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Reaktion auf radikalen US-Pastor Todesschüsse vor Bundeswehrlager in Afghanistan


Noch ist unklar, ob der radikale US-Pastor Jones tatsächlich am 11. September Koran-Exemplare verbrennen wird. Unter Muslimen ist die Wut dennoch groß: Bei Protesten von mehreren Tausend Menschen vor einem Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan ist ein Demonstrant erschossen worden.

Bei Protesten gegen die mögliche Koran-Verbrennung in den USA ist vor dem Bundeswehr-Feldlager im nordostafghanischen Feisabad nach Regierungsangaben mindestens ein Demonstrant erschossen worden. Ein Sprecher der Provinzregierung von Badachschan sagte, afghanische Polizisten hätten am Freitag das Feuer eröffnet, nachdem ein Mob Steine auf das Camp geworfen habe. Ein Demonstrant sei getötet, fünf weitere verwundet worden. Auch fünf Polizisten haben Verletzungen erlitten.

Der Sprecher teilte weiter mit, dass einige hundert Demonstranten nach Gebeten zum Ende des Fastenmonats Ramadan zunächst von der Moschee aus durch die Provinzhauptstadt marschiert seien. Die Menge sei dann auf 5000 bis 10.000 Menschen angeschwollen, die zum deutschen Feldlager gezogen seien. Der äußere Sicherheitsring um Bundeswehr-Camps in Afghanistan wird von afghanischen Sicherheitskräften bewacht.

Ein Demonstrant gab an, der Protest sei friedlich verlaufen, bis Jugendliche damit begonnen hätten, Steine zu werfen. Demonstranten hätten "Tod für Amerika", "Tod für die Feinde des Islam" und "Der Heilige Koran ist unser Gesetz" skandiert. Nach Behördenangaben habe sich die Demonstration inzwischen aufgelöst.

US-Pastor Jones will Moscheebauer treffen

Im Verwirrspiel des US-Pastors Terry Jones, der die Koran-Verbrennungen angekündigt hatte, scheint sich unterdessen eine Lösung abzuzeichnen. Der Geistliche würde auf die umstrittene Aktion verzichten, wenn er sich am Samstag mit den Organisatoren des ebenfalls umstrittenen Moscheebauprojekts in der Nähe von Ground Zero in New York treffen könne. Das erklärte Jones am Freitag dem US-Sender NBC. Der Präsident der Islamischen Gesellschaft von Mittelflorida, Imam Muhammad Musri, sagte im Sender CBS, er habe die Zusage, dass er und Jones den New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf, der das Moscheebauprojekt leitet, treffen könnten.

Dennoch hat die Debatte um die Koran-Verbrennung die Feiertagsruhe vieler Muslime zum Ende des Ramadan gestört. Arabische Medien berichteten am Freitag ausführlich über die Kontroverse um den radikalen Pastor Jones. Am Freitag begann in den meisten arabischen Ländern das Fest des Fastenbrechens, das den islamischen Fastenmonat Ramadan beendet.

Vorwand für weiteres Blutvergießen

Die in der saudischen Stadt Medina ansässige König Fahd Gesellschaft, die gegründet wurde, um das heilige Buch der Muslime zu drucken und zu verteilen, sprach von einem "abscheulichen Verbrechen". Das Vorhaben des Pastors sei Teil einer Kampagne, um die muslimischen und nicht-muslimischen Amerikaner zu spalten.

Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hatte während eines Treffens mit US-Botschafter James Jeffrey und dem Kommandeur der US- Truppen im Irak, General Lloyd Austin, am Donnerstagabend ein Verbot der Bücherverbrennung gefordert. Er warnte: "Die Extremisten werden diese Aktion als Vorwand für weiteres Blutvergießen benutzen." Auch in den arabischen Chat-Foren schlugen die Wogen derweil hoch. Viele Muslime kommentierten die Meldungen über den US-Pastor mit den Worten: "Gott wird ihn zur Rechenschaft ziehen."

DPA/AFP/AP/be AP DPA

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