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ZEHN-SCHRITT-TECHNIK: Durchstarten zum Diplom

Mit der Zehn-Schritt-Technik erfolgreich zur Examensarbeit.

Mit der Zehn-Schritt-Technik erfolgreich zur Examensarbeit.1.

Machen Sie sich bewusst, dass von Diplomanden kein bahnbrechendes Werk

erwartet wird. Wenn Sie glauben, Hegels Rechtsphilosophie in den Schatten stellen zu müssen, lassen Sie die Finger vom Diplom: Sie ersparen sich Magengeschwüre und Ihrem Professor eine unvergütete Nebentätigkeit als Analytiker.

2.

Ohne einen realistischen Arbeitsplan haben Sie schon so gut wie verloren. Die eine Hälfte der Zeit brauchen Sie für Literaturrecherche und Lesen, die andere Hälfte fürs Schreiben. Halten Sie sich an den Plan, um rechtzeitig fertig zu werden. Vielleicht müssen Sie dazu Ihre Ansprüche nochmals runterschrauben. Macht gar nichts: Sie wollen ja nicht »Wissenschaftler 2001« werden, sondern einfach nur eine Diplomnote haben.

3.

Machen Sie Freunden, Bekannten und vor allem der Verwandtschaft klar, dass Sie jeden Tag von 9.00 bis 17.00 Uhr weder zu Tante Lottis Geburtstag kommen wollen noch bei irgendeinem Umzug helfen und auch nicht in Kneipen Billard spielen. Freizeit ist abends und am Wochenende und wird genauso strikt eingehalten wie die Arbeitsphasen. Sie können nur kreativ sein, wenn Sie auch ausgeruht sind und nicht aus dem letzten Loch pfeifen.

4.

Lassen Sie sich bei der Fahndung nach Literatur weder von komplizierten Computer-Suchprogrammen noch von unverständlichen Karteikärtchen in Bibliotheken einschüchtern. Genau wie Sie haben auch alle anderen Studenten keinen blassen Schimmer, welche der fünf kryptischen Zeichenfolgen aus Nummern, Querstrichen und Großbuchstaben den Standort des gewünschten Buchs bezeichnet. Fragen Sie einfach so lange nach, bis eine Hilfskraft die Nerven verliert und selbst ins Magazin geht, um das Buch zu holen - Sie haben Wichtigeres zu tun.

5.

Suchen Sie einen geeigneten Ort zum Arbeiten. Völlig ungeeignet ist Ihre Wohngemeinschaft, in der gegen ein Uhr mittags erst mal fröhlich und ausgiebig gefrühstückt wird. Beweisen Sie Ihren Mitbewohnern, dass Sie um acht Uhr aufstehen können. Gerade morgens sind Uni-Bibliotheken ein Hort der Ruhe; dort lässt sich in der Regel schnell und konzentriert arbeiten.

6.

Keine Angst vor dem zwei Meter hohen Bücherberg neben Ihrem Schreibtisch! Lesen Sie erst einmal nur die jeweiligen Zusammenfassungen. Hinterher wissen Sie, welche vier oder fünf Werke am wichtigsten sind, und nur die studieren Sie Wort für Wort. Bücher mit Wichtigkeitsstufe zwei lesen Sie quer, die mit Stufe drei verlängern prima die Literaturliste.

7.

Gliedern Sie jetzt Ihre Arbeit. Denken Sie daran, dass Sie eine Fragestellung brauchen und Professoren und Dozenten einen logischen Aufbau honorieren. Nageln Sie Ihren Betreuer auf die Gliederung fest. Atmen Sie danach tief durch: Sie haben bereits die

Hälfte der Arbeit geschafft, das Schlimmste liegt jetzt hinter Ihnen.

8.

Im wissenschaftlichen Betrieb wird hemmungslos voneinander abgeschrieben. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, kluge Gedankengänge zu übernehmen und für Ihre Arbeit zu nutzen. Ihr Professor hat das für sein letztes Buch nicht anders gemacht - aber übertreiben Sie nicht. Auch Fußnoten, Verweise auf Experten (»wie der renommierte Tübinger Forscher xy nachgewiesen hat...«) und schöne Zitate machen sich in jeder Arbeit gut.

9.

Beginnen Sie mit dem Schreiben, frei von der Leber weg, lassen Sie sich von nichts und niemandem stoppen. Zwingen Sie Ihren Betreuer notfalls, sich fertige Teile der Arbeit zwischendurch mal anzugucken. Formulieren Sie verständlich und direkt, achten Sie aber darauf, dass die wichtigsten Fremdwörter zu Ihrem Thema hier und da auftauchen - Fachbegriffe gelten als Beleg für Wissenschaftlichkeit.

10.

Freuen Sie sich ausgiebig, wenn die Arbeit endlich fertig ist. Entschuldigen Sie sich bei Freunden, Bekannten und Verwandten dafür, dass Sie in den letzten fünf Monaten gereizt, genervt und unausstehlich waren. Trinken Sie abends mehrere Flaschen Champagner. Stehen Sie am nächsten Tag erst um ein Uhr mittags auf - um gemütlich mit Ihrer WG zu frühstücken.

Links zum Thema

www.imafdi.de und http://www.diplomarbeit.de/ liefern nützliche Hinweise zum Verfassen einer Diplomarbeit.

Buchtipps

Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? von Walter Krämer, Campus Verlag, 256 S., 24,80 Mark: alles über Themenwahl, Literaturrecherche und Zeitmanagement.

Lust und Last des wissenschaftlichen Schreibens von Wolf-Dieter Narr und Joachim Stary (Hg.), Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 284 Seiten, 22,80 Mark: Muss man sich unverständlich ausdrücken, damit die Examensarbeit wissenschaftlich klingt? Nein, sagen die Autoren und geben Ratschläge für verständliches Schreiben.

Echt fertig! von Gisa Funck, Kiepenheuer & Witsch, 144 S., 14, 90 Mark: Hier gibt es keine konkreten Tipps, dafür beschreibt die ehemalige Lehramtsstudentin Gisa Funck die Qualen einer Examenskandidatin. Zum Mitleiden und Wiedererkennen.

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