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AUSSTELLUNG: Die meistbenutzte Waffe der Welt

Mit der Kalaschnikow besiegten die Vietnamesen die Weltmacht USA, sie war Symbol der RAF und auch heute noch präsentiert sich Islamistenführer Osama bin Laden mit der »AK-47«. Das Waffenmuseum Suhl zeigt den »Mythos einer Waffe«.

Sie diente der Sowjetunion als Machtinstrument im Kalten Krieg, war das Symbol der RAF-Terroristen und ist seit Jahrzehnten die meistbenutzte Waffe der Welt. »Kalaschnikow - Mythos und Fluch einer Waffe« lautet der Titel einer am Freitag eröffneten Ausstellung im Waffenmuseum Suhl. Kaum eine andere Schusswaffe ist mit so vielen Emotionen verbunden: Das automatischen Militärgewehr wurde kennzeichnend für die Konflikte des 20. Jahrhunderts.

70 Millionen Kalaschnikows gebaut

Von der »Avtomat Kalaschnikowa« - kurz AK - wurden seit 1949 mindestens 70 Millionen Stück gefertigt. Der »Exportschlager« der Sowjetunion ist oder war in mindestens 78 Ländern in Gebrauch. Die Kalaschnikow trugen Freiheitskämpfer ebenso wie Terroristen, Gangster, Kindersoldaten und Eliteeinheiten von Militär und Polizei.

Erfolgsgeheimnis ist die einfache Konstruktion

Das Gewehr wurde in 100 Varianten gefertigt, die aber immer auf dem bewährten Bauplan ihres Konstrukteurs beruhten, dem heute 83-jährigen Michail Timofejewitsch Kalaschnikow. Das Erfolgsgeheimnis der »AK 47« ist nach Meinung vieler Waffenexperten ihre Robustheit und die vergleichsweise einfache Konstruktion. So siegten die Vietnamesen mit der Kalaschnikow über die Weltmacht USA: Sie konnte in Wasser oder Schlamm fallen und schoss trotzdem, während die empfindlichen und präziseren Waffen der GIs versagten.

Ebenfalls mit der Kalaschnikow vertrieben die afghanischen Mudschahedin die ebenso ausgerüsteten Soldaten der Sowjetunion aus ihrem Land und leiteten damit das Ende dieser Weltmacht ein. Die Freiheitskämpfer verbrachten viele Stunden damit, ihre Gewehre mit Stickereien, Quasten und Bändern fantasievoll und folkloristisch zu »verschönern« - so ähnelte sie nicht mehr den Waffen, die auch der Feind gegen sie führte.

AK 47 per Luftpost

Als Geschenk war die Waffe die mancherorts die höchste Ehrengabe, wie etwa Hans-Jürgen Wischnewski erfuhr: Der SPD-Außenpolitiker, der international viel bei Geiselnahmen vermittelte und deshalb den Beinamen »Ben Wisch« bekam, erhielt eines Tages eine funktionsbereite Kalaschnikow per Luftpost aus San Salvador als Geschenk. Hintergrund: Wischnewski hatte über Verhandlungen mit Fidel Castro die Freilassung von Ines Duarte erwirkt, der Tochter des Präsidenten von San Salvador. Sie war in die Hände linksgerichteter Guerillas der FMLN geraten.

Osama bin Laden lässt sich mit Kalaschnikow fotografieren

Auch heute noch präsentieren sich Terroristen gerne mit der Kalaschnikow - siehe auf Fotos des Islamistenführers Osama bin Laden. Vor allem für arabische Potentaten wurden auch verchromte Modelle hergestellt, mit denen sie bei Paraden glänzen wollen. Militärisch sind solche Waffen für den Eigentümer wegen ihrer auffallenden Reflexe eher gefährlich.

Die AK findet sich auch in ungewohnten Kontexten: So gibt es in Italien von Antonio Riello zu Kunstwerken stilisierte Kalaschnikows als Zutat zur Damengarderobe. Fremd muten auch turkmenische Kriegsteppiche mit Kalaschnikow-Mustern aus afghanischen Flüchtlingslagern an.

AK-Wandteller der Stasi

Glanzleistungen des DDR-Kitsches waren »AK«-Wandteller und Schmuckkeramik der Staatssicherheit aus Suhl. Die traditionsreiche Waffen-Stadt im Thüringer Wald war eine von mehreren Produktionsstätten für die Kalaschnikow in der DDR. 1974 wurde in der DDR die Millionste Kalaschnikow produziert und an Verteidigungsminister Hoffmann überreicht. Bis 1989 dürften rund drei Millionen AK hergestellt worden sein, von denen 90 Prozent exportiert wurden.

Konstrukteur Michael. T. Kalaschnikow blieb arm und bescheiden

Der Waffenhandel blüht nach wie vor. Doch der heute 83-jährige Konstrukteur Michail Timofejewitsch Kalaschnikow ist davon nicht reich geworden. Er reiste diese Woche zur Ausstellungseröffnung nach Suhl und sagte, er habe sein Auskommen. Doch während andere Erfinder erfolgreicher Waffen Multimillionäre sind, besitzt er nur viele Orden und den Rang eines Generalmajors. Zu seiner ersten Reise nach Deutschland stifteten ihm Freunde einen Anzug. In Ischewsk am Ural, wo er seit dem Kriege wohnt und noch als Chefkonstrukteur und Berater im jetzt privatisierten Kombinat Izhmash in Brot und Lohn steht, fehlt wegen des weltweiten Überangebotes an Waffen der Absatz.

Kalaschnikow und sein Sohn entwickelten deshalb Jagdwaffen und ernähren sich wie viele Russen weitgehend von dem, was sie im eigenen Garten selbst anbauen.