"Ich habe Angst, dass sie krank werden", sagt Hüseyin S. über seine Kinder. Er und seine Familie sind vom großen Stromausfall im Südwesten Berlins betroffen. Es sei eine Zumutung, solange ohne Strom zu sein, erzählt er der Deutschen Presse-Agentur. Seine Tochter geht in die erste Klasse einer Schule, an der eine Notbetreuung eingerichtet wurde. "Gott sei Dank ist da Strom."
Eigentlich sollte der Unterricht nach den Weihnachtsferien heute wieder beginnen, einen normalen Schulalltag gibt es aber in einigen Einrichtungen in den nächsten Tagen nicht. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte eine Liste mit Schulen, die wegen des Stromausfalls zunächst geschlossen bleiben müssen - darunter Grundschulen sowie weiterführende Schulen und Berufsschulen. Für rund 20 betroffenen Schulen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf wurden Notbetreuungen an anderen Schulen eingerichtet.
In den vergangenen Tagen zündeten sie zu Hause viele Kerzen an, außerdem habe er einige Powerbanks, um etwa Handys aufladen zu können, so Hüseyin S. Dennoch sei es schwer, nicht nur für seine Kinder, sondern auch für ihn. Er selbst sei erkältet - "ich werde gar nicht gesund".
Wohnungen werden kälter - "Mit 18 Grad geht es noch"
Die 36-jährige Tatjana, Mutter von zwei Kindern, versucht, das Positive an der Situation zu sehen. Den digitalen Detox fände sie gar nicht so schlecht, erzählte sie. Nur die Wohnung werde immer kälter: "Mit 18 Grad geht es noch, aber wenn es jetzt die nächsten Tage kälter wird, dann müssten wir gucken, weil wir niemanden in der Nähe haben, wo man zur Verwandtschaft hin flüchten könnte".
Ihren beiden Kindern, 8 und 14 Jahre alt, gehe es unterschiedlich. "Die Kleine findet es gar nicht so dramatisch", sagt sie. Die Ältere jedoch leide wegen des fehlenden Internets und Handys. Die 36-Jährige sei sehr froh, dass die Schule ihrer Tochter regulär geöffnet habe. Das Angebot, sie zu Hause zu lassen, hätte sie gar nicht angenommen, weil sie dadurch im Warmen sei und eine warme Mahlzeit habe, erzählte sie.
Eltern versuchen, Situation positiv zu sehen
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Der Vater eines Zweitklässlers berichtete, dass es seinem Sohn ganz gut gehe, es sei etwas Neues für ihn. "Am Wochenende war es natürlich etwas einfacher", sagt der 40-Jährige. So habe die Familie viel Zeit zusammen verbracht, "ohne Ablenkung, ohne Fernsehen". Nun sehe die Lage jedoch etwas anders aus: "Jetzt unter der Woche ist es natürlich nicht mehr so schön, wenn man morgens aufstehen muss und die ganze Morgenroutine hat, im Dunkeln, ohne warmes Wasser." Außerdem wäre es schwierig geworden, wenn die Schule seines Sohnes nicht geöffnet hätte: "Wir müssen natürlich arbeiten und es ist viel einfacher, wenn die Kinder zur Schule dürfen."
Bei Bekannten, bei denen der Strom wieder da sei, konnten sie alle Geräte aufladen. Es gebe große Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft, berichtet er. Trotzdem hoffe er, dass es nicht mehr lange dauere, bis der Strom wieder da ist. "Also ein, zwei Tage geht es, aber wenn das tatsächlich noch bis Donnerstag oder sogar länger dauert, dann wird es schwierig."
Unklar, wann Schulen wieder öffnen können
Am frühen Samstagmorgen hatte ein Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde mehr als ein Dutzend wichtige Leitungen beschädigt. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben mutmaßlicher Linksextremisten ist laut Senatorin Iris Spranger (SPD) authentisch. Der Anschlag sorgt für einen großen Stromausfall, von dem zunächst 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Unternehmen betroffen waren. Mittlerweile ist die Versorgung für rund 15.000 Haushalte und knapp 500 Gewerbekunden wieder hergestellt, so der Betreiber Stromnetz Berlin. Alle Pflegeheime und Krankenhäuser seien inzwischen wieder versorgt.
"Die Maßnahmen sind aus Gründen der Sicherheit unvermeidbar", hieß es vom Senat bezüglich der geschlossenen Schulen. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Voraussetzungen für eine schnelle Rückkehr zum regulären Schulbetrieb zu schaffen - ob das nach Mittwoch sein werde, sei aber noch unklar. Auch die Kitas sind von den Schließungen betroffen.