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BRLO - die moderne Brauerei: Dieses stylische Brauhaus ist aus 38 alten Schiffscontainern gebaut

Ein architektonisches Meisterwerk. Die Berliner Brauerei BRLO ist in ausrangierten Schiffscontainern einquartiert. Hier trifft Tradition auf Moderne. Es gibt Bier und einen Biergarten, aber keine Schweinshaxe und Rollbraten, sondern jede Menge Gemüse.

Ein modernes Brauhaus aus 38 verbeulten Schiffscontainern, davon sieht man am Gleisdreieck nichts mehr

Ein modernes Brauhaus aus 38 verbeulten Schiffscontainern, davon sieht man am Gleisdreieck nichts mehr

Jeder waschechte Bayer dürfte bei diesen alten verbeulten Schiffscontainern die Nase rümpfen - das soll ein Brauhaus sein? Hier wird traditionelles Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut? Und dann essen die Gäste nicht mal Schweinshaxe, sondern Gemüse? Ja, spinnen die? Bei weitem nicht.

Das BRLO am Berliner Gleisdreieck schließt eine Lücke, so etwas hat lange in Berlin gefehlt. Es ist ein Brauhaus, aber mit Stil, jung, stylisch und agil. Aber auch traditionell - schließlich ist hier jeder Willkommen und das zeigt sich auch in der Mischung vom Publikum: junge Familien, Senioren und Hipster. Sie alle trinken eine der zehn Biersorten, die hier gebraut werden und essen dazu Gemüse.

Aus 38 gebrauchten Schiffscontainern ist das Brauhaus entstanden, die waren völlig zerdellt und in allen möglichen Farben verrostet, erinnert sich Katharina Kurz, Geschäftsführerin von BRLO, im Gespräch mit dem stern: "Es war eine riesige Herausforderung. Wie sollte man daraus nur ein Gebäude machen?" In dieser Komplexität ist das Brauhaus das größte Containervorhaben in Europa - mit voller Brauerei und voller Gastronomie. Etwas Vergleichbares gibt es nur in Übersee. Ein gebrauchter Container kostet um die 4000 Euro, für den Ausbau und die Technik aber zahlt man ein Vielfaches. Im Januar 2016 machte Katharina und ihr Team die ersten Pläne fürs Brauhaus, die erste Party schmissen sie bereits kurz vor Weihnachten 2016.

Hauptsache, das Bier schmeckt

BRLO ist der altslawische Ursprung des Namens Berlin, diese vier Buchstaben waren namensgebend für die deutsche Hauptstadt. Es bedeutet so viel wie Sumpfgebiet, weiß Katharina: "Wir spielen damit, dass niemand weiß, wie man unsere Biermarke ausspricht. Getreu dem Motto: Sprich's aus, wie du willst, Hauptsache, das Bier schmeckt. Oder aber das Bier mit dem komischen Namen." Gefunden haben Katharina und ihr Team den Namen ganz einfach: mithilfe einer Suche im Internet. 

Das Essen hat bei BRLO einen großen Stellenwert, auch wenn die Priorität auf dem Bier liegt. Klar gibt es hier auch Fleisch auf der Karte. Der Hauptbestandteil ist es trotzdem nicht, sondern Gemüse. Küchenchef Ben Pommer hat seine ganze Küche danach ausgerichtet. "Wir kochen mit Bier und zu Bier - und bei uns kommt alles gleichzeitig auf den Tisch. Wir wollen, dass unsere Gäste teilen und sich übers Essen unterhalten", verrät Ben. "Da wir kein ordinäres Bier brauen, wollen wir auch kein ordinäres Restaurant machen. Für Berlin haben wir Braugastronomie neu definiert." 

Das gab's zum Essen (von links): Sellerieschaum, Mixed Pickles, Sellerie aus dem Smoker mit Rhabarberkompott (oben) und in Miso gebackene Möhre mit Karottenschnitte. Angeschnitten im Bild: Pulled Pilz und Spinat mit Parmesan.

Das gab's zum Essen (von links): Sellerieschaum, Mixed Pickles, Sellerie aus dem Smoker mit Rhabarberkompott (oben) und in Miso gebackene Möhre mit Karottenschnitte. Angeschnitten im Bild: Pulled Pilz und Spinat mit Parmesan.


Hier gibt's keine Schweinshaxe

Auf die Teller kommen keine Schweinshaxe und kein Rollbraten, sondern wenig Fleisch, dafür aus guter Haltung. Das ist auch mal aus. Das Konzept ist deshalb auf Gemüse aufgebaut: "Das Gemüse steht bei uns im Mittelpunkt. Wir fermentieren, wecken ein, garen in Salz, trocknen und entsaften - alles was gut zum Bier passt", erklärt Ben. Die Gäste essen hausgemachte Mixed Pickles, also süß-sauer eingelegtes Gemüse, Blumenkohl im Ganzen, gebratene Kopfsalatherzen und Pulled Pilz, also geräucherte Kräuterseitlinge. Alle Gerichte sind so gut abgeschmeckt, dass man keinen Gedanken an Fleisch verschwendet. 

Bei den Gästen kommt das Konzept gut an. Inhouse haben 130 Gäste Platz, im Biergarten 350 bis 400. An einem sonnigen Dienstagabend ist der voll besetzt. Das Projekt Gemüse mit Bier in alten Schiffscontainern zu kombinieren, scheint aufzugehen.

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