Kriminalität
Erneut Schüsse auf offener Straße – Mann verletzt

Die Polizei sucht nach dem oder den Tätern. (Symbolbild) Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Polizei sucht nach dem oder den Tätern. (Symbolbild) Foto
© Rolf Vennenbernd/dpa
Immer mehr Schießereien, immer mehr Verletzte: Die Berliner Polizei kämpft gegen organisierte Kriminalität und fordert schärfere Gesetze.

Trotz intensiver Polizeirazzien und Beteuerungen des Senats ist in Berlin erneut ein Mann auf der Straße angeschossen und schwer verletzt worden. Die Polizei wurde gegen Mitternacht nach Schöneberg alarmiert. Das 38 Jahre alte Opfer wurde von Schüssen in den Unterkörper getroffen, wie die Polizei berichtete. Sanitäter brachten den Mann in ein Krankenhaus, Lebensgefahr bestand nicht.

Zeugen berichteten laut dem Bericht, dass sie gegen Mitternacht mehrere Schüsse hörten. Der oder die Täter sollen nach dem Angriff mit einem Auto geflüchtet sein. Die Polizei fahndet nach ihnen, zunächst ohne Erfolg. Die Kriminalpolizei und ihre Techniker untersuchte den Tatort. Spezialisten fanden mehrere Kugeln in und an Fassaden umstehender Häuser. 

Die Tat reiht sich ein in zahlreiche ähnliche Taten mit Schüssen auf Menschen im kriminellen Milieu mit Leicht- und Schwerverletzten. Oft handelt es sich laut Polizei um Erpressungen von Geschäftsleuten sowie Revierkämpfe und Auseinandersetzungen in der organisierten Kriminalität

Auch in diesem Fall ermittelt nun die speziell für die ständige Schusswaffenkriminalität im November eingerichtete Sondereinheit des Landeskriminalamtes (LKA) "Ferrum" (lateinisch, übersetzt: "Eisen"). Durch Razzien in Bars und an Treffpunkten soll die organisierte Kriminalität unter Druck gesetzt werden.

Ähnlicher Fall erst Ende vergangener Woche

Ende vergangener Woche wurde ein 23-jähriger Mann, der polizeibekannt ist, durch mehrere Schüsse auf offener Straße in Kreuzberg verletzt. Er war mit einem Begleiter am späten Donnerstagabend in der Graefestraße unterwegs, als zwei Männer plötzlich auf ihn schossen und ihn dreimal trafen. Die Täter flohen unerkannt. 

Obwohl sich nun schon seit dem vergangenen Jahr ständig Schießereien ereignen, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) im Innenausschusses des Abgeordnetenhauses zum wiederholten Mal: "Ich dulde keine bewaffneten Auseinandersetzungen in unserer Stadt." Sie sprach von "Null Toleranz beim illegalen Waffenbesitz und jeglichen Missbrauch". Das sei absolut nicht hinnehmbar, unabhängig davon, ob es Einzeltäter, Familienstreitigkeiten oder Taten in der organisierten Kriminalität seien.

Die Polizei ermittle in jedem Fall, Verdächtige würden identifiziert, betonte Spranger. Besonders Lieferwege für Waffen müssten aufgeklärt und zerschlagen werden. Das Waffengesetz müsse dringend verschärft werden, um den Besitz der Waffen als Verbrechen einzustufen.

Mehr Zwischenfälle mit Schusswaffen

Tatsächlich war die Zahl der Straftaten, bei denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde, im vergangenen Jahr laut Polizeistatistik deutlich gestiegen. Insgesamt zählte die Polizei 1.119 Fälle, ein Plus von 68 Prozent. In 515 Fällen davon wurde geschossen, da waren allerdings auch Schüsse mit Schreckschusspistolen dabei.

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich erneut alarmiert über die jüngste Tat und forderte mehr Videoüberwachung, moderne Auswertetechnik und Maßnahmen gegen illegalen Waffenhandel. "Täglich grüßt das Murmeltier, und so traurig es klingt. In Berlin vergeht kaum eine Nacht, in der nicht irgendjemand zur Schusswaffe greift", erklärte Sprecher Benjamin Jendro.

Wer auf der Straße mehrere Schüsse auf eine Person abgebe, sei bereit zu töten und nehme neben seinem Ziel auch andere Opfer in Kauf, so die GdP weiter. "Wir sprechen seit längerem über eine Durchbewaffnung der Szene und haben offensichtlich immer mehr Leute in dieser Stadt, die private Fehden oder Konkurrenzkämpfe in der organisierten Kriminalität mit Waffengewalt lösen."

dpa

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