Weihnachtsbiere im Test Glühweins Bruder


Schmeckt es nach Tannenzapfen oder nach Marketing? Die Brauereien bringen alljährlich in der Winterzeit Weihnachtsbiere auf den Markt. Der stern hat sie probiert - mit teils ernüchternden Ergebnissen.
Von Alf Burchardt

Erst einmal gucken wir nach Norden und staunen: diese Norweger! Trinken, pro Mund, gerade mal 50 Liter Bier im Jahr und liegen damit im europäischen Vergleich hinten, ganz weit hinten (eine Entschuldigung: Es knechtet sie die höchste Biersteuer des gesamten Kontinents). Doch wenn das Jahr zu Ende geht, dann bringen sie Erstaunliches zustande mit Hopfen und Malz: Gleich 50 verschiedene Weihnachtsbiere setzen ihre Brauereien an, dabei bringt es Ringnes, die größte von ihnen, auf knapp 20 Sorten.

Und wir? Die ehemals größte Biertrinker-Nation auf Erden (bevor die Tschechen uns den Rang abgetrunken haben)? Auch wir finden jetzt in den Regalen Winter- und Weihnachtsbiere, doch bei weitem nicht so viele wie die Norweger. Was auffällt: Wir entdecken umso mehr, je weiter wir uns im Süden des Landes umsehen. Im Norden füllt nur die Holsten Brauerei das "Tuborg Weihnachts-Pilsener" ab, in Baden-Württemberg und Bayern gibt es einige Brauereien, die zum Herbst besondere Biere in Fässer und Flaschen laufen.

Weihnachtsbier hat mehr Alkohol

Aber was ist das überhaupt: ein Winter- oder ein Weihnachtsbier? Schmeckt es nach Zimt? Nach Lebkuchen? Hat es mehr oder weniger Alkohol? Um sich durch das Angebot zu trinken, bat die stern-Redaktion einen Experten zu Hilfe. Wolfgang Stark betreibt in Hamburg das Fachgeschäft "Haus der 131 Biere", er veranstaltet Bier-Festivals und macht Geschäfte mit Brauereien in Turkmenistan und Südafrika. Im Dezember hat er Weihnachtsbiere aus aller Welt im Angebot. "So ein Bier schmeckt meist kräftiger als andere", sagt Herr Stark, "und es hat auch ein bisschen mehr Alkohol."

Also auf zur ersten Runde. In den Gläsern - das wird natürlich erst später verraten - das "Rhöner Weihnachtsbier" aus 36452 Kaltennordheim. Was sagt der Fachmann? "Hm, mir ist das zu weich." Allgemeines Kopfnicken. "Kann man trinken... und zwar das ganze Jahr. Von Weihnachten schmecke ich nichts." Ein Blick aufs Etikett: 4,8 Prozent Alkohol, das ist nicht sonderlich festlich, das ist alltäglich.

Auf Seite 2 erfahren Sie, welches Weihnachtsbier das beste ist...

Das nächste Bier versetzt unserem Experten schon mehr in Weihnachtstimmung. "Da lacht mich doch gleich die dunkle Farbe an!" Und sonst? Er nimmt einen Schluck und noch einen, "… mir fehlen die Worte." Ein Kollege springt ein: "Riecht nach Honig!", ein anderer findet: "Ein Aroma, als ob das Bier süß schmecken würde, doch dann ist es eher bitter im Abgang". Die einhellige Meinung: ein ordentliches Bier, das Heidelberger Weihnachtsbier, da kommt das Fest wenigstens ein kleines Stückchen näher.

Schluck um Schluck trinkt sich die Runde voran, zum "Christkindlsmarkt Bier" ("Schmeckt roh!") aus Nürnberg, zum "Mönchshofs Weihnachtsbier" ("rund und weich und gar nicht hopfenbitter") aus Kulmbach, zur Erdinger "Schneeweiße" ("lädt ein, mehr zu trinken"). Bei einigen Flaschen ploppt ein klassischer Bügelverschluss, die Etiketten sind zumeist prächtig gestaltet, mit Motiven von Winterlandschaften, die Farben Blau und Gold dominieren. Und das "Neuschwansteiner Weihnachtsbier" verheißt: "Gebraut ganz im Sinne des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern". Ein ordentliches Bier, gewiss, doch bei dieser Ankündigung hatten die Trinker mehr Phantasie im Glas erwartet.

Das beste Weihnachtsbier kommt aus Plauen

Bier Nummer elf ist eingeschenkt. Ein erstes Fazit? So weit, so gut. Nur von Weihnachten haben wir bislang wenig gemerkt. Okay, das "Füchschen" aus Düsseldorf war eine angenehm herbe Überraschung, die Winterweizenbiere dagegen schmeckten wie Sommerweizenbiere - erfrischend, aber nicht besonders. Die Runde beschleicht ein Verdacht: Klebt die eine oder andere Brauerei vielleicht nur ein neues Etikett auf das Bier, das sie ohnehin braut? Kann doch wohl nicht angehen! Und außerdem: Als wir die Biere zusammen telefonierten, hieß es immer wieder: Ginge nicht vor Ende Oktober, Anfang November auf die Reise. Erst dann liefe die Produktion an.

Das vorletzte Bier schäumt in den Gläsern. Welch kräftige Farbe! Nase ins Glas... würzig, sehr würzig. Ein Schluck, noch einer. "Lecker!" sagt Herr Stark, der im Laufe des Abends nur das Wichtigste gesagt hat. "Ein bisschen malzig, ein bisschen karamellig" befinden die Stern-Trinker. Und: "Der Geschmack hält, was der Geruch verspricht". Herr Stark hat ausgetrunken. "Das beste Bier heute!" Allgemeines Nicken. Das Sternquell-Weihnachtsbier aus Plauen im Vogtland steht auch nach dem allerletzten Bier als der Sieger des Abends. Prost, Weihnachten!


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