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Hitze-Chaos bei der Bahn Bahnchef nimmt Mitarbeiter ins Visier


Wer ist schuld am Hitze-Desaster in den ICEs? Bahnchef Grube hat schwere Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter in den Pannenzügen erhoben - aber auch die Hersteller will er nicht davonkommen lassen.

Knapp eine Woche, nachdem mehrere Fahrgäste in überhitzten ICE-Zügen kollabiert sind, hat Bahn-Chef Rüdiger Grube das Krisenmanagement seiner Mitarbeiter im Zusammenhang mit den ausgefallenen IC- Klimaanlagen kritisiert. "Es sind anscheinend Fehler gemacht worden. Die Staatsanwaltschaft und auch wir untersuchen diese Fälle derzeit ganz genau. Und die Wahrheit muss auf den Tisch", sagte Grube dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Für solche Krisenfälle gebe es bei der Bahn genaue Handlungsanweisungen für das Zugpersonal. Dazu gehöre, den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen und zu versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu kriegen. Falle sie total aus, müsse ein Ersatzzug organisiert werden. Das habe ein paar Mal nicht geklappt.

Grube greift mit seiner Äußerung in die Debatte über die Ursachen des Hitze-Chaos vor allem bei den ICEs ein. In der vergangenen Woche war immer wieder darüber spekuliert worden, wie es sein kann, dass die Bahn nicht in der Lage ist, ihre ICEs bei für Deutschland durchaus üblichen Temperaturen nicht zu mobilen Saunen werden zu lassen. Mangelhafte Wartung war ebenso als Erklärung angeführt worden wie angeblich technisch unzureichende Züge. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld nahm sogar Ermittlungen gegen einen Zugführer wegen des Vorwurfs fahrlässiger Körperverletzung auf.

Grube hält weitere Ausfälle für möglich

Grube betonte, er sei von den Problemen mit den Klimaanlagen völlig überrascht worden. Es habe entgegen anderslautender Berichten vorher keine Probleme mit dem Bauteil gegeben, sagte der Bahnchef. Weitere Ausfälle der Klimaanlagen in den betroffenen Zügen seien nicht auszuschließen: "Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen."

Kritik übte Grube erneut an der Bahnindustrie. "Natürlich bin ich verärgert. Weil letztlich unsere Kunden und unsere Mitarbeiter die immer neu auftretender Probleme bei den Zügen ausbaden müssen." Jede der bislang ausgelieferten Baureihen habe ihre Macken gehabt. Zur Frage, ob die Industrie mithaften müsse, sagte Grube: "Darüber können wir reden, wenn wir die Probleme im Griff haben."

Die Pannenserie bei Klimaanlagen der ICE-2-Baureihe wird am kommenden Dienstag bei einem Spitzentreffen in Berlin erörtert. Daran sollen außer Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auch die Verkehrsexperten der Bundestagsfraktionen teilnehmen.

Ramsauer macht Börsenpläne verantwortlich

Ramsauer machte den vor Jahren geplanten Börsengang für die Bahnmängel verantwortlich. "Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube löffelt die Suppe aus, die von der alten Unternehmensführung vor Jahren eingebrockt worden ist", sagte Ramsauer in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte die Informationspolitik der Bahn. "Das war Salamitaktik und kein Krisenmanagement", sagte Aigner der "Bild am Sonntag". "Erst waren angeblich nur zwei, drei Züge betroffen, dann Dutzende. Inzwischen ist klar, dass es sich um ein generelles Problem handelt." Die Probleme mit den Klimaanlagen müsse die Bahn jetzt schnell in den Griff kriegen, mahnte Aigner. Temperaturen von mehr als 32 Grad Celsius seien nichts Ungewöhnliches. "Ich verlange, dass Reisende in Zügen unverzüglich über den Ausfall der Klimaanlage informiert werden. Das Personal muss für solche Situationen sensibilisiert werden, auch müssen immer ausreichend Getränke an Bord sein."

DPA/AFP/fgüs DPA

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