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Frauen jagen Dschihadisten: Der Albtraum des Islamischen Staates

Sie wurden Zeugen von unvorstellbaren Gräueltaten: Jesidi-Frauen werden von der Terrormiliz IS versklavt, vergewaltigt und umgebracht. Doch die einstigen Opfer wehren sich - und verwehren den Dschihadisten so den Weg in ihr "Paradies".

Die 21-jährige Asema Dahir (l.) steht an einem Geschütz, das auf der Ladefläche eines Pick-Up-Trucks installiert ist. Im Vordergrund steht eine ihrer Kameradinnen mit einem Sturmgewehr im Anschlag. Die weibliche Kampftruppe,zu der auch Asema gehört, befindet sich nahe der besetzen Metropole Mossul im Einsatz gegen den IS.

Die 21-jährige Asema Dahir (l.) steht an einem Geschütz, das auf der Ladefläche eines Pick-Up-Trucks installiert ist. Im Vordergrund steht eine ihrer Kameradinnen mit einem Sturmgewehr im Anschlag. Die weibliche Kampftruppe,zu der auch Asema gehört, befindet sich nahe der besetzen Metropole Mossul im Einsatz gegen den IS.

Die Geister der Vergangenheit sind zurückgekehrt, um die Kämpfer des Islamischen Staates das Fürchten zu lehren: Wir schreiben das Jahr 2014, die Terrormiliz IS befindet sich an allen Fronten auf dem Vormarsch und nimmt Dorf um Dorf ein. Auch in die nordirakische Stadt Sinjar ist im Fadenkreuz der Islamisten. Die Stadt, in der einst fast 90.000 Menschen lebten, war damals größtenteils von Jesiden bewohnt, einer eigenständigen ethnisch-religiösen Volksgruppe, die vom IS besonders brutal verfolgt wird, da sie in den Augen der Dschihadisten Anbeter des Teufels sind. Sie sehen sie nicht als Menschen.

Als der IS in der Stadt einfiel richteten sie ein Massaker an, dessen Ausmaße bis heute noch nicht vollständig geklärt sind. Bis zu 5000 Jesiden sollen den Dschihadisten zum Opfer gefallen sein. Wer überlebte wurde versklavt - besonders Frauen drohte ein schlimmes Schicksal. Sie werden wie auf Sklavenmärkten verkauft, an die Kämpfer des IS um ihnen als Sex-Sklaven zu dienen. Die ethnischen Säuberungen führten schlussendlich auch dazu, dass die USA mit ihrer Luftoffensive aktiv wurden und begannen, den IS zurückzudrängen.

Doch nicht alle Frauen, wollten dabei zuschauen, wie ihr Volk dem IS zum Opfer fällt. Sie griffen zu den Waffen und formten eine 30 Frauen starke Truppe. Auch heute noch kämpfen die Jesidi-Frauen gemeinsam mit Kurdinnen in einer eigenen Einheit, in den Reihen der Peschmerga - und lehren die Islamisten das Fürchten. Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters haben nun die Jesidinnen in ihrem Kampf gegen die Terrormiliz begleitet. Eindrücklich schildern sie, was sie unter der Terrorherrschaft des IS erlebten. Asema Dahir kämpft nun schon seit fast zwei Jahren gegen die Terrormiliz, Reuters sagte sie nahe der Frontlinie zur besetzten Metropole Mosul: "Sie (der IS) schnappten ich acht meiner Nachbarn, ich sah, wie sie Kinder töteten". Ihr Onkel wurde von den Dschihadisten getötet, die Frau ihres Cousins wurde verschleppt und ist bis heute in der Gewalt der Terrormiliz. Für die Frauen der Truppe zählt heute nur noch eines: Rache für die Frauen die vergewaltigt, geschlagen und hingerichtet wurden.

In den Barracken der Einheit hängen ausgeblichene Fotos von Kindern und Familien - stumme Zeugen der Opfer, die die Frauen auf sich nehmen müssen, um gegen den IS zu dienen. Dahir sagte Reuters, sie sei während der Kämpfe um Sinjar 2014 am Bein getroffen worden, nachdem sie schon zwei Islamisten getötet hatte. Auch Haseba Nauzad, die 24-jährige Kommandantin der Truppe, musste für ihren Kampf gegen den IS Opfer bringen - ihre Ehe scheiterte.

Sie lebte mit ihrem Mann in der Türkei, als der Islamische Staat sein Kalifat ausrief und wie eine Welle über den Nordirak hineinbrach. Der neue Einflussbereich der Terrormiliz umfasste auch viele Gebiete, die traditionell von Kurden bevölkert werden. "Ich sah, wie sie meine kurdischen Schwestern vergewaltigten und ich konnte dieses Unrecht nicht hinnehmen." Ihr Mann habe Schlepper anheuern wollen, um gemeinsam mit Millionen anderer Flüchtlinge nach Europa zu fliehen. Aber sie bestand darauf zu bleiben, um gegen den IS zu kämpfen.  Ihr Mann lebt heute in Deutschland - der Kontakt ist abgebrochen.

"Ich habe mein Privatleben zurückgestellt, um meine kurdischen Schwestern und Mütter zu verteidigen und gegen den Feind zu kämpfen", so Haseba Nauzad. Selbst die konservative Weltanschauung, die in der Region weitverbreitet sei, hindere sie nicht daran, ihren Teil im Kampf gegen den IS beizutragen: "Wenn ein Mann eine Waffe tragen kann, kann das eine Frau auch." Außerdem hätten die Frauen auch einen positiven Effekt auf die Kampfmoral der Kameraden: "Die Männer kämpfen noch härter, wenn eine Frau auf dem Schlachtfeld neben ihnen steht." Die Frauen der Einheit sind überzeugt, die Kämpfer des IS hätten Angst vor ihnen, "weil sie glauben, wenn sie von einer Frau getötet werden, kommen sie nicht ins Paradies", so Nauzad. Folgen Sie uns in dieser Fotostrecke in den Alltag von Frauen, die nicht länger Opfer seien wollten, und  alles geben, um den IS zur bekämpfen.

amt mit Reuters