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Gutes aus dem Küchengarten: Jedem Stadtteil seinen Garten – Teil 3

Am Sonntag, damals Ende April 2013, besuchte ich den Interkulturellen Garten in Graz Wetzelsdorf. Die letzte Station auf meiner kleinen Stadtgarten-Reise. Hier der dritte Teil des Beitrages "Jedem Stadtteil sein Garten".

Dann kam der Sonntag und ich hatte ein Date mit Ulrike Dietschy vom "Palaver unterm Apfelbaum", einem Gartenprojekt im Südwesten von Graz mit interkultureller Ausrichtung.

Dass hier nicht nur palavert wird, zeigt die Größe des Areals. Hier versorgen sich rund 15 Familien aus aller Welt mit Gemüse. Neben Österreichern gärtnern in dieser Permakultur auch Menschen aus der Türkei, Indien, Guatemala, aus Kurdistan, dem Iran, Sudan, Ägypten und auch Marokko, Frankreich und Australien.

Diese bunte Mischung sieht man spätestens dann, wenn man den Lehmofen in Augenschein nimmt, der den Gärtnern als Kochstelle dient.

Der Lehmbackofen im Garten "Pallaver unterm Apfelbaum".

Auf diesem Ofen kann nicht nur Brot gebacken werden, sondern es wird darauf auch gekocht. Das Erfahrungswissen eines der anatolischen Gärtner floss bei der Gestaltung und den Bau dieses Prachtstückes mit ein.

Interkulturell zu arbeiten bedeutet, Erfahrungswissen miteinander zu teilen - das ist das Fazit, das ich von Ulrike mitnehme. Und, dass Gärtnern in einem solchen Kontext viel mehr ist als Gemüse zu pflanzen und zu ernten. Es bildet soziale Kompetenzen heran, baut soziale Strukturen auf und integriert. All das leistet ein solches Gartenprojekt.

Jeder Stadtteil von Graz könnte einen solchen Gemeinschaftsgarten besitzen. Die Entwicklung sollte in Richtung Stadtteil-Garten oder Nachbarschaftsgarten gehen, erklärt mir Ulrike, die viele Jahre ihres Lebens in Berlin verbracht hatte und dann nach ihrer Rückkehr nach Österreich erkannte, wie ausgehungert sie nach Natur war. Der interkulturelle Garten ist ein "reformpädagogisches Bildungsmittel" und weicht Grenzräume auf, vermittelt, baut Brücken, spinnt ein feines soziales Netzwerk, erklärt sie mir.

Wie ein interkultureller Austausch entsteht, lerne ich gleich vor Ort. Ulrike und ich inspizieren die Anlage und wir sprechen mit den beiden Türken, die gerade in ihrem Gartenteil umstechen und den Boden bearbeiten. Wir plaudern über Anatolien, Auberginen und Melonen. Viel Sonne benötigen diese beiden Gemüse - eine Sache für die Wärmefalle. Und der Folientunnel muss heuer erneuert werden, um die Tomaten vor dem Regen zu schützen. Alles Kompromisse, die man in dieser Lage hier zu berücksichtigen hat. Ach ja, und irgendwie fiel unser Gespräch auf die Religion, den Islam. "Den braucht kein Mensch", meint einer der beiden Männer. Denn Religion baut auf Angst auf und mache die Menschen nicht wirklich besser, ist man sich hier im Garten einig.

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich in eine andere Welt eingetaucht bin, an diesem Wochenende - bei meinen Gesprächen hier am Acker und im Weidendom, beim "Palaver unterm Apfelbaum". Ich denke, ich werde wieder kommen, im Sommer. Und mir die Stadtgärten bei voller Vegetation ansehen.