Die Konkurrenz hat sich bereits festgelegt, der SV Darmstadt 98 hält sich in der Aufstiegsfrage aber noch bedeckt. Man habe definitiv den ersten Aufsteiger gesehen, prophezeite Kaiserslauterns Trainer Torsten Lieberknecht nach der 0:4 (0:3)-Pleite bei den Hessen.
Die Darmstädter, die durch den Sieg neuer Zweitliga-Spitzenreiter sind, ließen sich aber nicht aus der Reserve locken. "Unser Rezept ist, bei uns zu bleiben. Das hat uns bisher gutgetan. Wir bleiben in unserem Einflussbereich", sagte Sportdirektor Paul Fernie, der im Nachgang auch die netten Glückwünsche zum Klassenerhalt angesichts der 41 Punkte mit einem Schmunzeln annahm.
Kohfeldt: "Kann Tabellen lesen"
Auch Florian Kohfeldt hielt den Ball weiterhin flach und wollte keine Aufstiegseuphorie entfachen. "Ich kann schon Tabellen lesen. Aber momentan ist die größte Stärke dieser Mannschaft, dass sie sich ab dem nächsten Tag auf Braunschweig konzentriert. Das ist das alles entscheidende", sagte der Lilien- Coach nach dem furiosen Auftritt gegen völlig überforderte Lauterer.
Er gehe aber mit einem breiten Grinsen nach Hause, gab er zu. "Alles andere wäre gelogen. Geiles Spiel, geile Energie von allen. Es war richtig cool. Das war sehr in Ordnung", lobte der 43-Jährige, der sich bereits zur Pause genussvoll zurücklehnen konnte und nachher seinen Jungs auch ein Bierchen erlaubte.
Lakenmacher bekommt Sonderlob
Das klare Statement der Hessen hatten Fraser Hornby (5. Minute/Foulelfmeter), Fynn Lakenmacher (29.) sowie Kai Klefisch (45.) schon zur Halbzeit in Tore gemünzt. Luca Marseiler (90.+2) legte im mit 17.810 ausverkauften Merck Stadion am Böllenfalltor später noch nach. "Es war wichtig, ruhig zu bleiben und die zweite Halbzeit zu kontrollieren. Das haben die Jungs überragend gemacht", sagte Fernie.
Da fiel nicht einmal ins Gewicht, dass in Isac Lidberg der Top-Torjäger verletzt passen musste. Lakenmacher übernahm dessen Part und zeigte eine starke Leistung. Nicht umsonst bekam er vom Coach ein Sonderlob. "An 20 Spieltagen hat er, glaube ich, 25 Minuten gespielt. Dann kommt so ein Moment und dann spielt er so wie er gespielt hat", sagte Kohfeldt. "Er hat sich für seinen Fleiß belohnt, den er mehr als jeder andere in dieser Saison aufgebracht hat."
Darmstadts Lauf geht weiter - Zusammenhalt da
Dass Darmstadt nun als erster Aufstiegsanwärter gilt, liegt auch an den Auftritten in den letzten Monaten. Die letzte von insgesamt zwei Niederlagen gab es im Oktober. Seit elf Spielen sind die Lilien ungeschlagen, daheim mit 27 Punkten aus elf Partien eine Macht. Zudem stellen sie mit Abstand den besten Angriff der Liga. Und die Chemie im Team stimmt, alle ziehen an einem Strang.
"Es kommt alles aus der Mannschaft. Die Jungs haben vorher eine Sitzung ohne mich gemacht, weil sie sich auf dieses Spiel eingeschworen haben", sagte Kohfeldt. Das zeige, die Mannschaft lebe und wie sie miteinander umgehe und das gefalle ihm.
Fernie: "Nicht reich, aber auch keine Geldprobleme"
Auch das Umfeld arbeitet entsprechend mit. So wurden in der Winterpause keine wichtigen, umworbenen Spieler abgegeben. Fernie lobte in diesem Zusammenhang auch die Transparenz zur Führungsebene. "Wir glauben an die Entwicklung unserer Jungs. Wir sind nicht reich, aber wir haben auch keine Geldprobleme. Das ist unser Vorteil hier, dass man in Ruhe arbeiten kann", sagte der Engländer.