VG-Wort Pixel

Neue Erkenntnisse Landesfunkhaus-Chefin des NDR soll Vetternwirtschaft betrieben haben

Sabine Rossbach NDR
Sabine Rossbach leitet aktuell das NDR-Landesfunkhaus in Hamburg
© rtn, Patrick Becher / Picture Alliance
Ein Investigativteam des NDR geht den Missständen im eigenen Haus nach – mit erschreckenden Erkenntnissen. Von der mutmaßlichen Vetternwirtschaft von Sabine Rossbach soll die Führung schon seit Jahren gewusst haben.

Nach den Vorwürfen gegen das NDR-Landesstudio in Kiel zeigen Recherchen von NDR-Investigativjournalisten, dass die Geschäftsleitung bereits seit fünf Jahren über den Verdacht der Vetternwirtschaft Bescheid wusste. Der NDR hat nun eigene Recherchen zu dem Fall veröffentlicht. Demnach hätte der NDR-Pressesprecher bereits 2017 eine Anfrage der Hamburger Morgenpost erhalten. NDR-Mitarbeiter hätten gegenüber dem Blatt über einen "herrischen Führungsstil" und ein "Regime des Schreckens" unter der Landesfunkhaus-Chefin Sabine Rossbach geklagt. Zudem hätte Rossbach "auffällig oft" verlangt, dass "über bestimmte Firmen oder Personen berichtet wird, die gleichzeitig Kunden der Tochter von Sabine Rossbach sind".

Der NDR wies die damals geäußerten Vorwürfe zurück. "Nicht konkretisierte anonyme Vorwürfe" werde man nicht kommentieren, lautete die Antwort. Nach den jetzigen NDR-Recherchen sei das Medienhaus den Anschuldigungen anschließend nicht mehr nachgegangen. Auch gegenüber den Mitarbeitern sei der mögliche Interessenkonflikt nie offengelegt worden, zeigt die NDR-Recherche. Damit habe der NDR möglicherweise gegen die eigenen Compliance-Regeln verstoßen.

Rossbach entschuldigt sich bei Mitarbeitern

Auf Nachfrage der Investigativjournalisten heißt es heute vom NDR: "Die persönliche Verbindung (zwischen R. und der PR-Agentur ihrer Tochter, Anm. d. Red.) war 2017 Inhalt von Gesprächen von Frau Rossbach mit der damaligen Redaktionsleitung des Hamburger Journals. Wie danach verfahren wurde, ist derzeit Bestandteil einer Klärung." In einer Stellungnahme hat Rossbach nun zugegeben, die Angebote der Agentur ihrer Tochter weitergeleitet zu haben. Zudem entschuldigte sie sich bei den Mitarbeitern: "Sollte der Eindruck entstanden sein, dass die Kunden meiner Tochter bevorzugt behandelt werden sollen, bedauere ich das."

Seit Tagen kommen immer mehr Vorwürfe gegen redaktionelle Verantwortliche in Kiel ans Licht. Es geht um die Frage, ob diese die Berichterstattung von Kollegen gezielt beeinflusst haben könnten. Die Rede war auch von einem politischen Filter. Die NDR-Mitarbeiter fordern lückenlose Aufklärung. Zunächst hatten der stern und "Business Insider" über die Vorfälle berichtet. Mittlerweile wurden erste personelle Konsequenzen gezogen. So hatten der Chefredakteur am Standort Kiel, Norbert Lorentzen, und die Politik-Verantwortliche Julia Stein zuletzt darum gebeten, ihre Ämter niederzulegen. Nun nimmt auch der Landesfunkhausdirektor Volker Thormählen für einen Monat unbezahlten Urlaub.

Mehr zur stern-Recherche lesen Sie hier:

NDR-Führung weiß seit Jahren von Missständen in Kiel – und versuchte sie kleinzuhalten

Gefiltert, gelenkt, zensiert: Die Vorwürfe gegen den NDR erhärten sich

cl

Mehr zum Thema