Die neue 50-Meter-Tram der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) soll nach jahrelanger Verzögerung im Sommer endlich in den Fahrgastbetrieb gehen. Der sogenannte Urbanliner soll dann die angespannte Situation auf der Linie M4 entlasten. Für die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit der Linienzulassung zeichne sich eine Lösung ab, teilte die BVG mit.
Der Urbanliner sollte bereits im Februar in den Fahrgastbetrieb gehen, ein geplantes Event mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wurde aber kurzfristig abgesagt. Hintergrund waren Uneinigkeiten mit der Zulassungsbehörde.
BVG-Chef sieht Schuld im eigenen Unternehmen
"Das muss die BVG auf ihre Kappe nehmen", sagte Unternehmenschef Henrik Falk heute. Zwischen der BVG und der Zulassungsbehörde sei nicht präzise genug abgestimmt gewesen, mit welchem Belastungsszenario die Zulassung am Alexanderplatz vorgenommen wird. Die Verantwortung liege hier eindeutig bei der BVG. Falk stellte aber klar: "Das entscheidende Thema ist nicht, dass hier Fahrzeuge bestellt worden sind, die nicht auf der Infrastruktur fahren könnten."
Der Einsatz sei auf der M4 möglich - dafür brauche es nur kleine Baumaßnahmen: Auf dem Bahnsteig der U2 sollen in den kommenden Wochen zwei Stützen zur Stabilisierung eines Trägers eingebaut werden, eine weitere im Bereich der U5. Falk schätzt die Kosten dafür auf rund 150.000 Euro.
Belastungsberechnungen gehen von proppevoller Bahn aus
Der Urbanliner, der vom Hersteller Alstom gebaut wird, hat Platz für 312 Fahrgäste (92 Sitzplätze). Für die Belastungsberechnungen auf der M4 wurde nun angenommen, dass maximal 6,7 Menschen pro Quadratmeter in der Bahn stehen. "Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob das realistisch ist. Da geht es um die Belastungsgrenzen der Infrastruktur", sagte Falk. Dass die Infrastruktur nach solchen Berechnungen nachgerüstet wird, sei kein außergewöhnlicher Vorgang. Bereits jetzt sind im U-Bahnhof Alexanderplatz Stützen verschiedenen Alters zu finden, auch das sind Folgen von Verstärkungen der Infrastruktur.
Alstom hat Falk zufolge bereits fünf Fahrzeuge an die BVG geliefert, bis Ende des Jahres sollen es insgesamt 15 sein und im Laufe des Jahres 2028 dann 30. Dann könnte die BVG den gesamten Verkehr auf der M4 mit dem Urbanliner fahren. Auf welchen Strecken das neue Fahrzeugmodell noch eingesetzt werden könnte, sei noch offen. Falk deutete aber an, dass er da vor allem an die Tramlinien denkt, die mit einem M gekennzeichnet sind.
Als das Fahrzeug im Sommer 2024 bei der BVG in den Testbetrieb ging, wurde ein Einsatz im Fahrgastbetrieb für das erste Quartal 2025 angekündigt. Wann genau es nun diesen Sommer losgehen wird, wollte Falk nicht sagen.