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Wein-Experte zum Bodensee-"Tatort": "Ein Wein von 1848 riecht nach Tankstelle und Blut"

Der Wein im "Tatort" aus Konstanz stammt aus dem Jahr 1848. Doch kann so etwas schmecken? Durchaus, sagt Weinkenner Dirk Würtz. Man sollte beim Trinken aber einen Hang zum Masochismus haben.

Im "Tatort" aus Konstanz ging es am Sonntag um einen Steuerbetrug, einen Mord, ein historisches Verbrechen und um alten, teuren Wein. Genauer gesagt: um ein paar Rotweinflaschen, die aus der Zeit der badischen Revolution von 1848 stammten und ein Vermögen wert sind.

Aber was ist wirklich dran an solchen historischen Weinen? Wir haben mit Winzer und Weinblogger Dirk Würtz gesprochen, der uns die Unterschiede zwischen gut und teuer erklärt. Und das Mysterium der Weinaromen lüftet, wenn Wein plötzlich nach grünem Apfel oder Bahngleisen riecht.

Herr Würtz, kann man Wein von 1848 überhaupt noch trinken?
Natürlich, wenn er gut gelagert ist.

Wie sollte man einen Wein am besten lagern, damit er nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten noch schmeckt?
Die Temperatur muss gleichbleibend sein, es dürfen keine UV-Strahlen an die Weinflaschen gelangen, und die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein, sonst trocknet der Korken aus.

Also könnte der Wein aus dem "Tatort" wirklich noch schmecken?
Na klar. Wenn er wirklich die ganze Zeit im Mauerwerk eingeschlossen war, dann könnte er noch schmecken.

Wie schmeckt denn so ein alter Wein?


Man muss schon einen Hang zum Masochismus haben (lacht).

Wieso das denn?


Weine oxidieren mit der Zeit. Der Schwefel wird gefressen, und der Wein weist schnell Petroltöne auf. Das heißt, der Tropfen riecht dann nach Tankstelle und auch nach Blut oder Eisen.

Was hat es eigentlich mit den Aromen im Wein auf sich? Gibt es so etwas wie ein Handbuch?
Ja, in der Tat gibt es ein Aromarad oder ein Aromenlehrbuch, die Rebsorten bestimmte Aromen zuordnen. So schmeckt Riesling nach Pfirsich, Sauvignon Blanc nach Stachelbeere, und ein roter Cabernet Sauvignon ist rauchig mit Tabaknoten. Aber eigentlich ist das Bullshit.

Wieso?


Weil alles, was du assoziierst, wenn du deine Nase in den Wein steckst, in Ordnung ist. Wenn zum Beispiel jemand sagt, der Wein rieche nach grünem Apfel oder nach Bahngleisen, dann ist das halt so und sein persönliches Empfinden. Es geht aber gar nicht, wenn einem jemand seinen Geschmack aufdrängen will. Nicht alle werden den grünen Apfel oder die Bahngleise riechen, das ist ein subjektives Empfinden.

Im "Tatort" war der alte Wein ein Vermögen wert. Sind Weine tatsächlich eine gute Geldanlage?


Als Geldanlage sind Weine sicher keine schlechte Idee. Aber das ist relativ. Ich würde jetzt nicht empfehlen, wild alten Wein einzukaufen. Denn nicht jeder alte Wein ist viel wert. Das sind eher die Weine von wahnsinnig berühmten Weingütern.

Interview: Denise Wachter
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