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Digitales Event Online-Weinprobe im (Geschmacks)-Test: So funktioniert ein virtuelles Tasting

Online Weinproben von Jochen Schweizer
Digitale Events wie zum Beispiel Online-Weinproben liegen derzeit im Trend
© stern
Aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen sind gemütliche Abende mit Freunden derzeit nicht möglich. Daher ist es kaum verwunderlich, warum digitale Erlebnisse einen regelrechten Boom erleben – wie zum Beispiel virtuelle Weinproben. Der stern hat das Online-Event getestet.  

Inhaltsverzeichnis

Seit Monaten können kaum noch echte Events stattfinden. Aus diesem Grund bieten viele Unternehmen ihre Veranstaltungen mittlerweile auch online an: Von Stadtführungen über Meditationsübungen bis hin zu Käse, Bier- oder Gintastings gibt es ein breites Angebot virtueller Kurse. Um so ein digitales Event einmal selbst zu erleben, haben wir eine Weinprobe von Jochen Schweizer getestet. Wie unsere stern-Mitarbeiterin das Online-Event zu Hause erlebt hat? Lesen Sie selbst:

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Sie stellen sich möglicherweise die Frage, warum ich mich ausgerechnet für ein Weintasting entschieden habe? Die Antwort ist denkbar einfach: Weil ich gerne Wein trinke (zu Coronazeiten wahrscheinlich sogar mehr als vorher) und neue Sorten ausprobieren möchten – normalerweise mit Freunden, auf Weinmessen oder -festen. Das ist jedoch gerade nicht mehr möglich, sodass ich mich fast wöchentlich mit meinen Mädels auf einen digitalen Videoschnack treffe und wir so schon das eine oder andere Gläschen zusammen getrunken haben. So entstand die Idee, Wein einfach mal online zu testen, in diesem Fall sogar gleich sechs verschiedene Flaschen unterschiedlichen Inhalts.

Vorbereitung: Das sind die ersten Schritte

Auf der Webseite des Veranstalters heißt es, das virtuelle Erlebnis würde sich für Wein-Neueinsteiger gleichermaßen eignen wie für Genießer. Zu Letzteren würde ich mich definitiv zählen. Und da ich mir einbilde, mir in den letzten Jahren ein solides Grundwissen über Weinsorten angeeignet zu haben, hat mich das Online-Event neugierig gemacht. Doch zurück zum Ablauf: Um die Online-Weinprobe zu buchen, muss ich zuerst einen Termin auswählen – auch wenn man grundsätzlich vier Wochen lang Zeit hat, das Video jederzeit und mehrmals in Folge abzurufen – und meine Kontaktdaten inklusive meiner privaten Adresse für den Versand hinterlegen. Im Anschluss bekommt man eine Buchungsbestätigung, in der man sowohl Informationen über den Veranstalter (in meinem Fall war es das Weingut Feser aus Ockenheim) finden kann als auch die Bestelldetails. Aus diesen geht hervor, dass ich erst zusammen mit der Weinlieferung den Zugang zu einem passwortgeschützten Portal bekommen würde, in dem das Video hinterlegt ist.

Lieferung: Diese Weine stehen zur Auswahl

Nach nur wenigen Tagen erhalte ich meine Weinlieferung: Insgesamt sechs Flaschen (à 0,75 Liter) werden mir von dem Weingut für das virtuelle Erlebnis geschickt:

  1. Chardonnay Secco (trocken)
  2. Riesling Weißwein (feinherb)
  3. Weißer Burgunder Weißwein (feinherb)
  4. Scheurebe Weißwein (lieblich)
  5. Bl. Spätburgunder Rosé (feinherb)
  6. Dornfelder Rotwein (Classic)

Das Paket enthält eine detaillierte Beschreibung, wie und wo ich das bereits aufgezeichnete Video online abrufen kann, sowie eine Weinkarte mit Informationen über sämtliche Sorten des Weinguts (also auch den mir kürzlich gelieferten). Zudem werde ich in dem beigefügten Schreiben darauf hingewiesen, dass ich den Secco, die Weißweine und den Rosé einen Tag vor der Verköstigung kühl stellen müsse – den Rotwein hingegen solle ich eine Stunde vor dem Tasting öffnen, damit er "atmen" kann. Zur Neutralisierung zwischen jedem "Gang" wird mir empfohlen, ein großes Glas Wasser und etwas Brot beiseitezustellen, wenn ich mit dem Test beginne.

Online-Weinproben sind derzeit gefragt
In dem aufgezeichneten Video geht Simon Feser auf die unterschiedlichen Weine ein

Test: So läuft die Online-Weinprobe ab

Nachdem ich das 35-minütige Video gestartet habe, werde ich von Simon Feser (Sohn der Inhaber des Weingut Feser) erst einmal herzlich willkommen geheißen. Der staatl. geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie ist sowohl für den Außenbetrieb als auch den Ausbau der Weine verantwortlich. Am Anfang des Tastings stellt er das Familienunternehmen kurz vor und erklärt verständlich, worauf es bei einer Weinverkostung in erster Linie ankommt: die Farbe, den Geruch und natürlich den Geschmack. Kurz darauf wird bereits der Chardonnay eingeblendet, damit ich weiß, mit welchem Wein wir starten (wie aufregend!):

Chardonnay: Zuerst erläutert Simon den Unterschied zwischen einem Secco und einem Sekt, den ich bis dato tatsächlich noch nicht kannte. Danach darf ich bereits den ersten Schluck nehmen. Obwohl der Chardonnay leicht fruchtig riecht, schmeckt er sehr trocken – aber auf eine angenehme Art und Weise. Und auch die Kohlensäure ist sehr zurückhaltend, sodass man den Secco gut trinken kann. Vielleicht habe ich mir deshalb nochmal ein (großzügiges) Schlückchen nachgegossen. 

Damit noch genug Zeit zum Genießen bleibt, werden (zwischen jedem Gang) Bilder des Weinguts sowie Musik eingespielt.

Riesling: Der Riesling wir von Herrn Feser als "Königin unter den deutschen Weißweinen" bezeichnet, der – laut Weinkarte – Aromen von frischem Apfel, saftigem Pfirsich, kerniger Birne und einem Hauch Maracuja enthält. Zugegeben, ich konnte alle Obstsorten bei Weitem nicht im Detail herausschmecken, dafür aber eine fruchtige Säure, die leicht auf der Zunge gepitzelt hat. Naja, Sie wissen schon was ich meine. Das ist sicherlich auch der Grund, warum ich das Zusammenspiel der Aromen besonders lecker fand. Mit Riesling kann man eigentlich nichts falsch machen. 

Weißer Burgunder: Hierbei handelt es sich, laut Simon, um einen besonders leichten Wein (auf den Burgunder bezogen) – ideal für den Garten oder den Balkon. Auch bei dieser Sorte soll das Aroma an Früchte wie Aprikosen und Birne erinnern, wobei das wahrscheinlich nur ein echter Sommelier so detailliert herausschmecken kann. Ich finde dennoch, dass der Weiße Burgunder sehr leicht, dezent und frisch schmeckt und sich somit sehr gut für einen lauen Sommerabend eignet. Da trinkt man auch gerne eine zweite Flasche von. Mit guten Freunden soll man ja teilen.

Scheurebe: Bei diesem Wein habe ich die Süße förmlich schon vor dem ersten Schluck gerochen. Herrn Feser zur Folge enthält die Sorte das Doppelte an Restzucker, was eben genau dazu führt, dass die Scheurebe sehr süß schmeckt – mir persönlich viel zu süß. Was nicht heißen soll, dass der Wein nicht lecker wäre, im Gegenteil: Ich kann mir gut vorstellen, dass der fruchtige und aromatische (von Schwarzer Johannisbeere geprägter) Rebensaft gut zu herzhaftem Käse passt. Und Käse mag ich ja auch.

Bl. Spätburgunder Rosé: Typisch für einen Rosé ist nicht nur seine Farbe, sondern auch das beerige Aroma. Leicht gekühlt gehört er zu den Lieblingsweinen vieler Menschen (unter anderem auch zu meinen) – vor allem im Sommer. Der fruchtig-herbe Geschmack, gepaart mit einer leichten Säure, die auf der Zunge kitzelt, kann mich auch diese Sorte von sich überzeugen (oder spricht da schon der fünfte Wein aus mir?). Besonders gut finde ich auch, dass in dem Video eine Erklärung zur Herstellung eingebaut wurde.

Dornfelder: Bevor ich den Rotwein testen darf, folgt eine kurze und anschauliche Erklärung aus dem Weinkeller zur Rotweinbereitung. Im Anschluss soll ich einen Schluck vom Dornfelder nehmen, den Simon als "deutsche Antwort auf südländische Rotweine" bezeichnet. Was mir sofort ins Auge fällt, ist die dunkle Farbe des Weins. Das von der (Sauer-)Kirsche inspirierte Aroma sorgt für eine kräftige, fruchtige und leicht säuerliche – mir leider etwas zu saure – Note. Ich trinke aber grundsätzlich auch viel lieber sehr schwere und trockene Rotweine aus Spanien oder Frankreich, muss ich gestehen.

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Noch ein Hinweis zum Schluss: Für die Online-Weinproben müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden – ein Mindestalter von 18 Jahren als auch eine stabile WLAN-Verbindung via Laptop, Tablet oder Smartphone.

Fazit: Konnte das Event überzeugen?

Da es sich bei der Online-Weinprobe um ein bereits aufgezeichnetes Video handelt, konnte ich die Trink-Geschwindigkeit selbst bestimmen. Somit hätte ich – rein theoretisch – das Tasting auch über mehrere Tage verteilen können. Das ist sicherlich ein großer Vorteil, wenn man keine sechs verschiedenen Sorten an einem Tag verköstigen möchte. Was mir persönlich nicht schwer fiel, aber auch für einen ordentlichen Schwips sorgte, wie ich nach dem sechsten Glas feststellen musste. Es ist ja nicht so, als hätte man am nächsten Tag große Pläne. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass ich das virtuelle Erlebnis auch mit einer weiteren Person (zum Beispiel einer Freundin) hätte teilen können, sofern das Treffen Corona konform stattfindet. 

Schade fand ich trotzdem, dass es – in diesem Fall – kein Live-Event war. Gerne hätte ich mich mit dem Sommelier oder auch anderen Teilnehmern über die verschiedenen Sorten gefachsimpelt. Wobei es vielleicht auch besser so war, da mir niemand seine Laienfachkenntnisse aufschwatzen konnte. Aufgrund der aktuellen Kontakteinschränkungen fehlte mir sicherlich auch ein bisschen das Gefühl der Geselligkeit, etwas "Normales" mit Freunden zu unternehmen. Letztendlich bleibt es eben nur ein Online-Event, das zu Hause für ein bisschen Abwechslung (und Heiterkeit) sorgt.

Was die Weine an sich angeht, so fand ich alle sehr hochwertig und lecker – selbst wenn mir die Scheurebe zu süß und der Dornfelder zu sauer war. Das ist am Ende aber auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Wenn Sie jetzt auch Lust auf ein virtuelles Event haben (oder eins verschenken möchten): Mittlerweile bieten verschiedene Anbieter unterschiedliche Events an, zum Beispiel auch virtuelle Weinwanderungen oder Wein- und Schokoladentastings.

Quelle: Jochen Schweizer

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