Die Eutiner Festspiele haben ihre Aufführungen für dieses Jahr abgesagt. Der ehrenamtlich tätige Geschäftsführer Falk Herzog begründete die Entscheidung auf der Internetseite der Festspiele mit einer dringend notwendigen Professionalisierung der Strukturen. Nach Herzogs Angaben bedeutet das auch das Ende der seit 1951 bestehenden Festspieltradition in der Kreisstadt des Kreises Ostholstein. Es sei nicht gelungen, "die Kommunalpolitik vom Wert der Eutiner Festspiele für die Stadt zu überzeugen". Mehrere Medien berichteten.
Keine professionellen Strukturen
Die Festspiele erwirtschafteten nach Herzogs Angaben mehr als 95 Prozent des Budgets selbst. Das habe die Möglichkeiten begrenzt, die personellen Strukturen anzupassen. Nach der vergangenen Saison hatte es Beschwerden von Musikern über verspätete Zahlungen gegeben.
"Wir danken unserem Publikum für sein Vertrauen und seine Freude an unserem Kulturangebot in einmaliger Kulisse", so Herzog. "Es hat uns mit großer Freude erfüllt, nach den Vorstellungen in so viele begeisterte Gesichter zu schauen und wir sind überzeugt vom Produkt Eutiner Festspiele. Umso mehr bedauern wir diesen Schritt, aber ohne hauptamtliche Geschäftsführung und die nötigen Finanzmittel hat ein saisonaler Kulturbetrieb in dieser Größe und der heutigen Zeit keine Chance."
Neue Tribüne und Zuschauerrekord
2025 hatten rund 65.000 Zuschauer die Aufführungen gesehen, eine Rekordzahl. Gezeigt wurde unter anderem die Oper "Die Zauberflöte". Erst zur Saison 2024 war mit einer Millioneninvestition eine neue Tribüne in Betrieb genommen worden.
Eutins Bürgermeister Sven Radestock nannte die Entscheidung bitter für Eutin. "Nicht nur für das kulturelle Leben, sondern auch für die Stadt insgesamt."
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Die Gründe des Geschäftsführers und der beiden Gesellschafter könne er gut nachvollziehen. "Falk Herzog hat sich außerordentlich ehrenamtlich engagiert in den vergangenen Jahren – dafür danke ich ihm persönlich ganz besonders und ausdrücklich. Er hat die Festspiele zu dem erfolgreichen Event gemacht, die ganze Stadt hat davon profitiert."
Bürgermeister richtet den Blick in die Zukunft
Umso tragischer sei es, dass nun gerade dieser Erfolg den Festspielen auf die Füße falle. Die Stadt Eutin habe viel investiert in die Festspiele. Es habe mehrere interne Gespräche gegeben und er hätte sich gewünscht, einen gemeinsamen Weg mit der Kommunalpolitik zu finden, so Radestock. "Das war leider nicht erfolgreich."
Man könne jetzt nicht passiv auf eine leere, neue Tribüne starren. "Wir werden uns weiter zusammensetzen, wir werden was machen. Aber mit der Saison in diesem Jahr wird das nichts."