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Gutes aus dem Küchengarten: Wir brauchen einen Küchengarten-Punk

Bei der Klimakonferenz in Peru kam nicht viel heraus. Klimaschutz scheint niemanden zu interessieren. Maßgeblich sind die Profite und möglicherweise gefährdete Gewinne der Konzerne, welche den Takt und das Tempo unserer Wirtschaft vorgeben. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn Aktionäre sagen, was zu tun ist, dann geht es nicht um Klimaschutz und um das ökologische Gleichgewicht auf diesem Planeten. Einer solchen Haltung schließt sich die leidige Debatte um Freihandelsabkommen (TTIP, TISA, CETA) ebenfalls an.

Seit vergangener Woche geistert ein Umweltproblem durch österreichische Medien. Hexachlorbenzol (HCB) belastet ein Tal, und damit auch alle landwirtschaftlichen Produkte, die dort erzeugt werden. Der Dreck wurde unter anderem in der Landwirtschaft als Pestizid und Fungizid sowie zur Saatgutbeize verwendet (Verbot seit 1992). Die Böden sind voll davon, Vieh und Milch HCB-belastet. Angeblich sind auch Küchengärten der Region betroffen. Industrielle Immisionen hätten die HCB-Werte nun gefährlich nach oben getrieben. Super.

Die Behörden hätten viel früher reagieren müssen und verhalten sich jetzt auf interessante Weise unschuldig, lahm. Wie ein kleines Kind, das etwas angestellt hat und jetzt behauptet: Ich war es nicht, es waren die andern. Vandana Shiva sagte schon, dass diese Männergesellschaft nicht zu echter Nachhaltigkeit im ökologischen Sinn fähig ist. Viel zu linear analog im Denken und technikgläubig karrieregeil.

Die Küchengärtnerin liest diese Meldungen der Medien nicht gerne. Sie mag es auch nicht, wenn man die Erde ausbeutet, sie wissentlich mit Schadstoffen belastet und die Lebensgrundlage von uns allen vergiftet. Schließlich geht es doch um gesundes nährstoffreiches Essen und um sauberes Wasser. Haben wir beides nicht, können wir uns auch gleich von diesem Planeten verabschieden. Von Luft (und Liebe) lebt man schließlich nicht allein.

Ich glaube, aufwachen ist angesagt. Und die Angelegenheiten rund um Lebensmittel und Wasser, um Böden und Wälder, um Natur und Umwelt müssen wir selber in die Hände nehmen. Jede und jeder von uns.

Je mehr sich unser Klima verändert, umso wichtiger wird wohl, dass wir uns regional und lokal mit gesunden, nahrhaften Lebensmitteln versorgen. Und dass wir vegetarischer leben lernen. Wir Einfluss auf die Art und Weise der Produktion unserer Lebensmittel nehmen.

Je mehr sich unser Klima verändert, umso wichtiger wird auch, dass wir uns um Artenvielfalt sorgen. Dass wir Sorten weiter vermehren, die in unseren Gärten wachsen. Die mit den örtlichen Klimaverhältnissen gut zurecht kommen und trotz der Wetterkapriolen eine gute Ernte bringen. Das Wetter wird zunehmend verrückt spielen. Das sagen mir jene, die sich mit Meteorologie und der Klimaveränderung auskennen.

Je mehr wir mit Umweltverschmutzung und Schadstoffbelastungen konfrontiert sind, desto intensiver werden wir einerseits fragen müssen, woher unsere Lebensmittel kommen. Und andererseits hat uns zu kümmern, was mit unseren Böden vor der Haustüre passiert.

Der ehemalige Bürgermeister von Reyjkavik, Jón Gnarr, bringt es auf den Punkt. Politik und Gestaltung findet in der Gemeinde, der Region statt, meint er. Er der mittlerweile in die Jahre gekommene Punker und Clown. Die Gemeinden mit ihren Menschen haben den Bezug zur Umwelt, zum Lebensraum, in dem man sich befindet. Und den man gestalten will. Gemeinden sind die Gestalter und nicht Staaten oder gar Wirtschaftsinstitutionen, oder in Hauptstädten herumsitzende Politiker. Punk ist angesagt. Gestaltungs-Punk, Küchengarten-Punk.

Genau deswegen lerne ich wieder die Fertigkeiten, mit denen ich einen Garten bewirtschaften kann. Um mich selbst zu versorgen, weitestgehend nach den vorhandenen Möglichkeiten. Fertigkeiten, mit denen ich mich um den Boden und eine gesunde Umwelt kümmere. Eine Nachbarin meinte unlängst zu mir: "Gut essen ist doch das Wichtigste im Leben. Wenn du nicht gut gegessen hast, dann kannst du auch nicht deinen Aufgaben im Leben nachgehen". Ich glaube, sie hat recht.

  • Angelika Wohofsky
    Angelika Wohofsky