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Einfach vegan: Tolle Trolle

Veganer regen sich immer wieder über böse Kommentare gegen ihre Lebensweise auf. Dabei würde es für eine vernünftige Diskussion schon helfen, einmal etwas genauer hinzuschauen.

Veganer regen sich immer wieder über ein paar böse Kommentare gegen ihre Lebensweise auf. Diese werden einsortiert in die Schublade „Blöde Fleischesser". Dabei würde es für eine vernünftige Diskussion durchaus helfen, mal etwas genauer hinzuschauen.

Als Veganer bringst Du ein paar Leute echt auf die Palme. Sie sind sogar schon auf hundertachtzig, wenn im Restaurant jemand neben ihnen sitzt, der nur Salat und Gemüse isst. Das müssen sie dann auch unbedingt im World Wide Web irgendwo loswerden. Gerne hinterlassen sie ihre Gedanken dazu in meterlangen Kommentaren auf veganen Seiten. Liest man diese, könnte einem schnell der Verdacht kommen, dass ein paar von denen vielleicht ein kleines Fleischproblem haben. Sie sind so ganz anders, als alle anderen, die mir sonst so über den Weg laufen. Die meisten sind vollkommen entspannt, freuen sich über neue Rezepte, finden Massentierhaltung echt mies, sagen manchmal, dass sie in der Woche so gut wie gar kein Fleisch mehr essen und sich dafür am Wochenende dann vielleicht ein richtig gutes Stück auf den Grill packen. Sie sind aufgeschlossen, lassen sich auf neue Ideen ein und sind dabei zufrieden. Ein paar andere lieben ihr tägliches Stück Fleisch, lassen sich durch meinen Salat aber auch nicht aus der Ruhe bringen. Jeder, wie er mag, denken sie. Die dritten, die mit dem Fleischproblem, erkennt man an einer grundsätzlich ablehnenden Haltung. Sie bekommen Panikattacken, wenn sie das Wort vegan nur lesen. Sie posten in veganen Foren und in Blogs, das alles Blödsinn sei und versuchen trotzig und mit einer überheblichen Sprache einen Fehler in der Denkweise der Veganer zu finden. Überall lauern für sie Fleischverächter, die missionieren. Komisch, ich sehe dagegen überall Fleisch-, Eier- und Milchwerbung. Sie argumentieren sich um Kopf und Kragen. Bei jeder pro-veganen Antwort suchen sie sofort die Schwachstelle. Finden sie keine, machen sie einfach ein neues Fass auf. Sie können aber niemals gewinnen, denn das ultimative Argument „Weil ich es möchte!" ist nicht angreifbar. Dann werden sie böse und gemein. Sie fühlen sich scheinbar verfolgt von jemandem, der ihnen das Fleisch vom Teller ziehen möchte. Und: es sind komischerweise immer Männer.

Es ist alles anders
Woran könnte das liegen? Griff in die Klischeekiste: es sind ja Männer, also eine Dissonanz zwischen Denken und Fühlen vielleicht? Verdrängte Schuldgefühle, die sie in einem Nebel von Argumenten und Boshaftigkeit verstecken? Angst, dass die Veganer die Weltherrschaft übernehmen und es nie wieder Fleisch gibt? Alles davon habe ich schon mal als Begründung gelesen. Inzwischen glaube ich aber, es ist nichts davon. Meistens, zumindest.

Sie reden von Lügen, von ach-so-schlauen Veganern, die vegane Schmierblätter lesen, von Fanatikern und Pseudowissenschaften, Veganer halten sie grundsätzlich für Heuchler. Sie sind immer anonym, geben sich selbst aber tolle Namen und lassen einen wissen, dass sie ja doch verdammt schlau sind und Veganer grundsätzlich eher unterbelichtet. Selbst Studien der Vereinten Nationen oder der Bundesregierung halten sie für ausgegorenen Schwachsinn. Die Veganer in den Foren und Blogs haben daraus das Bild des idiotischen Fleischessers erschaffen, der es einfach nicht begreifen will. Ich glaube allerdings, das tut allen anderen, die sich ernsthaft mit ihrer Ernährung auseinandersetzen, Unrecht. Ich habe bisher niemanden getroffen, der die Argumente gegen Massentierhaltung nicht nachvollziehen kann. Selbst Landwirte, mit denen ich sprach, halten das „immer mehr und immer billiger"-System für falsch. Obwohl niemand von denen auf die Idee kommen würde vegan zu leben, kann man mit ihnen doch vernünftig diskutieren. Nur mit den notorisch gesperrten Querulanten geht das nicht, sie torpedieren einfach alles. Deshalb mache ich mir das jetzt ganz einfach und halte jeden, der Heuchler, veganes Schmierblatt und ähnliches schreibt, ab sofort für einen Troll. Zensur werden die rufen! Na ja, ich werde jedes gute Argument gegen Veganismus durchlassen, aber keine Beleidigungen. Das hier ist ein Veganblog und nicht Speakers Corner.

Trolle
So nennt man Menschen, die es lustig finden, in Foren andere zu schikanieren und die versuchen jegliche wirkliche Diskussion durch Boshaftigkeit zu verhindern. Man erkennt sie meist spät, weil sie sich langsam herantasten und sehr geschickt sind. Am Anfang fühlt es sich manchmal so an, als würde ein Neuling einfach nur ein paar naive Fragen stellen. Oft erkennt man einen Troll erst daran, dass er im Kommentar die sachliche Ebene verlässt und persönlich wird, dann wird das Ganze sehr schnell emotional und der Troll hat seinen Spaß. Stefan Krappitz, der seine Diplomarbeit über Trolle geschrieben hat, erklärt in der Süddeutschen Zeitung ein klassisches Beispiel: „Wenn ich sage: „Du hast grüne Haare", dann wirst du sagen „Nein, habe ich nicht", weil du mit einem Blick in den Spiegel das Ganze falsifizieren kannst. Wenn ich aber sage „Du bist ein schlechter Journalist", dann kommt wahrscheinlich die Gegenfrage „Warum?", weil das nicht mit einem Blick in den Spiegel falsifiziert werden kann. Jeder Mensch hat Selbstzweifel und Angst davor, in dem, was er macht, schlecht zu sein. Der Troll konfrontiert diese wunden Punkte bewusst, und der andere reagiert emotional, selbst, wenn er weiß, dass getrollt wird."

Ruhig bleiben
Es gibt wenig Untersuchungen über Trolle. Vermutet wird, durch Beobachtung von verschiedenen Foren, dass sie bis zu fünf Prozent der Kommentatoren ausmachen. Weil ihre Machtspiele die Unterhaltungen dominieren, sie Blogs mit Kommentaren überschwemmen, aber überhaupt keinen sachlichen Mehrwert liefern, sorgen sie dafür, dass in veganen Foren Fleischesser generell als ziemlich beschränkt und aggressiv gelten. Das führt dann leider zu einer ebenso aggressiven Antwort der Veganer und jegliche Diskussion ist gestört. Andere Leser steigen dann aus, sie halten nun beide Seiten für vollkommen unterbelichtet. Alle haben verloren und nur der Troll freut sich. Natürlich gibt es auch vegane Trolle, die sich, wenn man Pech hat, in den gleichen Unterhaltungen tummeln. Die sind nicht weniger boshaft und schwingen dazu noch eine vermeintlich moralische Keule, mit der sie den anderen kurz und klein hauen. Das macht das Spiel noch komplizierter. Die beste Möglichkeit auf einen Troll zu reagieren ist, gar nicht zu antworten. Wenn man sich unsicher ist, kann man grundsätzlich auf der sachlichen Ebene bleiben. Das fällt wegen des Angriffs über die emotionale Ebene recht schwer, vor allem, wenn man selbst gerade auf der Palme sitzt.