Nach der Rettung eines festgefrorenen Schwans in Berlin warnt Wildtierexperte Derk Ehlert vor solchen Aktionen. "Es ist lieb gemeint, aber hochgefährlich", sagte er. Davor könne er nur warnen. In einem Video auf Instagram, das am Dienstag gepostet wurde, ist zu sehen, wie zwei Männer sich mit einem Boot auf dem teils zugefrorenen Landwehrkanal einem Schwan auf einer Eisfläche nähern. Mit einem Hammer brechen sie das Eis rund um das Tier auf.
Als der Vogel frei ist, ist im Video zu sehen, wie einer der beiden den Schwan auf den Arm nimmt und über das Eis zum Festland trägt. Bis Mittwochmittag erhielt das Video, das mit den Worten "Risikoreiche Rettungsaktion am Landwehrkanal Berlin" beginnt, mehr als 60.000 Likes.
Warum das gefährlich ist
Ehlert zufolge sei die Aktion aus zwei Gründen gefährlich. Zum einen könne das aufblasbare Boot an der Eiskante aufplatzen und sich die Retter dadurch selbst in Gefahr bringen. Zum andern sollte das Tier nicht direkt angefasst werden, da man nicht wisse, ob es krank sei. Die Vogelgrippe, an der vergangenen Herbst viele tausende Vögel starben, gebe es nach wie vor.
Trotzdem müsse man das Engagement der beiden loben, so Ehlert. "Die haben wirklich helfen wollen", sagte er. Richtig sei gewesen, dass sie erst einmal einen halben Tag gewartet hätten, um die Lage zu beobachten, da es auch gut sein könne, dass das Tier gar nicht festgefroren sei.
Feuerwehr alarmierte Wasserschutzpolizei
Die Berliner Feuerwehr sei für die Rettung des Tieres alarmiert worden, sagte ein Sprecher. Der Vogel sei allerdings etwa 50 Meter vom Ufer entfernt gewesen. Ohne Boot wären die Einsatzkräfte nicht sicher zu dem Tier gelangt. Die Einsatzkräfte hätten daher die Wasserschutzpolizei gerufen. Als diese eintraf, hatten die zwei Passanten den Schwan bereits befreit, so der Sprecher. Die Einsatzkräfte hätten den Vogel entgegengenommen und in eine Tierklinik gebracht.
Die meisten Wasservögel frieren laut dem Wildtierexperten auf dem Eis nicht fest, weil Beine und Füße weiter herunter temperiert werden und so nicht festfrieren können. Der Höckerschwan, zu dem der Vogel in diesem Fall gehöre, sei einer der wenigen Vogelarten, bei denen das in seltenen Fällen möglich sei. Ursprünglich stamme die Art aus Südostasien, wo es keinen Frost gebe.
Den in Deutschland heimischen Schwänen passiere das etwa nicht. Sie seien Eis und Frost gewöhnt, weswegen sie sich viel mehr bewegten als Höckerschwäne und mit den Schnäbeln auch selbst Eiskanten im Wasser frei picken könnten.
Was man in solch einer Situation tun sollte
Ehlert riet, sich in solchen Situationen an Experten zu wenden, die Hilfe leisten könnten. In Berlin empfahl er, das Netzwerk "Wildtiernah Berlin" anzurufen und um Hilfe zu bitten. Koordiniert wird das Netzwerk vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und von der Senatsverwaltung für Umwelt gefördert. Ansonsten seien auch die Veterinärämter Ansprechpartner in solchen Fällen.