Staatsschutz ermittelt
Wieder Cottbus: Synagoge beschmiert, Wohnprojekt attackiert

Ein großes Hakenkreuz wurde auf die Synagoge mitten in Cottbus geschmiert. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein großes Hakenkreuz wurde auf die Synagoge mitten in Cottbus geschmiert. Foto
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Eine Fackel im Hausflur, Volksverhetzung, Drohungen: Jetzt trifft es ein Wohnprojekt und die Synagoge innerhalb kurzer Zeit. Steht Cottbus vermehrt im Fokus rechten Hasses?

Ein Hakenkreuz an der Synagoge, eine brennende Fackel in einem alternativen Wohnprojekt: Der Staatsschutz der Polizei prüft, ob hinter neuen Straftaten in Cottbus rechtsextreme Täter stecken. Bereits vor wenigen Tagen waren mehrere mutmaßlich rechte Drohungen in Cottbus auch vor der Wohnung eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus stellt, bekanntgeworden. 

Nach einem volksverhetzenden Schriftzug an der Synagoge in Cottbus wurde das jüdische Gotteshaus binnen kurzer Zeit mit einem rechtsextremistischen Symbol beschmiert. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, entdeckte eine Streife am Morgen gegen 3.30 Uhr ein schwarzes Hakenkreuz an der Synagoge, die mitten in den Cottbuser Fußgängerzone steht. Die verbotene Schmiererei sei 1 Meter mal 1,50 Meter groß. Die Polizei klebte das Hakenkreuz zunächst ab. Die Entfernung der Schmiererei sei veranlasst, hieß es.

Es werde auch geprüft, ob es künftig häufigere Kontrollen durch Polizeistreifen gebe, sagte der Sprecher der Polizei. Erst am Freitag hinterließen Unbekannte an der Fassade der Synagoge in Cottbus einen antisemitischen Schriftzug. 

Jüdische Gemeinde: Videokameras wenig hilfreich

Die Jüdische Gemeinde teilte auf Anfrage mit: "Natürlich erleben Cottbuser Jüdinnen und Juden vermehrt Anfeindungen, aber sie haben keine Angstgefühle." Es gebe ständig Kontakt mit regionalen und überregionalen Sicherheitsbehörden. Äußere Videokameras seien wegen des Datenschutzes aber kaum hilfreich, hieß es. 

Die Synagoge in Cottbus, die sich in der ehemaligen evangelischen Schlosskirche befindet, wurde 2015 eingeweiht - als erstes jüdisches Gotteshaus in Brandenburg seit dem Holocaust. 1938 hatten die Nazis die damalige Synagoge in Cottbus niedergebrannt.

Leuchtfackel in Hausflur von Wohnprojekt geworfen

Zudem war es in Cottbus kurz vor Mitternacht zu einem Angriff auf ein alternatives Wohnprojekt gekommen. Unbekannte warfen eine Leuchtfackel in den Hausflur. 

Mit Blick auf jüngste Drohungen und Einschüchterungsversuche mutmaßlich aus der rechtsextremen Szene teilte die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg mit: "Wieder trifft ein rechter Angriff private Wohnungen und die Menschen, die dort leben." Das sei "eine weitere Eskalation rechter Gewalt".

Eine gezündete Bengalo-Fackel sei am Sonntag kurz vor Mitternacht in den Flur geworfen worden, sagte ein Sprecher der Polizei am Vormittag mit Blick auf den aktuellen Vorfall. Die Initiative schrieb von einer "Rauchbombe" auf das Wohnhaus "WK51" in Cottbus, das in der Nähe des Bahnhofs liegt. 

Die Bewohner hätten wegen des Rauchs das Haus verlassen, es sei niemand verletzt worden, so der Polizei-Sprecher. Pyrotechnik sei sichergestellt worden. Im Flur des Hauses sei es zu einer "leichten Sachbeschädigung" gekommen. 

"Dichter Rauch in unseren Wohnungen"

"Mitten in der Nacht stand dichter Rauch in unseren Wohnungen. Wir dachten, unser Haus brennt", schilderte eine Bewohnerin der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg zufolge. In dem Haus leben demnach internationale Studierende, Handwerkerinnen und Handwerker sowie zivilgesellschaftlich und kulturell engagierte Menschen. "Dieser Angriff trifft uns als vielfältige Gemeinschaft. Wir erwarten von Polizei, Politik und den Eigentümern des Hauses wirksamen Schutz."

Reihe von Attacken 

Es ist längst nicht der erste Angriff auf alternative Wohnprojekte in Cottbus. Im März waren am Haus "WK51" Fensterscheiben eingeschlagen worden, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die Initiative sprach zudem von einem Sprengstoffanschlag auf das Haus in der Silvesternacht 2024/25. Regelmäßig klebten rechte Sticker auf der Haustür. Im Mai 2025 hatten mehrere Angreifer mit Böllern und Fackeln das alternative Hausprojekt "Zelle 79" in der Stadt angegriffen und verfassungsfeindliche Parolen gerufen.

Auch weitere bekanntgewordene Fälle hat die für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz-Abteilung der Polizei übernommen. Vor rund zehn Tagen sollen in Cottbus Unbekannte vor der Wohnungstür eines Studentenpfarrers, der für die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg engagiert ist, randaliert haben. Cottbus gilt in Brandenburg seit langem als eine Hochburg des Rechtsextremismus.

dpa