Krankheitsüberträger
Wissenswertes zur Zeckensaison in Berlin und Brandenburg

Der gemeine Holzbock ist die am häufigsten verbreitete Zeckenart in Deutschland. Foto: Patrick Pleul/dpa
Der gemeine Holzbock ist die am häufigsten verbreitete Zeckenart in Deutschland. Foto
© Patrick Pleul/dpa
Zecken sind fast das ganze Jahr unterwegs, vor allem aber im Frühling und Herbst aktiv. Im Grünen gilt deswegen jetzt besondere Vorsicht. Worauf Menschen in der Region achten sollten.

Mit steigenden Temperaturen werden nicht nur wir Menschen, sondern auch Zecken wieder aktiver. Die ersten Lyme-Borreliose-Infektionen wurden in Berlin und Brandenburg bereits gemeldet. Ein Überblick über die Lage in der Region.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Zecken übertragen in Deutschland vor allem zwei Krankheiten: Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Bei Borreliose verlaufen die meisten Infektionen unbemerkt. Wenn Symptome auftreten, sind diese je nach befallener Körperregion - Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz - vielfältig und selten eindeutig. Typisch ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Ring, der sich meist um die Einstichstelle bildet und ausbreitet. Auch eine Schwellung und rötlich-violette Verfärbung der Haut können auf Borreliose hinweisen. Die Krankheit wird von Bakterien ausgelöst, dagegen gibt es keine Impfung. 

FSME ist viel seltener als Borreliose. Eine Erkrankung beginnt oft mit grippeartigen Symptomen und kann einen schweren Verlauf nehmen. In etwa einem Prozent der Fälle endet sie tödlich. FSME wird von Viren verursacht, dagegen kann man sich impfen lassen.

Wo in Berlin und Brandenburg muss ich mit Zecken rechnen?

Zecken sind bevorzugt im Wald, an Waldrändern, auf Grasstreifen, an Waldwegen und in buschigem Gelände, aber auch regelmäßig in Gärten, Parks und auf Wiesen zu finden. Daher sollte man nicht nur auf dem Land, sondern durchaus auch in Städten auf Zecken achten. "Überall dort, wo es größere Grünanlagen gibt, kann man auch in der Innenstadt von Berlin davon ausgehen, dass es Zecken gibt", erklärte der Biologe Stefan Munzinger, Vorstand von Nabu-Naturgucker, einmal.

In Berlin und Brandenburg haben dieses Jahr bereits einige Menschen Zecken entdeckt und die Sichtung an den Naturgucker gemeldet.

Wo in Berlin und Brandenburg gibt es FSME-Risikogebiete?

In Brandenburg zählen die Landkreise Oder-Spree, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Elbe-Elster sowie der Stadtkreis Frankfurt (Oder) zu den Risikogebieten. 2025 wurden im gesamten Bundesland insgesamt vier FSME-Infektionen gemeldet. Berlin ist kein Risikogebiet. Für dieses Jahr sind in beiden Bundesländern noch keine Fälle bekanntgeworden.

Wie sieht es aktuell mit Borreliose-Fällen aus?

In Brandenburg wurden bis zum 12. April bislang 160 Borreliose-Fälle gemeldet, wie dem Infektionsbericht des Bundeslandes zu entnehmen ist (abgefragt am 13. April). Vergangenes Jahr waren es im selben Zeitraum 135. 

In Berlin meldete das Landesamt für Gesundheit und Soziales bis zum 8. April bisher 83 Borreliose-Fälle. 2025 waren es im selben Zeitraum 70. Im gesamten Jahr 2025 gab es in der Hauptstadt so viele Borreliose-Fälle wie noch nie seit Beginn der Labormeldepflicht im Jahr 2013. Bis zum 17. Dezember 2025 wurden 1.406 Fälle gemeldet. Das kann am Wetter gelegen haben: Der Sommer war sehr feucht, das mögen Zecken.

Können auch Hunde und Katzen erkranken?

Ja. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut zeigen mit Borreliose infizierte Hunde und Katzen meist keine Symptome. Bei Hunden könne es aber zu Lahmheit, Lethargie, schmerzenden und geschwollenen Gelenken, geschwollenen Lymphknoten und Appetitverlust kommen. Bei Katzen können Lahmheit, Fieber, Lethargie, Appetitverlust und Atmungsprobleme auftreten.

Hunde können sich auch mit FSME infizieren. Eine Infektion kann tödlich sein.

Was hat es mit der Hundemalaria auf sich?

Hundemalaria (Babesiose) wird ebenfalls durch Zecken übertragen. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz warnte Hundehalter kürzlich vor der Infektionskrankheit, die in der Region inzwischen bei Hunden häufiger auftrete. Unbehandelt verlaufe die Babesiose bei Hunden in den meisten Fällen tödlich. Für den Menschen besteht nach dem heutigen Kenntnisstand keine Ansteckungsgefahr.

Auslöser der Hundekrankheit ist ein Blutparasit, der von Auwaldzecken, auch Wiesenzecken genannt, übertragen wird. Sie sind besonders im Frühjahr und Herbst aktiv. Die Babesiose ist in ihren Symptomen der menschlichen Malaria ähnlich. In schweren Fällen komme es zu einer massiven Zerstörung der roten Blutkörperchen, die einen Schock auslösen könne, so der Landkreis. Lagere sich Flüssigkeit in der Lunge ein, zeigten die Hunde verstärkte Atmung, Husten und möglicherweise blutigen Nasenausfluss. Werde das Nervensystem betroffen, könnten Krampfanfälle, Lähmungen oder Koordinationsstörungen auftreten.

Wie können Mensch und Tier sich unterwegs schützen?

Experten empfehlen unter anderem Zeckenspray, lange Hemden und Hosen, geschlossene Schuhe und helle Kleidung, um Zecken leichter zu erkennen. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden. 

Hunde könnten mit Zeckenschutzmittel geschützt werden, wie der Landkreis Oberspreewald-Lausitz empfiehlt. Es gebe zum Beispiel Spot-on-Lösungen - das sind flüssige Arzneimittel, die auf die Haut aufgetragen werden - sowie spezielle Halsbänder oder Tabletten. Nach Spaziergängen sollten Hunde sorgfältig auf Zecken abgesucht werden.

Was tut man, wenn man eine Zecke bemerkt?

Die Zecke sollte so schnell wie möglich herausgezogen werden. Dafür sollte man die Zecke nah an der Haut greifen und langsam herausziehen. Es ist wichtig, möglichst alle Teile der Zecke zu entfernen, um eine Entzündung zu vermeiden, wie das Robert Koch-Institut rät. Nach der Entfernung empfehlen die Experten, die Wunde sorgfältig zu desinfizieren.

dpa