Ökumenischer Kirchentag in München Menschenkette protestiert für Mahlgemeinschaft

Als sichtbares Protestzeichen haben sich 2000 Teilnehmer des Ökumenischen Kirchentags in München zu einer Menschenkette zusammengefunden. Hauptforderung ist die gemeinsame Mahlfeier von Protestanten und Katholiken.

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" - immer wieder erklingt das in Kinder- und Jugendgottesdiensten beliebte Lied in den Straßen der Münchner Innenstadt. Hand in Hand stehen die Menschen am Samstag in einer 1,2 Kilometer langen Kette von der evangelischen Matthäuskirche bis zum katholischen Liebfrauendom, sie singen, sie klatschen rhythmisch.

Es ist eine fröhliche Menschenansammlung für ein ernstes Thema. Denn die Verbindung zwischen den beiden Gemäuern am 2. Ökumenischen Kirchentag soll den Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl zwischen Katholiken und Protestanten zum Ausdruck bringen, die Menschenkette soll zeigen: Viele katholische und evangelische Christen wollen nicht mehr nur darüber debattieren, wie viel Einheit wann und wieso möglich ist - sie wollen konkrete Schritte. "Es ist ganz wichtig, dass die Ökumene endlich auch in die Gottesdienste hineingetragen wird und dass es eine gemeinsame Mahlfeier gibt", sagt Brigitte Mair-Borst aus Stuttgart.

Mit ihr haben sich nach Veranstalterangaben knapp 2000 Teilnehmer in die Menschenkette eingereiht. "Dieses Thema ist uns wichtig", betont das Ehepaar Kelnhofer aus München. "Und es wird ja deutlich, dass viele Menschen so denken."

Schon 1971, beim Ökumenischen Pfingsttreff in Augsburg, war Angelika Fromm aus Mainz dabei. "Wir dachten, zumindest die Eucharistische Gastfreundschaft sei bald möglich", sagt sie. Richtig euphorisch sei man damals gewesen, voller Hoffnung auf ein befreiendes Miteinander von Katholiken und Protestanten.

Doch nun seien fast 40 Jahre vergangen, wenig habe sich getan. "Und jetzt ist es mehr als höchste Zeit für dieses Zeichen." Dass nicht einmal Christen untereinander sich Gastfreundschaft gewährten, sei ein schlechtes Signal für den interreligiösen Dialog.

Aufgerufen zur Menschenkette beim 2. Ökumenischen Kirchentag haben verschiedene katholische Reformbewegungen. "Rund 500 Jahre nach der Kirchenspaltung wollen wir wieder gemeinsam am Tisch des Herrn sitzen", sagt Herbert Tyroller von der Organisation "Wir sind Kirche". Die Reformbewegungen beklagen, dass die katholische Kirche sich immer noch der Eucharistischen Gastfreundschaft versperrt, also Nicht-Katholiken von der Teilnahme an der Eucharistie ausschließt.

Auf provokante Aktionen verzichten sie allerdings beim Ökumene- Treff in der bayerischen Landeshauptstadt. Anders war das beim 1. Ökumenischen Kirchentag vor sieben Jahren in Berlin. Der katholische Theologe und Priester Gotthold Hasenhüttl hatte damals - außerhalb des offiziellen Programms - bei einem "Abendmahlsgottesdienst nach katholischem Ritus" auch an Christen anderer Konfessionen Hostien verteilt. Er war daraufhin suspendiert worden.

Der Eklat bleibt diesmal aus. Ein "Gedächtnismahl" am Freitagabend findet ausdrücklich ohne Priester statt, Laien gestalten diesen Gottesdienst. Mit einem theologischen Trick wollen sie eine gemeinsame Mahlfeier unterschiedlicher christlicher Konfessionen ermöglichen. Sie beziehen sich ausdrücklich nicht auf den biblisch überlieferten Bericht vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, sondern auf die im Matthäus-Evangelium geschilderte Brotvermehrung. Sie wollen daran erinnern, dass Jesus oft Mahlgemeinschaft hielt - auch mit Sündern. Die Mahlfeier mit dem Thema Brotvermehrung könne eine liturgische Alternative sein für ökumenische Feiern, heißt es.

Die Menschenkette am vorletzten Tag des Kirchentags ist ein friedlicher Protest gegen die Amtskirche, eine Aktion, die von vielen Passanten ein anerkennendes Nicken erntet, manch einer singt sogar leise mit beim kirchlichen Gassenhauer, der die Worte Jesu aus dem Matthäus-Evangelium zitiert: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen".

Kathrin Zeilmann, DPA DPA

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