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Stars der Bio-Kiste: Der Chicorée

Der zart-bittere Belgier kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Seine Noblesse erwarb er in Dunkelhaft.

Seine vornehme Blässe verdankt er einem Zufall, und auch sein Name war ursprünglich schlicht und volkstümlich: Aus der Wurzel der Zichorie, zuweilen auch Gemeine Wegwarte genannt, machte man lange Zeit Kaffee-Ersatz. 1870 fiel in Belgien die Ernte so üppig aus, dass die Bauern den Überschuss gut verpackt in Gewächshäusern einlagerten - und vergaßen. Im Frühjahr hatten sich an den Wurzeln zarte Triebe gebildet, die, da sie monatelang kein Tageslicht gesehen hatten, blütenweiß waren.

Die neue Gemüsesorte erwies sich als köstliche Entdeckung und ist, versehen mit neuem Namen, der ihre proletarische Herkunft vergessen lässt, bis heute einer der wichtigen Exportartikel Belgiens. Etwa vier Kilo Chicorée verputzt der Durchschnitts-Belgier im Jahr - zehnmal so viel wie wir. Dabei macht sich der knackige Emporkömmling auch auf deutschen Tellern gut.

Seine leichte Bitterkeit macht öde Salate raffiniert, besonders in Kombination mit Weintrauben, Mandarinen, Äpfeln oder Orangen. Roh unterstreicht ihn eine süß-saure Joghurt-Zitronensauce perfekt. Gedünstet oder im Ofen gratiniert wird er zur feinen Beilage und verträgt sich bestens mit Curry, Ingwer, Kardamom und sogar Gorgonzola. Ganz nebenbei bietet er reichlich Vitamin A, C und Folsäure. Es mangelt also nicht an guten Gründen und Gelegenheiten, den hiesigen Pro-Kopf-Verbrauch zu steigern.

Ruth Hoffmann / print
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