HOME

Boom des Kultgetränks: Whisky statt Obstler: So nehmen es deutsche Destillen mit den Schotten auf

Viele Kleinbrenner in ganz Deutschland versuchen sich seit einiger Zeit am Whisky. In vielen Fässern sind Tropfen gereift, mit denen sich die Hersteller nicht hinter der schottischen Konkurrenz verstecken müssen.

Christian Gruel (links) und sein Enkel Immanuel Grue im Whisky-Fasskeller der Spiritousen-Brennerei Gruel.

Christian Gruel (links) und sein Enkel Immanuel Grue im Whisky-Fasskeller der Spiritousen-Brennerei Gruel.

Seit 18 Jahren schlummerte ein Whisky in Fässern im baden-württembergischen Owen, dem Ort mit der angeblich höchsten Whiskybrennerdichte in Deutschland. Der alte Tropfen hat den Generationswechsel im Betrieb der Familie Gruel überlebt. Diesen Herbst bringt der 29 Jahre alte Immanuel Gruel das Erbstück auf den Markt. Einen so lange gereiften Whisky hat wohl keiner seiner schwäbischen Kollegen im Fasslager. Der Großvater, Christian Gruel, heute 81 Jahre alt, hat ihn angesetzt.

Gruel Senior gilt als Whisky-Pionier. Vor bald drei Jahrzehnten hat er mit der Herstellung begonnen. In den 1990er Jahren sprangen erste Kollegen auf, in den 2000ern wurde Whisky zum Hype unter Brennern in ganz Deutschland. Weil Whisky Zeit braucht, kommen sie jetzt mit ihren Produkten auf den Markt - und treffen den Nerv der Zeit.

Die Kunst ist das Fassmanagement

Der Verband Deutscher Whiskybrenner hat sich 2004 gegründet und inzwischen 33 Mitglieder. Etwa 300 Brenner beschäftigen sich derzeit deutschlandweit mit dem Thema Whisky, wie der Vorsitzende des Verbands, Hans-Gerhard Fink, schätzt. Viele Trittbrettfahrer, die vom Trend profitieren wollen, werden wieder verschwinden und etwa 50 Brenner übrig bleiben, so seine Prognose.

Das sogenannte Fassmanagement ist die Kunst bei der Whisky-Herstellung, sagt Brenner Immanuel Gruel. Um verschiedene Aromen in den Schnaps zu bringen, lagern ihn die Brenner in gebrauchten Fässern, die zuvor zum Beispiel mit Sherry, Portwein oder Bourbon-Whisky gefüllt waren. Das älteste Fass in Gruels Keller ist 80 Jahre alt, war schon in Spanien, in Schottland und steht jetzt im Whisky-Mekka Owen, wo auf 3000 Einwohner drei Whiskybrenner kommen.

Die Grund für die hohe Dichte an Whiskyherstellern in einigen Bundesländern liegt mitunter daran, dass die 29.000 Kleinbrenner aus historischen Gründen vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind. Die einst strukturschwache Gegend wurde durch das Brennrecht und die damit verbundenen Einnahmen zu Kaiserzeiten gefördert, wie der Vorsitzende des Whiskyverbandes, Fink, erklärt.

Whisky statt Obstbrand

Dass statt des traditionellen Obstbrandes nun auch Whisky hergestellt wird, erklärt sich Fink mit den unkalkulierbaren Faktoren bei der Reifung im Fass, die bei manchem Brenner den Tüftlersinn geweckt hätten. "Whisky hat etwas Mystisches - das hat auch die Brenner begeistert."

Er selbst betreibt in Nellingen bei Ulm Deutschlands größte Whisky-Brennerei, wo er jährlich 250.000 Liter Whisky herstellt. Er will nächstes Jahr mit seinem Produkt auf den europäischen und asiatischen Markt gehen. Den Vergleich mit den Schotten scheue er nicht. "In einigen Jahren werden wir eine anerkannte Whisky-Nation sein", meint Fink.

Die von den Owener Brennern ernannte schwäbische Whiskybotschafterin Angela Viola Weis aus Tübingen ist vorsichtiger: "Der deutsche Whisky belegt nur eine kleine Nische gegenüber dem Schottischen." Die Qualität lasse sich sehen. Allerdings fällt es ihr nach eigenen Angaben schwer, den schwäbischen Whiskys einem eingefleischten Scotch-Whisky-Trinker nahezubringen.

Mild statt torfig

Torfig, schmierig, dreckig - diese Attribute erfülle der schwäbische Whisky nicht. Er sei eher mild und werde mit irischen Sorten verglichen. Die Brenner sähen im Whisky eine umsatzstarke Alternative zum Obstler, für den der Markt kaum wachse und die Aufladung mit Emotionen für die Vermarktung schwerer sei. Zur Whiskyvermarktung gibt es inzwischen etwa Whiskywalks - Wanderungen mit Verkostung bei Brennereien.

Immanuel Gruel verkauft beides. Sowohl Obstbrände als auch jährlich 3000 bis 6000 Flaschen Whisky. Wie sich der Schnaps entwickelt, testet er einmal im Jahr - prüft die Farbe und verkostet. "Dann wird zum Beispiel entschieden: Der darf noch auf Portweinfässer, um sein Aroma abzurunden."

cf / DPA
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.