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Gutes aus dem Küchengarten: Gemüse unterm Weihnachtsbaum

Das ist doch mal eine gute Idee, findet die Küchengärtnerin. Die österreichische Umweltschutzorganisation Global2000 bietet einoriginelles Weihnachtsgeschenk auf ihrer Webseite an. Eine Kartonbox, gefüllt mit verschiedenen Samen von Gemüsen, Kräutern und Blumen.

Die "Grüne Gemüsebox" enthält nur Saatgut von Pflanzen, die auch essbar sind. Und das tolle daran: Sie sind auch am Balkon oder der Terrasse kultivierbar. Für Topf und Kisten geeignet. Das freut mich als Urban Gardening Fan ganz besonders.

Der Beitrag für dieses grüne Weihnachtsgeschenk, der als Spende zu 100 Prozent für die Kampagne "Freiheit für die Vielfalt" verwendet wird, spricht ein wichtiges Thema an. Nämlich die Saatgutverordnung der Europäischen Union. Das ist nichts anderes als die Vereinheitlichung des Saatgutes auf ein paar wenige Sorten, was euphemistisch als "harmonisieren" des Verkaufs von Saatgut bezeichnet wird.

Dahinter steht eine Gefährdung der alten Sorten und der Sortenvielfalt des Kontinents überhaupt. Denn nur jene Sorten wären gemäß der Saatgutverordnung in den Handel gekommen, die von dieser "Harmonisierungsmaßnahme" erfasst worden wären. Und das alles zugunsten einiger großer Agrokonzerne, die das Saatgut von Nutzpflanzen kontrollieren wollen.

Diese Saatgutverordnung wurde zwar am 11. März 2014 verhindert. Dass jetzt Schweigen im Walde herrscht, sagt aber noch nicht viel darüber aus, dass das Thema gegessen ist. Im kommenden Frühjahr soll eine überarbeitete Version dieser Saatgutverordnung von der EU vorgelegt werden. Was soll das also? Abgelehnt ist abgelehnt. Noch dazu, wenn dieses Nein zur Saatgutverordnung mit 650 zu 15 (!) Stimmen erfolgte. Deutlicher geht nicht mehr!

Zusätzlich könnten Freihandelsabkommen wie TTIP oder TISA das Streben nach vereinheitlichtem Saatgut mit der Hintertüre kommend wieder aufrollen. Nicht umsonst meint ja der designierte EU-Kommissar Andriukaitis, dass er die Interessen von Ländern mit einer mächtigen Saatgutindustrie wahren muss. Er (nur) eine Grundposition zum Schutz der Saatgutvielfalt einnimmt. Das ist der Kommissar für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit. Welche Sicherheit für wen soll hier vertreten sein?

Für uns Küchengärtnerinnen und Küchengärtner würde die Saatgutverordnung bedeuten: Kein Tausch von eigenem, selbst gezogenem Saatgut mehr über den Gartenzaun und auch nicht bei Saatgutbörsen und privaten GärtnerInnen-Treffen. Ansonsten droht Strafe.

Nur noch der Kauf weniger zugelassener Gemüse-, Obst- und Kräutersorten, die von der EU dann vorgegeben werden, ist erlaubt. Bitte, will man Menschen für deren Pflanzen bestrafen, die sich selbst aussäen, ohne Erlaubnis der EU? Will man Menschen unter Strafe stellen, die Freude daran haben, ihre eigenen Tomaten weiter zu vermehren? Oder ihren Mangold, Salat, ihre Kräuter, Zucchini, Paprika?

Tritt die Verordnung in Kraft, dann käme ein schlagartiges Aus für viele regional resiliente Sorten. Für an kleinräumige Klimazonen angepasste Pflanzenraritäten mit ihrem ganz besonderen genetischen Potenzial, und generell für die Sortenvielfalt. Zur Orientierung: Die Vereinheitlichung geht in Richtung 50 verschiedene Nutzpflanzen für den Menschen. Allein von der Tomate gibt es aber über 3000 Sorten.

Als engagierte Küchengärtnerin muss ich einfach gegen die Saatgutverordnung sein und für Sortenvielfalt einstehen. Global2000 bietet dafür jetzt ein wundervolles nachhaltiges Weihnachtsgeschenk.

PS: Ich habe eine Seite auf Facebook mit dem Titel "Gutes aus dem Küchengarten" eingerichtet. Dort beantworte ich täglich auch Fragen rund ums Küchengärtnern, es gibt Tipps, Links zu Videos und Allerlei. Vielleicht sehen wir uns ja dort. Würde mich freuen!