Schiffs-TÜV
"Cap San Diego" in der Werft: Ohne Ehrenamtliche geht nichts

Gaby Liedtke wird diese Treppe in den nächsten Tagen wieder auf Hochglanz bringen. Foto: Focke Strangmann/dpa
Gaby Liedtke wird diese Treppe in den nächsten Tagen wieder auf Hochglanz bringen. Foto
© Focke Strangmann/dpa
Das bekannte Hamburger Museumsschiff "Cap San Diego" wird in Bremerhaven für 1,5 Millionen Euro fit gemacht – mit tatkräftiger Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen. Eine von ihnen ist Gaby Liedtke.

Wenn das Museumsschiff "Cap San Diego" seinen Liegeplatz im Hamburger Hafen verlässt, ist das etwas Besonders. Denn nur wenige Tage im Jahr heißt es "Leinen los", um mit Gästen zu Ausfahrten aufzubrechen. Dazu kommt alle fünf Jahre ein Werftbesuch, um das maritime Denkmal bei einer Art Schiffs-TÜV sicherheitstechnisch überprüfen zu lassen. Die sogenannte Erneuerung der Klasse ist Voraussetzung dafür, dass das größte betriebsfähige Museumsfrachtschiff der Welt fahrtüchtig bleibt. 

Am Sonntagabend legte das Schiff in Hamburg ab, um in der Bremerhavener Werft Bredo Dry Docks in den nächsten drei Wochen für 1,5 Millionen Euro fit gemacht zu werden. Es müssen Tanks gereinigt, Anker und Ankerwinde überarbeitet oder auch das Unterwasserschiff neu angestrichen werden.

Neben den Werftprofis werden auch zahlreiche Ehrenamtliche das Schiff auf Vordermann bringen. "Im laufenden Betrieb sind viele Arbeiten nicht möglich", begründet Geschäftsführerin Ann-Kathrin Ruess. Eine der Ehrenamtlichen ist Gaby Liedtke. "Wir sind für die Holz- und Metallarbeiten zuständig", erklärt die 65-Jährige den Aufgabenbereich ihres Teams. In den nächsten Tagen wird sie eine Holztreppe abmontieren, alle Leisten abschrauben, das Holz schleifen und neu lackieren. Die Vorfreude ist ihr ins Gesicht geschrieben.

Gaby Liedtke gehört seit ihrer Rente zur ehrenamtlichen Crew

Seit zweieinhalb Jahren gehört Liedtke zur ehrenamtlichen Schiffsbesatzung. Sie hat sich damit einen Traum erfüllt. Als Hamburgerin sei die Liebe zu Schiffen quasi in ihrer DNA, sagt sie. Als sie vor 15 Jahren einmal als Gast an Bord der "Cap San Diego" gewesen sei, habe sie auf dem Pooldeck für die Mannschaft reservierte Tische gesehen. "Da wusste ich: Eines Tages möchte ich da auch sitzen." Als sie in Rente ging, schickte sie ihre Bewerbungsmail gleich los. 

Rund 120 Ehrenamtliche arbeiten mit daran, dass die "Cap San Diego" erhalten bleibt. "Sie sind in allen Bereichen tätig: auf der Brücke, im Maschinenraum, an Deck, im Shop, im Archiv, in der IT", sagt Geschäftsführerin Ruess, die eine der wenigen Festangestellten im Team ist. Ehrenamtlicher Nachwuchs werde immer gesucht, vor allem mit gültigen nautischen Papieren. Wer mitmache, beteilige sich daran, das Museumsschiff lebendig zu halten. "Ohne die ehrenamtliche Besatzung könnte das Schiff nicht auf Reisen gehen", betont Ruess. 

Für Liedtke stand fest, dass sie an Deck arbeiten will. Sie sei handwerklich begabt und feinmotorisch durch ihre Tätigkeit als Zahnarzthelferin geschult. In der 40-köpfigen Deck-Crew ist sie die einzige Frau. Das macht ihr nichts aus - im Gegenteil. "Unter Männern zu arbeiten, hat mir immer viel Spaß gemacht." Von Anfang an sei sie akzeptiert worden. "Die haben gleich gesehen, dass ich mit der Schleifmaschine umgehen kann", sagt sie. Dass sie als Ehrenamtliche bei den Ausfahrten mit dabei sein dürfe, empfinde sie als Privileg. Vor allem aber gefalle ihr die Kameradschaft an Bord.

120.000 Besucher im Jahr kommen an Bord

Seit 2003 steht die weiße "Cap San Diego" unter Denkmalschutz. Sie ist nach Angaben der Betreibergesellschaft das letzte noch erhaltene Schiff einer Serie von sechs baugleichen Stückgutfrachtern, die 1961/62 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden. Wegen der Einführung des Containerverkehrs fuhr das Schiff nur rund zwei Jahrzehnte. Hamburg verhinderte mit dem Kauf die Verschrottung der "Cap San Diego". 

"Heute gilt sie als Zeugnis deutscher Ingenieurskunst", sagt Ruess. Rund 120.000 Besucherinnen und Besucher kommen pro Jahr an Bord, die meisten von ihnen besuchen das Museum. Inzwischen befinden sich auch ein Hochseilgarten und Escape-Rooms an Bord. 

Einnahmen und Spenden fließen in Unterhalt und Instandsetzung

Schiffseigner ist die Stiftung Hamburger Admiralität. Die Einnahmen, die durch die Eintrittsgelder, den Shop und die Events erzielt werden, sowie die Spenden fließen in den Unterhalt und die Instandsetzung. Dazu kommen öffentliche Fördermittel von der Stadt Hamburg und vom Bund. Gerade wurden von der öffentlichen Hand 750.000 Euro für den Werftaufenthalt bewilligt. "Mit dem Geld können wir deutlich mehr Punkte von unserer langen Wunschliste umsetzen als zunächst gedacht", sagt Ruess. 

Bis Ende März wird die "Cap San Diego" in Bremerhaven liegen. Dann geht es zurück nach Hamburg an den angestammten Liegeplatz. Zum Hafengeburtstag am zweiten Maiwochenende wird das Schiff wieder zu Gästefahrten aufbrechen - mit vielen Ehrenamtlichen an Bord.

dpa