Fußball-Bundesliga
"Nicht durchdrehen": Heidenheim bejubelt Befreiungsschlag

Doppelt erfolgreich: Mathias Honsak (r). Foto: Harry Langer/dpa
Doppelt erfolgreich: Mathias Honsak (r). Foto
© Harry Langer/dpa
Endlich wieder ein Sieg, aber Trainer Schmidt bremst die Euphorie: Warum Heidenheim trotz der Erlösung noch ganz nüchtern bleibt.

Das glückliche Händchen von Trainer Frank Schmidt und das "Näschen" von Doppeltorschütze Mathias Honsak lassen die Rettung plötzlich wieder greifbar werden: Schlusslicht 1. FC Heidenheim darf nach dem 3:1 gegen den 1. FC Union Berlin vom Bundesliga-Klassenerhalt träumen. Sechs Punkte fehlen noch auf den Abstiegsrelegationsplatz.

Der spürbar erleichterte Coach denkt aber nicht an den Rückstand im Saisonendspurt. "Für mich sind es noch 15 Punkte", sagte der Fußballlehrer mit Blick auf die noch ausstehenden Partien. "Und wenn wir nach dem 34. Spieltag hier sitzen und uns über etwas Großartiges, Unglaubliches freuen, dann sind die fünf Spiele davor extrem erfolgreich gestaltet worden." 

Seinem Credo bleibt er trotz der Erlösung treu. "Aufgaben lösen und nicht so viel zusammenrechnen", sagte Schmidt nach dem Ende der Sieglos-Serie, das der eingewechselte Budu Siwsiwadse in der Schlussphase mit dem Treffer zum Endstand besiegelte. Auch nach dem Unioner Anschlusstor wurden die Gastgeber nicht nervös.

Permanente Rückendeckung der Fans

15 Spiele lang hatte der FCH nicht mehr gewonnen. Letztmals Anfang Dezember gegen den kommenden Gegner SC Freiburg. "Trotzdem haben die Fans uns in den letzten Wochen und Monaten kein einziges Mal ausgepfiffen", sagte Schmidt. "Jetzt konnten wir ein wenig zurückgeben. Das sage ich bewusst, weil wir jetzt nicht gleich wieder durchdrehen dürfen, nur weil wir ein Spiel gewonnen haben." 

Schon bei den Unentschieden gegen Bayer Leverkusen (3:3) und bei Borussia Mönchengladbach (2:2) punkteten die Heidenheimer und zeigten, dass Aufgeben trotz der prekären Lage keine Option ist. "Wir haben jetzt echt eine lange Durststrecke gehabt. Die letzten Spiele waren schon nicht schlecht, da waren wir nahe dran - und jetzt hat es endlich mal wieder geklappt. Ein sehr, sehr schönes Gefühl", sagte Abwehrspieler Jonas Föhrenbach. 

Clevere Umstellungen

Der eigentliche Linksverteidiger half im Zentrum aus. Es war nicht der einzige clevere Schachzug von Schmidt. Er beorderte auch Antreiber Dorsch zunächst auf die Bank und setzte stattdessen mit Jan Schöppner sowie Julian Niehues auf zwei kopfballstarke Mittelfeldspieler. Die beiden agierten als Stabilisatoren gegen die langen Bälle der Berliner.

Honsak habe das "Näschen", seine Mannschaft die nötige Geduld gehabt, sagte Schmidt. "Die Mannschaft hat sehr wenig Fehler gemacht. Sie hat gezeigt, dass wir offensiv was können. Auch die Effektivität ist zurück, deswegen freuen wir uns brutal." 

Auch gegen Freiburg erfolgreich?

Dennoch fühle es sich jetzt nicht so an, als sei ein riesiger Rucksack oder viel Ballast abgefallen, sagte der Coach. "Wir spielen jetzt in Freiburg. Es macht Sinn und es wäre gut für uns, wenn wir das von heute wiederholen könnten." 

Nach dem Spiel am kommenden Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) beim Sport-Club stehen unter anderem noch Duelle mit den direkten Konkurrenten FC St. Pauli und 1. FC Köln an. "Auf die Tabelle schauen wir nicht mehr. Aber so ein Spiel gibt natürlich Selbstvertrauen, das stärkt den Rücken jedes Einzelnen", sagte Föhrenbach. Noch ist es nur ein erster Schritt - aber einer, der Heidenheim zurück ins Rennen bringt.

dpa