VG-Wort Pixel

Umbenennungen von Straßen und Parks Hamburg verbannt Nazi-Arzt aus dem Stadtbild – und würdigt jüdische Frauen

Bonnepark
Der Bonnepark in Hamburg
© Markus Tischler / Imago Images
Hamburg benennt eine Straße und einen Park um, die den Namen von Georg Bonne trugen. Statt des Nazi-Unterstützers werden jetzt zwei Jüdinnen geehrt.

In Hamburg werden eine Straße und ein Park umbenannt, die bisher den Namen des Arztes Georg Bonne trugen. Bonne hatte in seinen Schriften während der Nazi-Herrschaft völkische und antisemitische Positionen vertreten. Die neuen Namensgeberinnen werden nun zwei jüdische Frauen sein.

Die bisherige Georg-Bonne-Straße im Stadtteil Nienstedten wird laut Hamburger Kulturbehörde künftig Sophie-Rahel-Jansen-Straße heißen. Jansen, die von 1862 bis 1942 lebte, arbeitete als Schriftstellerin und engagierte sich stark für die notleidende Bevölkerung. 1942 nahm sie sich das Leben, nachdem sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden sollte.

Hamburg erinnert an Schicksal von Jüdinnen

Der Bonnepark im Stadtteil Bahrenfeld wird in Goldschmidtpark umbenannt – nach der Theaterwissenschaftlerin, Schauspielerin und Regisseurin Käthe Goldschmidt. Goldschmidt wurde 1943 im Alter von 40 Jahren in das Ghetto Theresienstadt deportiert, überlebte die Nazi-Zeit und wohnte danach wieder in Hamburg. 1975 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen an das Ghetto unter dem Titel "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt".

Mit der Umbenennung erinnere Hamburg an "an zwei beeindruckende Frauen, denen unter dem Nationalsozialismus schwerstes Leid angetan wurde", sagte Kultursenator Carsten Brosda. "Dieser Aufarbeitungsprozess ist noch lange nicht zu Ende und wir werden uns auch künftig bei der Benennung von Verkehrsflächen unserer Geschichte stellen."

Umbenennungen von Straßen und Parks: Hamburg verbannt Nazi-Arzt aus dem Stadtbild – und würdigt jüdische Frauen

Antisemitischer Arzt verschwindet aus dem Straßenbild

Die vom Senat beauftragte Kommission zum Umgang mit NS-belasteten Straßennamen kam zu dem Schluss, Georg Bonne habe mit seinen Schriften dazu beigetragen, "ein geistiges Klima zu schaffen, das die Durchsetzung der völkischen und antisemitischen Ideen des Nationalsozialismus begünstigte". Er sei ein Bewunderer Adolf Hitlers und seit 1931 ein Unterstützer des Nationalsozialismus gewesen, heißt es in einem Bericht der Kommission. Zu Beginn des Holocausts veröffentlichte er ein antisemitisch geprägtes Schauspiel.

"Dass der Name eines glühenden Antisemiten und Hitler-Verehrers ein für alle Mal aus dem Stadtbild verschwindet, ist für mich überfällig", sagte Stefanie von Berg, Bezirksamtsleiterin im Hamburger Bezirk Altona. "Die Namen der Jüdinnen Käthe Goldschmidt und Sophie Rahel Jansen stehen beispielhaft für viele weitere Schicksale und Geschichten, an die wir uns stattdessen erinnern wollen."

Quellen: Stadt Hamburg / Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen

epp

Mehr zum Thema