Der Wohnungsmangel in Brandenburg hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts bereits Ende 2024 einen Stand von 24.000 fehlenden Wohnungen erreicht. Damit habe das Land von allen Ostländern den zweithöchsten Bedarf an Wohnungen. Nur Sachsen liegt mit 26.000 fehlenden Wohnungen noch darüber.
Besserung sei in den nächsten Jahren der Studie zufolge nicht in Sicht, wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther in Berlin sagte. Im Jahr 2030 dürfte daher der Bedarf in Brandenburg bei bis zu knapp 60.000 Wohnungen liegen. In diesem Szenario gehen die Studienmacher allerdings von einem sehr hohen Anteil von Einpersonenhaushalten aus. Sinkt diese Zahl von Einpersonenhaushalten auf ein Minimum, läge der Wohnungsmangel laut Studie 2030 bei rund 16.000 Wohnungen.
Deutschlandweit erreichte der Wohnungsmangel einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen. Für die nähere Zukunft erwartet das Institut den Bau von lediglich rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr, etwa halb so viele wie der angenommene jährliche Bedarf. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge zur Wirtschaftsbremse geworden. Ohne einen Aufschwung des Wohnungsbaus könnten keine Zuwanderer für die Arbeitsmärkte gewonnen werden "und unser Land wird die Wachstumsschwäche nicht überwinden können", heißt es in dem Papier.
Junge und Alte leiden gleichermaßen
Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung leiden demnach die junge Generation bis 25 und ältere Menschen.
Die Jüngeren sind laut Studie auf dem Wohnungsmarkt zur "benachteiligten Gruppe" geworden. Und viele ältere Großstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten und müssten fortziehen. In absoluten Zahlen liegen die beiden größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer an der Spitze: In Nordrhein-Westfalen fehlten Ende 2024 demnach 376.000 Wohnungen, in Bayern 233.000. Den Gesamtbedarf bis 2030 schätzt das Pestel-Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.
Bündnis: Wohnungsbau muss Chefsache in Bund und Ländern werden
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Das Bündnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere den Bau von mehr Sozialwohnungen. Die Berechnungen des Pestel-Instituts basieren auf Daten der Statistischen Ämter. Zwar steht in Deutschland geschätzt auch eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer, doch deren Wiedervermietung würde nach Einschätzung der Ökonomen das Wohnungsproblem insbesondere im Westen nicht lösen.
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