Ein Wiesn-Besuch geht inzwischen bös ins Geld - auch, weil das Bier Jahr für Jahr teurer wird. Dieses ungeschriebene Gesetz möchte Bayerns Bierbrauerpräsident Georg Schneider ändern - und stattdessen Eintritt für den Besuch des Oktoberfests verlangen. Dieser Überlegung erteilte Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) auf Anfrage der dpa allerdings umgehend eine klare Absage. Doch was sind die Argumente der beiden?
Bierverkauf finanziert Zelte, Bands und Personal
"Bei Veranstaltungen wie dem Oktoberfest müssen wir darüber nachdenken, ob Bier die Haupt-Kalkulationsgrundlage für alle Kosten sein kann", hatte der Präsident des Bayerischen Brauerbundes der "Augsburger Allgemeinen" gesagt. Denn: "Oktoberfest-Besucher tragen durch ihren Bierkonsum dazu bei, dass die Kosten, die dieses Fest verursacht, finanziell getragen werden können." Dazu gehöre etwa der Aufbau der Zelte, aber auch die Bezahlung der Bands oder des Personals.
"Am Ende müssen wir uns die Frage stellen, ob Bier allein reicht, um eine Veranstaltung wie das Oktoberfest zu finanzieren", bilanzierte Schneider. Deshalb müsse man als Alternative in Betracht ziehen, Eintritt zu verlangen.
Wiesn-Chef: "Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark"
Wiesn-Chef Scharpf hingegen kann dem Vorschlag überhaupt nichts abgewinnen und erteilte dem Vorstoß eine klare Absage. "Das Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark", sagte der Wirtschaftsreferent der Stadt München der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Eintritt passt überhaupt nicht zum Volksfestcharakter der Wiesn und kommt nicht in Frage."
"Die Wiesn ist für jeden und jede da, nicht nur für die, die sich einen teuren Eintritt leisten können", sagte Scharpf der dpa. "Die Gäste, die nur durchschlendern und die Atmosphäre genießen wollen, sind genauso willkommen wie die, die in den Bierzelten feiern oder sich in einem Fahrgeschäft vergnügen wollen."
Weitere mögliche Vor- und Nachteile von Eintrittspreisen
Wenn es Eintrittspreise gäbe, hätte dies eventuell noch einen weiteren Vorteil: Die Veranstalter könnten beim Einlass leichter einen Überblick bekommen, wie viele Menschen sich gerade auf dem Festgelände befinden. Im vergangenen Jahr war die Wiesn wegen Überfüllung geschlossen worden, für den Umgang mit dem Gedränge hagelte es heftige Kritik. Die Stadt kündigte daraufhin an, künftig unter anderem die Besucherzahlen in Echtzeit erheben zu wollen, um nicht länger mit Schätzungen arbeiten zu müssen.
Punktuelle Ballungen auf einer relativ kleinen Fläche wie auf der vergangenen Wiesn könnten mit Eintrittspreisen und Ticketkontrollen allerdings wohl nicht verhindert werden. Zudem könnten Eintrittspreise dazu führen, dass die Menschen weniger Geld für Lebkuchenherzen, Mandeln oder das Riesenrad ausgeben. Denn auch, wenn viele in einen regelrechten Wiesn-Rausch verfallen - am Ende kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.
Was kostet die Maß heuer?
Das Münchner Oktoberfest gilt mit mehr als sechs Millionen Besuchern pro Jahr als das größte Volksfest der Welt. Der Eintritt auf das Festgelände ist frei, nur die Oide Wiesn - der Teil, auf dem das Volksfest besonders traditionell ist - kostet für Besucher über 15 Jahren vier Euro Eintritt.
Für's Bier hingegen werden andere Preise aufgerufen: 2025 kostete die Maß auf dem Oktoberfest zwischen 14,50 und 15,80 Euro. Das waren im Schnitt 3,52 Prozent mehr als 2024. Damals kostete der Liter noch zwischen 13,60 und 15,30 Euro.
Die Stadt überprüft als Veranstalter des Oktoberfestes, ob die von den Wirten kalkulierten Preise angemessen sind. Wie teuer die Maß in diesem Jahr wird, ist noch nicht bekannt.