenn sie weiterhin wütet: entziehen Sie Aufmerksamkeit. Wählen Sie einen sicheren, uninteressanten Ort, wo sie sich zwei Minuten lang beruhigen kann. Wichtig: Sie müssen die "Auszeit" genau erklärt haben - und zwar nicht erst, wenn der Konflikt da ist. So vermeiden Sie Angst. Sagen Sie genau, was weiter passiert. "Wenn du zwei Minuten ruhig gewesen bist, hol ich dich wieder."
- Danach nicht mehr darüber reden. Helfen Sie Marie, wieder eine Beschäftigung zu finden und loben Sie sie: "Marie, schön, wie du spielst."

4. Jonas, 10, macht im Haushalt überhaupt nichts

- Erklären Sie ihm, warum es wichtig ist, dass jeder im Haushalt mithilft. ("Dann habe ich Zeit, mit dir an den See zu fahren.")
- Erstellen Sie eine Liste mit Aufgaben und besprechen Sie genau, wer welche übernehmen soll. Wer deckt den Tisch? Wer räumt das Geschirr ein? Wer saugt Staub?
- Sagen Sie ihm, bis wann er seine Aufgabe erledigen muss.
- Sprechen Sie über Belohnungen und ihren Entzug als Konsequenz ("Wenn nicht, bleiben wir zu Hause.")
- Erinnern Sie ihn einmal und helfen Sie ihm anzufangen: "Solange du abträgst, räume ich die Sachen in die Spülmaschine."
- Loben Sie ihn, wenn er seine Aufgaben erledigt hat.
- Falls nicht, lassen Sie das Geschirr möglichst stehen, und wenden Sie eine Konsequenz an, zum Beispiel: kein Ausflug an den See.
- Besprechen Sie die Entwicklung nach etwa einer Woche.

5. Lisa, 5, klammert sehr. Beim Abschied im Kindergarten gibt es jeden Morgen Tränen

- Bereiten Sie sie auf die Trennung vor. Erklären Sie ihr, dass Sie noch ein paar Minuten mitkommen, sie aber dann bis zum Mittag dort bleiben muss.
- Sagen Sie ihr, wohin Sie gehen, und wann Sie wiederkommen.
- Stellen Sie gemeinsame Zeit als Belohnung in Aussicht. "Wenn ich dich abhole, gehen wir noch zum Spielplatz."
- Helfen Sie Lisa im Kindergarten, den Einstieg ins Spiel zu finden.
- Loben Sie sie, wenn sie sich anderen Kindern anschließt.
- Sagen Sie "Auf Wiedersehen" und gehen Sie. Ignorieren Sie Protest!
- Wenn Sie zurückkommen, begrüßen Sie Ihre Tochter und beschäftigen sich eine Zeit lang nur mit ihr.

6. Längere Autofahrten mit Jenny, 3, sind eine Strapaze

- Versuchen Sie, die übliche Schlaf- und Essroutine nicht zu unterbrechen.
- Verhindern Sie Langeweile, nehmen Sie genügend Spielzeug mit, singen Sie, machen Sie Suchspiele: "Wer sieht zuerst ein rotes Auto?"
- Besprechen Sie Regeln mit Ihrem Kind, zum Beispiel, angeschnallt sitzen zu bleiben.
- Unterbrechen Sie längere Fahrten regelmäßig. Machen Sie ein kleines Picknick - als Belohnung!
- Ignorieren Sie bewusst kleinere Probleme, zum Beispiel leichtes Jammern.
- Reagieren Sie bei einem Wutanfall sofort (Parkplatz). Sagen Sie Ihrem Kind, was es tun soll. ("Sprich mit normaler Stimme!")
- Wird Ihre Anweisung nicht befolgt, sollte dies eine Konsequenz haben. Zum Beispiel "Stiller Stuhl", den Sie genau erklären. Steigen Sie aus, lassen Sie Jenny neben sich auf einer Bank für eine Minute sitzen, um sich zu beruhigen. Schenken Sie ihr keine Aufmerksamkeit.

7. Meike, 13, hat CDs geklaut

- Sprechen Sie sie direkt darauf an und fragen Sie nach der Ursache - eine Mutprobe unter Freunden, Langeweile, zu wenig Taschengeld? Erklären Sie Meike ganz klar, dass das nicht in Ordnung ist, und was der Diebstahl für Sie selbst bedeutet. (Vertrauensbruch!)
- Meike muss den Schaden wieder gut machen und sich im Kaufhaus entschuldigen. Zusätzlich darf sie zum Beispiel einen Nachmittag nicht zu ihren Freundinnen.
- Überlegen Sie gemeinsam, wie sie künftig solche Situationen vermeiden kann. Je nach Ursache: Wie schafft sie es, nein zu sagen? Was kann sie tun, um sich CDs leisten zu können?

8. Lisa, 4, will ihrem Bruder Mark, 6, auf keinen Fall etwas von den Süßigkeiten abgeben. Sie kann nicht teilen.

- Beim gemeinsamen Spiel kann Lisa teilen lernen.
- Helfen Sie den Kindern zu entscheiden, wer als Erster dran ist.
- Loben Sie Lisa prompt, wenn sie etwas abgibt.
- Reagieren Sie mit logischen Konsequenzen, wenn die Kinder nicht teilen. Zum Beispiel: Nehmen Sie die Süßigkeiten für kurze Zeit weg. Nach fünf Minuten hat Lisa noch mal die Chance zu teilen.
- Benutzen Sie den Stillen Stuhl oder die Auszeit, wenn Lisa aggressiv wird oder sich massiv weigert zu teilen. Geben Sie ihr danach eine neue Chance. Loben Sie sie, wenn es besser klappt.

9. Linn, 6, nörgelt von früh bis spät

- Überprüfen Sie selbstkritisch Ihren Ton - neigen Sie zum Jammern?
- Wenn sie nölt, um etwas zu erhalten, sagen Sie: "Bitte sprich mit normaler Stimme."
- Loben Sie Linn sofort, wenn sie angemessen spricht.
- Benutzen Sie bei anhaltendem Jammern eine logische Konsequenz. Zum Beispiel: "Linn, du hast mich nicht mit ruhiger Stimme gefragt, du bekommst jetzt kein Eis."
- Geben Sie ihr die Möglichkeit, noch einmal angemessen zu fragen.

10. Ben, 15, hat die Schule geschwänzt

- Wenn Sie wütend sind, vertagen Sie das Gespräch. "Wir sprechen heute Nachmittag darüber, wenn ich mich abgeregt habe."
- Erfragen Sie seine Sicht der Dinge, schildern Sie Ihre Sicht (Vertrauensbruch). Erklären Sie, warum es wichtig ist, dass er in die Schule geht. Überlegen Sie gemeinsam Abhilfen, etwa ein Gespräch mit dem Lehrer oder - bei Angst vor der Klassenarbeit - ausreichendes Lernen.
- Wenn Ben öfter die Schule schwänzt, treffen Sie eine Vereinbarung, auch über mögliche Konsequenzen: "Wenn du schwänzt, wird mir deine Lehrerin sofort Bescheid sagen."
- Entziehen Sie ein Privileg. Zum Beispiel: kein Kino am Wochenende.

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