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Einfach vegan: Ein Jahr vegan

Vor einem Jahr stellte sich Derik Meinköhn einer Challenge - 60 Tage vegan. Es wurden 365 Tage. Wie er diese Zeit erlebt hat und welches Fazit er aus der veganen Ernährung zieht, erklärt er hier.

Vor einem Jahr hielt ich mein erstes veganes Kochbuch in den Händen. Ich wollte mich zwei Monate lang vegan ernähren und über meine Erfahrungen zwei, drei Artikel schreiben. Doch schon nach ein paar Wochen war für mich klar, dass ich nicht zu meiner alten Ernährung zurückkehren werde, und aus einem spontanen Versuch sind inzwischen fast sechzig Beiträge geworden. Die meisten davon entstanden aus persönlichem Interesse während meiner Freizeit. Nun möchte ich mich anderen Dingen widmen und werde dieses Blog beenden. Zeit für ein Fazit.

Vegan ist gesund
Attila Hildmann machte mich neugierig. Er war anders als das Bild des anämischen, Zimtlatschen tragenden Müslifutterers in meinem Kopf: braun gebrannt, fit, jung und dynamisch. Sein veganes Ernährungskonzept hörte sich gut an und die Rezepte sahen lecker aus. Das wollte ich auch probieren. Heute würde er mich allerdings dazu nicht mehr bewegen, seine „Vegangsta“-Nummer finde ich nur noch peinlich. Auch die unglaubliche Fitness veganer Leistungsportler hat mich schwer beeindruckt. Tatsächlich fühlte ich mich nach der Umstellung auf vegane Ernährung selbst auch um einiges fitter und wacher als vorher. Nicht nur der Körper bekommt durch den hohen Anteil an Obst und Gemüse einen Nährstoffschub, auch das Gehirn produziert durch eine Ernährungsumstellung vermehrt Dopamin, kein Wunder, dass man sich gut fühlt. Doch ob die vegane Ernährung wirklich die gesündeste ist, bezweifle ich. Denn betrachtet man die ältesten Menschen der Welt, dann sieht man, dass doch viel mehr dazu gehört, als gutes Essen. Sie ist ein Faktor von vielen, der sich aber sehr leicht verändern läßt. Man muss nur anders einkaufen: mehr Gemüse und Obst, keine Fertiggerichte, weniger Fisch und Fleisch. Theoretisch wäre es nach der Blue Zone Studie ideal, den durchschnittlichen Fleischverbrauch auf ein Zehntel zu reduzieren. Weshalb dann gleich vegan?

Mehr als Gesundheit
Erstmal bin ich aus purer Neugier angefangen, ich wusste nicht, was mich erwartet. Nach ein paar Wochen habe ich so viel über die Herstellung von Fleisch gelesen, dass ich Massentierhaltung nur noch als ein irrsinniges System sehen konnte. Der Verbraucher wird mit Bildern von glücklichen Tieren auf den Packungen über die wahre Herkunft des Fleisches belogen. Für mich ist die vegane Ernährung eine Haltung anderen zu zeigen, dass auch sie mit weniger Fleisch auskommen können. Ich glaube nicht daran, dass es eine vegane Welt geben wird, aber ich bin fest davon überzeugt, dass eine weltweite Reduzierung des Fleischverbrauchs positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und die Zukunft unseres Planeten haben wird.

Sehr interessant finde ich auch die Geschichte des Veganismus in der Linken, die einen Zusammenhang zwischen der Behandlung von Tieren und der Behandlung von Menschen sieht. Von Pythagoras bis heute zieht Matthias Rude in seinem Buch Antispeziesismus einen roten Faden. Schon in der Antike wurde der Vergleich von Schlachtfeld und Schlachthaus gezogen. Für französische Revolutionäre, englische Arbeiter und Frauenrechtlerinnen war der Veganismus auch immer schon eine Haltung gegen ein System von Unterdrückung und Ausbeutung. Für Rude ist Tierbefreiung Voraussetzung und Resultat der Emanzipation des Menschen.

21 Cent für ein Tierleben
Ich komme von einem kleinen Bauernhof. Der Hof konnte zu Zeiten meines Großvaters drei Generationen ernähren. Seine Enkel aber mussten den Hof aufgeben, weil er nicht mehr profitabel geführt werden konnte. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen lag der Gewinn pro Schwein unter 50 Pfennig. Leben kann man davon nur, wenn man Fläche hat, auf Masse umsteigt und die Qualität runterschraubt. Die Schweine aus meiner Kindheit, die sich draußen suhlten und einen neugierig grunzend am Zaun begrüßten, gab es plötzlich nicht mehr. Sie wichen stressempfindlichen Hochleistungsschweinen, die zusammengepfercht auf Betonböden in einem nach Amoniak stinkenden Stall leben. Eine Familie ernähren konnte unser Hof damit nicht mehr, er hatte nicht genug Fläche für den Umstieg auf Massenhaltung. Heute findet man Bilderbuchschweine nur noch in der Werbung oder auf Höfen, die sich auf allerhöchste Qualität spezialisiert haben. 98 Prozent des Fleisches kommt bei uns aus der Massentierhaltung. Zwischen 6 und 15 Euro soll ein Züchter pro Schwein verdienen, es gibt aber auch Landwirte, die müssen mit 21 Cent auskommen. 21 Cent für ein Tierleben.

Tiere sind nur noch Dinge
Massentierhaltung bedeutet eine Verdinglichung der Tiere. Sie werden nicht behandelt wie fühlende Wesen, sondern wie eine Sache. Genau wie bei der Herstellung von einem Paket Schrauben, ist der gesamte Prozess der Fleischerzeugung effizienzorientiert und auf Menge ausgerichtet. Was das in seiner Konsequenz bedeutet beschreibt Jonathan Safran Foer in seinem Buch „Tiere essen“ und wir können es sehen in Filmen wie „Earthlings“. Der Schauspieler Joaquin Phoenix, seit seiner Kindheit Veganer, sagt, von all seinen Filmen, sei „Earthlings“ der Film, über den die Leute am meisten sprechen. Wenn man davon ausgeht, dass Tiere empfindungsfähige Wesen sind, dann stellt sich die Frage, weshalb wir so mit ihnen umgehen. Wir haben keine Achtung vor dem Leben der Tiere. Wir pferchen sie zusammen, reissen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden raus, schreddern männliche Küken und schlitzen Kühen bei lebendigem Leib und vollem Bewußtsein die Kehle auf. Wie der Bundestag 2012 auf eine Anfrage der Grünen bestätigte, werden 4-9% der Rinder und 10-12% der Schweine nicht richtig, oder gar nicht betäubt, bevor man sie in kochendes Wasser steckt, oder sie aufschneidet. Das sind mehr als sechs Millionen Tiere pro Jahr, die unnötig qualvoll sterben, weil die Schlachtung schnell und billig sein muss.

Wie wäre es, wenn eines dieser Tiere unser Hund oder unsere Katze wäre? Was unterscheidet das Schwein vom Hund? Es fühlt, es ist mindestens genau so intelligent, es hat das gleiche Bestreben zu leben. Weshalb hat aber das Schwein nicht die gleichen Rechte? Weil es falsch aussieht? Weil es nicht unser Haus bewacht? Weil es nicht zum Kuscheln taugt? Weil wir keine Empathie für Schweine empfinden?

Ob es jemals eine Welt ohne Leid und Tod geben kann, bezweifle ich und es ist naiv zu glauben, dass Veganer keine Tiere töten. Selbst bei der Ernte von Getreide müssen Tiere sterben, sei es durch Pestizide oder durch Erntemaschinen. Ähnlich naiv handeln manche Tierschützer, wenn sie Zirkustiere befreien und in gutem Glauben in die Freiheit entlassen. Dort werden sie dann wohl verrecken. Jeder sieht nur dass, was er sehen will und jeder handelt so, wie er es für richtig hält. Wenn aber niemand Massentierhaltung für richtig hält, weshalb kaufen dann alle billiges Fleisch? Weil sie keine Ahnung haben, was das bedeutet und weil sie einfach nicht darüber nachdenken wollen. Wo mein Schnitzel herkommt wird ausgeblendet.

Die Viehzucht ist ein Klimakiller
Die Vereinten Nationen raten dringend dazu, die Emission von Treibhausgasen zu senken. Um das zu erreichen, geben wir Millionen für die Entwicklung schadstoffarmer Autos aus. Und dass Fliegen klimaschädlich ist, wissen wir. Nur: der wahre Klimakiller ist aber nach einer Berechnung der Vereinten Nationen die Viehzucht.

Der Ausstoß an Treibhausgasen ist bei der Nutztierhaltung höher, als der aller Autos, LKWs, Schiffe und Flugzeuge auf der ganzen Welt zusammengenommen. 45% dieser Emissionen entfallen allein auf die Herstellung von Viehfutter.

Alle fünf Jahre wird Regenwald von der Größe Deutschlands abgeholzt. 70% des abgeholzten Amazonaswaldes werden zu Viehweiden und ein Grossteil der restlichen 30% wird für den Futteranbau verwendet.

85% der Sojaernte und 35% der Getreideproduktion werden weltweit an Nutztiere verfüttert

Für eine rein pflanzliche Ernährung würde man nur ein Fünftel der Landfläche benötigen.

Durch den erhöhten Futterhandel steigen die Getreidepreise, das trifft vor allem die Bewohner ärmerer Gegenden, die sich ihr Essen dann nicht mehr leisten können.

Tierexkremente, Antibiotika, Hormone, Düngemittel und Pestizide machen die Nutztierhaltung zu einer der grössten Quellen der Wasserverschmutzung. 50% des deutschen Grundwassers weist zu hohe Nitratwerte auf, damit ist Deutschland zusammen mit Malta das EU-Schlusslicht. Die EU-Kommission sieht den Grund in der industriellen Landwirtschaft, die zu viel Gülle auf die Felder kippt und hat deshalb Deutschland verklagt.

Der massive Einsatz von Antibiotika führt zu multiresistenten Keimen. Schweine Hühner und Kühe bekommen in Deutschland nach einem Bericht der Zeit doppelt so viel Antibiotika wie Menschen

Das alles führt dazu, dass auch dasEuropäische Parlament rät weniger Fleisch zu essen.

Vegan bedeutet achtsam leben
Ich habe mich ein Jahr damit beschäftigt, was ich esse, woher es kommt und was das Essen mit mir macht. Dabei tauchen automatisch Fragen auf wie: Was tut mir gut beim Essen? Was nährt mich? Wie sieht mein Essen aus? Wie schmeckt es wirklich? Welche Gedanken verbinde ich mit dem Essen? Wo bin ich mit meinen Gedanken und Gefühlen, wenn ich esse? Und ehrlich gesagt, das kann einem auch mal ganz schön auf den Zeiger gehen. Als Veganer muss man sein Essen ständig hinterfragen. Man muss überlegen, wo man was essen könnte und ständig nach Zutaten fragen. Einfacher ist das in den Szenevierteln der Großstadt. Dort gibt es inzwischen ein großes, veganes Angebot, aber sobald man diese Bezirke verläßt, begibt man sich in die kulinarische Diaspora. Deutschland ist ein verwurstetes Land, Pommes mit Salat höchste vegetarische Kochkunst. Niko Rittenau, veganer Koch und Ernährungsberater zeigt, dass es auch anders geht und vereint kulinarische Genüsse mit Gesundheit, Ethik und Nachhaltigkeit.

Ich kann nicht zurück
Ich vermisse manchmal dieses einfach drauflos essen, den Autopiloten, der uns bequem durchs Leben steuert. Gleichzeitig habe ich gelernt, was man gewinnen kann, wenn man vollkommen unvoreingenommen unterwegs ist und nicht das Standardprogramm fährt. Es ist manchmal anstrengend und stößt auf Wiederstand, ein bisschen so wie David Foster Wallace in seinem Buch „This is Water“ schreibt. Die wirkliche Freiheit erfordert Aufmerksamkeit, Offenheit, Disziplin, Mühe und Empathie. Man gewinnt dadurch eine neue Sichtweise und es führt dazu, dass man die Welt nicht mehr so sehen kann wie vorher, auf die bequeme Art. Ich kann nie mehr einfach so eine Wurst in einer Bude essen, weil ich sehe, was dahinter steckt. Mancher mag darin einen Verlust sehen. Für mich war es ein Gewinn.

Wer wissen möchte, wie alles anfing:
Hier gehts zu meinen ersten Blog

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Fleisch essen ist natürlich
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Vegane Mythen

Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.