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Konzept für Nicht-Kenner: Hier finden Sie "Geile Weine"

Die Idee ist einfach: ein besonderer Moment - dazu ein passender Wein. Der Online-Shop "Geile Weine" räumt auf mit kompliziertem Fachgeplänkel und empfiehlt Wein, so wie er ist: zum Genießen.

Von Denise Wachter

Manchmal hat man einfach keine Lust, vor dem Supermarktregal zu stehen und einen passenden Wein für die Schwiegereltern auszusuchen - vor allem, wenn man sich nicht mit Rebsorten auskennt. Man könnte dann noch nach der Optik des Etiketts auswählen. Aber ob das Hand und Fuß hat, ist zu bezweifeln.

Und genau da kommen die drei Mainzer Jungunternehmer von "Geile Weine" ins Spiel: Winzer Michael Reinfrank, Marketing-Fachmann Sedat Aktas und Markenmanager Kolja Orzeszko polarisieren nicht nur durch den unkonventionellen Namen ihrer Weinplattform, sondern auch durch ihr Konzept. Ihr Motto ist: "Frag nicht, was es für ein Wein sein soll, sondern sag mir, in welchem Moment du ihn trinken möchtest. Denn für jeden Moment gibt es den passenden Wein." Diese Strategie mag banal klingen, aber das Jungunternehmen kommt an.

Moderne Weinproben

Seit Oktober 2013 betreiben die drei Mainzer ihren Online-Shop und haben bereits knapp 9000 Fans bei Facebook. "Wir wollen die Weinszene entstauben und die veralteten Strukturen lockern. Weintrinken ist keine Wissenschaft, sondern Genuss. Genau das wollen wir auf unseren unkonventionellen Weinproben vermitteln", so der junge Winzer im Team.

Und das tun sie auch: Mit den "Weinmomenten" starten sie im April eine monatliche Event-Reihe in Berlin und Hamburg - eine Art Weinverkostung, aber modern. Mit Konzerten, Lesungen und gutem Essen. Es kommt auf den Geschmack an und das Ambiente, das zieht das Start-Up auch konsequent durch: vom Wein über das Event bis hin zur Homepage.

Neue Wein-Konzepte sind im Trend

Der Trend, dass junge Menschen immer öfter zum Wein statt zum Bier greifen, ist in Deutschland schon seit einigen Jahren zu beobachten. Und zwar ohne elitäres Fachgeplänkel. Das liegt daran, dass das Interesse der Generation zwischen Anfang 20 und Ende 30, tiefer in die Weinmaterie einzutauchen, wächst. Gleichzeitig ist deutscher Wein immer mehr im Kommen - vor allem deutscher Riesling im Ausland.

Das bestätigt Winzer und Weinexperte Dirk Würtz: "Es gibt immer mehr Start-Ups, die sich mit dem Thema Wein beschäftigen. Vor allem die sozialen Netzwerke helfen unkonventionellen Ideen auf die Sprünge. Da passiert gerade einiges." Gleichzeitig gibt es immer mehr Events rund um den Wein. Wie die "Winerotation" und "WineVibes", die guten Wein mit fetziger Musik kombinieren. "Klassische Weinverkostung ist passé. Die Leute wollen mehr als nur Fachgesimpel. Denn Wein ist immer mit Emotionen verbunden", so der Weinblogger Würtz.

In den letzten Jahren sind einige Shops online gegangen, die sich mit unkonventionellem Weinhandel beschäftigen wie "Navinum", "Vicampo" oder der Weinclub "Wine in Black". "Geile Weine" hat sich hauptsächlich über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch finanziert. Innerhalb kürzester Zeit haben sie die Fundingschwelle von 50.000 Euro erreicht. Im Moment liegt die Finanzierung bei 149.500 Euro. Dies liegt auch an dem viralen Erfolg, den "Geile Weine" im Netz hat.

Wein trinken ist Gefühl

Die Jungunternehmer führen in ihrem Shop nur solide Weine, die sie auch persönlich mögen und bestimmten Momenten zuordnen - eine Art spielerische Kategorisierung. So gibt es Weinempfehlungen für die Augenblicke "Abhängen mit Freunden", "Prickelndes Frühstück" oder "Dinner for Two".

Hinter den Empfehlungen steckt übrigens keine verkopfte Philosophie. Sie sollen bewusst locker und vage bleiben: "Wenn ich Wein probiere, habe ich keine Fachidiotenbrille auf, sondern nehme den Wein so wie er ist. Und ziemlich schnell entwickelt sich bei mir ein bestimmtes Gefühl, eine Atmosphäre und ich kann sagen, zu welchem Moment ich diesen Wein trinken würde", so Michael Reinfrank.

Auch stern.de durfte Wein probieren: Für "lange Redaktionstage" und "Frühlingsabende mit Kollegen". Ein Perlwein, ein Rosé und ein Weißwein aus sieben verschiedenen Rebsorten. Für die Redaktion ist diese Auswahl aufgegangen. Zum Glück nach Feierabend. Denn Arbeiten war danach nicht mehr möglich.

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