Beschlüsse der Bundesregierung
Verbände skeptisch bei steuerfreiem Krisen-Bonus

Welche Unternehmen werden in der Lage sein, 1.000 Euro zusätzlich an ihre Mitarbeiter auszuzahlen? (Symbolbild) Foto: Boris Roes
Welche Unternehmen werden in der Lage sein, 1.000 Euro zusätzlich an ihre Mitarbeiter auszuzahlen? (Symbolbild) Foto
© Boris Roessler/dpa
1.000 Euro steuerfrei – klingt gut, doch viele Chefs in Hamburg und Schleswig-Holstein können sich darauf einlassen? Warum die Prämie für manche Firmen kaum zu stemmen sein dürfte.

Wegen der hohen Energiepreise sollen Unternehmen nach Willen der Bundesregierung ihren Mitarbeitern einmalig bis zu 1.000 Euro steuer- und abgabenfrei auszahlen dürfen. Allerdings ist unklar, wie viele Firmen in Hamburg und Schleswig-Holstein sich das leisten können.

Die IHK Kiel teilte auf dpa-Anfrage mit, es sei derzeit völlig offen und nicht einheitlich zu beantworten, ob die Betriebe in Schleswig-Holstein die Prämie zahlen werden. "Die finanzielle Lage vieler Firmen ist laut IHK-Umfragen nach wie vor angespannt, da die Reserven aufgebraucht sind."

Hohe Kosten für Energie und Personal ließen in vielen Betrieben vermutlich nur wenig Spielraum für solche Extras. In Branchen wie dem Handel oder der Gastronomie könnte das Geld für Sonderzahlungen schlichtweg fehlen. Andere Unternehmen, beispielsweise aus dem produzierenden Gewerbe, könnten den Bonus nutzen, um ihre Beschäftigten zu entlasten und dringend benötigte Fachkräfte an sich zu binden, hieß es von der IHK. "Am Ende bleibt es eine reine Vermutung, wie viele Arbeitgeber sich diesen Schritt in der aktuellen Lage tatsächlich leisten können."

Zweifel an Zahlungsbereitschaft 

Ähnlich ist die Einschätzung bei Nordmetall. Ebenso wie die Beschäftigten seien auch die Unternehmen dringend auf Entlastungen angewiesen. "In der aktuellen Krisensituation zeigt sich, wie fahrlässig es ist, dass die Regierung die großen Reformen vor sich herschiebt, statt beherzt zu handeln", teilte ein Sprecher mit. Mit der Prämie werde die Verantwortung auf die Schultern der Arbeitgeber übertragen, da die entstehenden zusätzlichen Kosten die Unternehmen selbst aufbringen müssen.

Bei guter wirtschaftlicher Situation kann die Steuer- und Abgabenfreiheit nach Einschätzung von Nordmetall helfen. "Angesichts der für die Branche generell schwierigen wirtschaftlichen Lage und weil die Betriebe selbst von den enorm hohen Kraftstoff- und Energiepreisen stark betroffen sind, bezweifeln wir jedoch, dass viele Arbeitgeber zur Zahlung einer solchen Prämie willens und in der Lage sind." Der Verband wies darauf hin, dass die tarifgebundenen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie vom 1. April 2026 auch eine Tariferhöhung in Höhe von 3,1 Prozent bekämen, die viele Unternehmen derzeit gar nicht erwirtschaften könnten.

dpa