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Südasiatische Küche Food-Experten fordern: Das Wort "Curry" sollte aus dem Sprachgebrauch verbannt werden

Food-Experten sagen, das Wort Curry werde der Vielfalt indischer Küche nicht gerecht
Food-Experten sagen, das Wort Curry werde der Vielfalt indischer Küche nicht gerecht
© AKHILESH SHARMA / Picture Alliance
Vielerorts benutzt man das Wort Curry als eine Art Überbegriff für asiatische Gerichte. Doch eigentlich sei das nicht richtig, sagen Experten und fordern, dass der Begriff verbannt wird.

Die südasiatische Küche kennt eine große Vielfalt, in Indien sagt man sogar, dass die regionalen Gerichte sich alle 100 Kilometer komplett verändern. Und dennoch benutzen viele den Überbegriff Curry, um ein asiatisches Gericht zu betiteln, das mit verschiedenen Gewürzen und einer Soße eingekocht wurde.

"Ich höre oft: 'Euer Essen muss sehr scharf sein. Es stinkt bestimmt ganz schön. Sie nennen es Curry'", sagt die Instagram-Food-Bloggerin Nisha Vedi Pawar NBC Asian America. "Und ich denke mir: Was zum Teufel soll Curry überhaupt sein?" Denn laut der Expertin gibt es tatsächlich kein Gericht, das man einfach so pauschal als Curry bezeichnen könnte.

Diskussion dank viralem Video

"Curry sollte nicht das Einzige sein, woran man denkt, wenn man über südasiatisches Essen redet", sagt auch Chaheti Bansal, die ihre Kochvideos online stellt. Im Juni veröffentlichte Bansal ein Rezept, in dem sie dazu aufrief, "das Wort Curry zu canceln". Das Video wurde mehr als 3,6 Millionen Mal aufgerufen, nachdem es von BuzzFeed's Tasty erneut veröffentlicht worden war.

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Bansal sagte NBC Asian America, dass es nicht darum gehe, das Wort vollständig abzuschaffen, sondern nur darum, dass es nicht mehr von Leuten verwendet wird, die nicht wissen, was es bedeutet. Denn viele kämpften seit Jahren gegen die Vorurteile, die es gegenüber asiatischen Gerichten gibt. Manche sagen sogar, das Wort Curry sei entstanden, weil britische Kolonialherrscher einfach zu faul gewesen seien, sich die richtigen Wörter für die jeweiligen Namen der Speisen zu merken.

Das Wort Curry gibt es so nicht

Ilyse R. Morgenstein Fuerst, Dozentin für Religionswissenschaften an der Universität von Vermont, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Südasien. Sie sagte zu NBC Asian America, dass es das Wort "Curry" so eigentlich nicht gebe, über seinen Ursprung aber mehrere Theorien kursierten. "Meines Wissens nach gibt es das Wort Curry in keiner südasiatischen Sprache", so Morgenstein Fuerst. "Curry ist eines dieser Wörter, die die meisten Historiker dem schlechten Gehör der Briten zuschreiben", so die Wissenschaftlerin.

Die gängigste Theorie besagt, die Briten hätten das tamilische Wort "kari" falsch verstanden, das wiederum von Region zu Region unterschiedliche Bedeutungen hat, die von "geschwärzt" bis "Beilage" reichen. Britische Offiziere in Indien sollen das Wort demnach übernommen und es in der gesamten Region als lose Beschreibung für so ziemlich jedes Essen, das ihnen begegnete, verbreitet haben, so Morgenstein Fuerst. Auf diese Weise konnten die Briten vermeiden, die Namen spezifischer regionaler Gerichte zu lernen.

Der Ursprung liegt im Kolonialismus

"Es herrschte lange Zeit die Vorstellung, dass das, was wir als indisches Essen bezeichnen würden, exotisch und begehrt ist", sagt die Wissenschaftlerin. Trotzdem habe man erwartet, dass die indische Küche an den europäischen Gaumen angepasst wird. "Sie wollten leicht scharfe Speisen, aber nicht zu sehr", sagt Morgenstein Fuerst. "Duftend, aber für sie nicht übelriechend. Und dieses Unverständnis gegenüber unserem Essen und unserer Emotionalität, die wir mit unseren Speisen verbinden, ist ein Problem, das in der weißen, christlichen Vorherrschaft wurzelt." Durch das vorherrschende Machtsystem sei es dazu gekommen, dass selbst Einheimische ihr Essen als Curry bezeichneten. Umgangssprachliche Begriffe seien jedoch schwer wieder rückgängig zu machen, so die Forscherin.

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Manchmal ist das Wort Curry sogar korrekt

Mit ihren Online-Food-Videos und ihrem Einfluss in den sozialen Medien haben Pawar und Bansal das Gefühl, dass sie einige der Vorurteile und Pauschalisierungen, die es über die asiatische Küche gibt, ändern konnten. "Man kann 100 Kilometer zurücklegen und bekommt eine ganz andere Art von Küche“, sagt Bansal zu NBC Asian America. "Dazu kommt eine völlig andere Sprache und eine andere Kultur. Und das zeigt nur, dass es so viel Vielfalt in unserem Essen gibt, die nicht gesehen wird.“

Sie wissen, dass sich die Sprache nicht über Nacht ändert. Aber sie wollen die Menschen dazu ermutigen, ihre Sprache bewusster zu verwenden und dabei zu lernen, was sie da überhaupt essen. Und nein, das Wort Curry solle nicht komplett gestrichen werden, sagt Bansal. Manchmal sei es sogar richtig. "Mein Partner kommt aus Sri Lanka, ich habe Freunde, die aus Malaysia sind, und auch meine tamilischen Freunde benutzen das Wort Curry", sagt Pawar. "Aber man sollte nicht alle unsere Speisen unter diesem Begriff zusammenfassen."

Quellen:NBC Asian America, Instagram

yak

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