Teil 14 Ein Hauch von Paradies


Die Pfalz ist der deutsche Garten Eden des Weins. Unsere Spätlese belegt das eindrucksvoll: Sie vereint beste Riesling-Lagen und die leckersten Aromen.

Damit hatten wir vom stern nicht gerechnet: Fast 10 000 Menschen gehen inzwischen in die Weinschule. Für Späteinsteiger hat das Folgen; von einigen Weinen gab's nicht so viele Flaschen wie offenbar nötig. Spätbestellern mussten wir einen anderen Wein schicken, in diesem Fall den Jahrgang 2006 statt des Jahrgangs 2005. Die Alternativweine sind ebenbürtig und werden selbstverständlich ebenfalls von unseren Autoren besprochen. Frohes Verkosten weiterhin!

Riesling, die Zweite! Heute sind wir in der Pfalz, und zwar gleich im berühmten Weinstädtchen Deidesheim. Dort wächst Riesling wie aus dem Lehrbuch, beispielsweise unsere Spätlese von 2005: zupackend im Duft, dabei wuchtig und erdig. Im Mund lässt sie mit Schmelz, Volumen und feiner Fruchtsäure die Muskeln spielen und zieht sich mit Pampelmuse und getrockneten Aprikosen in die Länge. Der blutjunge 2006er ist frischer, eine Spur cremiger und voll appetitlicher Aromen: Birne, Aprikose und weiße Blüten münden in ein vitales Finale.

Riesling reagiert wie ein Chamäleon auf Wetter und Böden. Im kühlen Klima und auf dem Schiefer der Mosel entwickelt er eine filigrane Frucht, während er sich in der molligen Pfalz mit ihren kiesigen Lösslehmböden zum Kraftprotz entwickelt. Merke: kühles Klima - drahtige Tänzer, warmes Klima - Muskelmänner. Und so ist unser Pfälzer Schwergewicht eine gute Begleitung zu Blut-, Brat- und Leberwurst oder Huhn in Riesling mit Sahne.

Das deutsche Prädikatsweinsystem definiert Qualität über den Reifegrad der Trauben; er wird in Grad Oechsle ausgedrückt. Die unterste Stufe ist Kabinett, gefolgt von Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein und Trockenbeerenauslese. Je reifer und süßer die Trauben sind, desto höher die Prädikatsstufe. Unsere Spätlese ist ein trockener Wein, die Hefen haben bei der Gärung fast den gesamten Zucker in Alkohol umgewandelt. Ein trockener Wein darf laut deutschem Weingesetz höchstens neun Gramm traubeneigenen Zucker pro Liter besitzen. Mehr Restsüße ergibt einen halbtrockenen oder süßen Wein. Nur wo "trocken" draufsteht, ist auch trocken drin.

Die Pfalz ist der deutsche Garten Eden des Weines. Hier gedeihen alle hochwertigen Rebsorten prächtig: Riesling, Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer und Muskateller. Und auch die Roten: Spätburgunder und der seltene Sankt Laurent. Als Rebenband zieht sich die Pfalz von den nördlichen Ausläufern bei Grünstadt bis Landau an den Hängen des Pfälzer Waldes entlang. Im Süden, an der Grenze zum Elsass, findet die Burgunderfamilie ideale Bedingungen, während die Nordpfalz vor allem mit Riesling von sich reden macht. Hier, an der sogenannten Mittelhaardt, liegen Deidesheim und das pittoreske Weingut Reichsrat von Buhl mittendrin. Es zählt zu den Flaggschiffen der Pfalz, zu den "drei großen Bs", neben Bassermann-Jordan und Bürklin-Wolf. Der "Hic sunt leones" vereint Riesling der besten Lagen, darunter tonangebend das Forster Ungeheuer und den Deidesheimer Kieselberg.

Fabian & Cornelius Lange print

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