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Corona-Situation Unser Autor forderte "Keine Rücksicht auf die Rücksichtslosen". Die Resonanz unserer Leser war gewaltig

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© Jens Kalaene/ / Picture Alliance
"Keine Rücksicht auf die Rücksichtslosen" hatte stern-Autor Walter Wüllenweber in einem Essay auch mit Blick auf die Corona-Krise gefordert. Es müsse Schluss damit sein, dass radikale Minderheiten wie Impfgegner das Wohl der Mehrheit verhinderten. Die Reaktionen reichten von der Forderung nach einem Nobelpreis bis zu Vergleichen mit dem "Dritten Reich". Ein Überblick

In Heft 47/2021 hatte stern-Autor Walter Wüllenweber klare Kante gezeigt: "Keine Rücksicht mit den Rücksichtslosen“ war seine Forderung – vor allem in Hinblick auf die Corona-Situation in Deutschland mit den vielen, vielen Ungeimpften, die der geimpften Mehrheit eine baldige Rückkehr zur Normalität verbauten.

"Fundamentalistische Egoisten gibt es in allen Gesellschaften", hatte Wüllenweber unter anderem geschrieben, "in Deutschland werden sie nicht nur geduldet, die achtsame Mehrheit nimmt sogar Rücksicht auf die Rücksichtslosen. Niemand soll zu nichts gezwungen werden. Alles ist erlaubt, nur der Zwang, der nicht. So ist der Eindruck entstanden, als hätte jeder Einzelne ein Recht darauf, der Allgemeinheit Schaden zuzufügen, anstatt sich selbst einzuschränken. Offen asoziales Verhalten gilt als Ausübung individueller Freiheitsrechte. Wer die Ichlinge kritisiert, ist ein Spalter."

Eine Flut von Leserbriefen und Leser-Emails

Nach Veröffentlichung erreichte die Redaktion eine wahre Flut von Leserbriefen, die um ein Vielfaches höher war als üblich. Die allermeisten stimmten dem Autor zu. Hier einige Auszüge:

"Hut ab vor Herrn Wüllenweber", schreibt Leser Peter Flach,  "endlich hat mal jemand den Mut gefunden, Impfgegner – soweit sie nicht aus medizinischen Gründen auf eine Impfung verzichten müssen – als Asoziale zu bezeichnen. Wie anders soll man Menschen nennen, die sich de facto aus allen Solidargemeinschaften verabschiedet haben und mit ihrem Verhalten billigend in Kauf nehmen, dass dadurch möglicherweise eine Vielzahl anderer Menschen in ihrer Umgebung gesundheitlich schwer geschädigt wird oder sogar zu Tode kommt?"

Leser Manfred Rosar ergänzt: "Tja, ich versuche immer noch, die Impfgegner zu verstehen, aber dieses Verständnis schwindet mehr und mehr. Die Impfung ist wohl alternativlos, wenngleich die Testung auch von Geimpften/Genesenen für mich noch alternativloser ist. Das Virus ist recht 'anspruchslos': Egal, ob genesen, geimpft, ungeimpft, politisch links oder rechts oder wo auch immer: Es kann töten!"

Leserin Maria Luise Thöny schreibt: "Herr Wüllenweber, ich verneige mich vor Ihnen und Ihrem Artikel. Noch nie habe ich in dieser Corona-Pandemie so etwas Prägnantes, Sachliches und Richtungsweisendes gelesen. Das wäre der Leitfaden, den man umsetzen müsste. Leider sind nicht Sie die Regierung. Meine Stimme haben Sie."

Und Leser Kurt Kropp führt aus: "Ich würde gerne Herrn Wüllenweber knutschen und ihm dann den Nobelpreis verleihen! So langsam traut sich auch die Mehrheit wieder, den Mund aufzutun. Richtig so! Keine überflüssigen Diskussionen, sondern klare Ansage: Das fehlt mir schon seit Jahren. Lasst die Rücksichtslosen spüren, dass wir ihre egoistische und asoziale Verquertheit nicht länger dulden."

Die Gegenstimmen

Aber natürlich rief der Essay vereinzelt auch heftigen Widerspruch hervor: "Demokratie zählt nur, solange die eigene Meinung damit bestätigt wird", schreibt Th.  Behrendt. "Sollte einmal die Mehrheitsmeinung nicht Herrn Wüllenwebers offenbar unfehlbarer Weltsicht entsprechen, so ist dies dann selbstverständlich 'Populismus'. Ich bin schockiert, welche Haltung der Autor offenbart. Und traurig, dass der stern ihn diese verbreiten lässt!"

Leser Hans-Albrecht Kühne rät: "Archivieren Sie Wüllenwebers wirre Weltsicht gut, lesen Sie den Beitrag regelmäßig in ein, zwei, drei Jahren wieder...und wundern Sie sich vielleicht, dass Sie das gedruckt haben. Wüllenweber – wahrlich ein Verschwörungstheoretiker."

Noch schärfer wird Leserin Ursula Zeller: "Wüllenweber stachelt auf. Der Schuldige muss gefunden werden. Das Dritte Reich lässt grüßen. Solche Menschen wie Sie sind dafür ursächlich, dass sich die Gesellschaft spaltet, dass Familien zerbrechen. Sie sollten mal ein paar Tage meine Impfschäden haben. Vielleicht würden Sie mal nachdenken?"

Und das sagt der Autor

stern-Autor Walter Wüllenweber sagt über sein Essay: "Die ungewöhnlich positive Resonanz hat mich überrascht und wirklich gefreut. Vielleicht ist Deutschland doch nicht so gespalten, wie es oft dargestellt wird. Die Rücksichtslosen sind laut, darum räumen wir Medien ihnen viel Platz ein. Aber es ist eine kleine Minderheit, die sich selbst von der Gesellschaft abwendet und demonstriert, wie wenig ihnen das Wohl der Gemeinschaft bedeutet. Was wir erleben ist eine Abspaltung, keine Spaltung."


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