Naturschutz Erstmals genetischer Nachweis einer Wildkatze in SH

Die sehr scheuen Tiere bevorzugen naturnahe Wälder mit vielen Versteckmöglichkeiten. (Archivbild). Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentr
Die sehr scheuen Tiere bevorzugen naturnahe Wälder mit vielen Versteckmöglichkeiten. (Archivbild). Foto
© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Jahrhunderte galt sie in Schleswig-Holstein als ausgerottet. Jetzt ist die Wildkatze zurück im Norden.

Die Europäische Wildkatze ist offiziell zurück im Norden. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wurde in Schleswig-Holstein eine Europäische Wildkatze genetisch nachgewiesen, wie die Naturschutzorganisation BUND und das Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilten. Damit sei die streng geschützte Art offiziell in das nördlichste Bundesland zurückgekehrt. 

LfU-Sprecher Martin Schmidt sagte, der Nachweis der Wildkatze in Schleswig-Holstein sei ein echter Meilenstein für die Art und ein bedeutender Erfolg für den Naturschutz. Die Katze galt in Schleswig-Holstein seit dem Mittelalter als ausgestorben. 

Nachweis nach Rettung aus Wildzaun

Die nun genetisch untersuchte Wildkatze wurde den Angaben zufolge zuvor im Herzogtum Lauenburg von einem Jäger entdeckt - in einem Wildzaun festhängend. Der Mann schnitt das Tier frei, da es sich nicht aus eigener Kraft retten konnte. Dann sammelte er Haare, die das Tier am Zaun hinterlassen hatte. Das LfU ließ die Haare beim Institut Senckenberg in Gelnhausen genetisch analysieren. "Das Ergebnis ist eindeutig: eine Europäische Wildkatze."

Ob sich die Wildkatze dauerhaft in Schleswig-Holstein angesiedelt hat, ist noch offen. Um mehr über eine mögliche Verbreitung zu erfahren, startet der BUND gemeinsam mit dem LfU und weiteren Partnern in den kommenden Tagen das erste sogenannte Lockstock-Monitoring in Schleswig-Holstein, bei dem Haarproben gesammelt und ausgewertet werden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern geht der BUND den Spuren der Wildkatze nach - direkt angrenzend an Schleswig-Holstein. 

Man wolle herausfinden, wo die gefährdete Wildkatze im Norden genau lebt, sagte die Koordinatorin des "Rettungsnetzes Wildkatze" beim BUND-Bundesverband, Friederike Scholz. "Nur so können wir ihre Lebensräume sichern und die Art bei der Rückkehr unterstützen."

Verbreitungsgebiet endete bisher südlich der Elbe

Gregor Peter Schmitz mit den Buchstaben GPS

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Im vergangenen Jahr konnte das LfU anhand von Aufnahmen aus landeseigenen Wildkameras erstmals eine Wildkatze in Schleswig-Holstein fotografisch nachweisen. Das genetisch sicher dokumentierte nördlichste Verbreitungsgebiet der Wildtiere endete bislang in der Lüneburger Heide. Jetzt hat offenbar zumindest ein Einzeltier die Elbe überwunden, die bisher als natürliche Barriere für eine weitere Ausbreitung galt. 

Die sehr scheuen Wildkatzen bevorzugen naturnahe Wälder mit vielen Versteckmöglichkeiten als Lebensraum. Die Tiere unterscheiden sich von wildfarbenen Hauskatzen vor allem durch ihren breiten buschigen Schwanz und durch ihre typische Nackenzeichnung mit meist vier schwarzen Streifen. Sie sind keine verwilderten Hauskatzen, sondern echte Wildtiere.

dpa