Klimaschutz Klimabeirat warnt: Fernstraßenprojekte erschweren Klimaziele

Der Verkehr auf Autobahnen verursacht CO2-Emissionen. (Symbolbild) Foto: Marijan Murat/dpa
Der Verkehr auf Autobahnen verursacht CO2-Emissionen. (Symbolbild) Foto
© Marijan Murat/dpa
Ein Beratungsgremium in Hessen mahnt: Neue Fernstraßen könnten die CO2-Emissionen mehr als erwartet steigen lassen. Die Tipps der Experten reichen bis hin zu einer Maut.

Der geplante Aus- und Neubau von Fernstraßen in Hessen würde laut dem Klimabeirat der Landesregierung zu deutlich höheren CO2-Emissionen als bisher angenommen führen. Unter Bezug auf eine selbst beauftragte Studie der Technischen Universität (TU) Dresden erklärte das unabhängige wissenschaftliche Gremium, die Umsetzung der Fernstraßenprojekte würde die gesamten jährlichen CO2-Verkehrsemissionen in Hessen um rund fünf Prozent zusätzlich steigern. 

"Schon jetzt verfehlt der Verkehrssektor in Hessen seine Ziele. Der weitere Ausbau würde die Erreichung der Klimaziele somit weiter erschweren", warnte Beiratsmitglied Martin Lanzendorf, Professor für Mobilitätsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt.

Klimabeirat: Hoher Handlungsdruck

Das fünfköpfige ehrenamtliche Gremium teilte weiter mit: "Laut hessischem Klimagesetz muss das Land bis 2030 seine Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 senken und bis 2045 klimaneutral werden." Bis 2023 seien im Verkehr jedoch nur 16 Prozent eingespart worden. "Der Handlungsdruck ist entsprechend groß", hieß es. 

"Vor allem zehn Großprojekte verursachen drei Viertel der zusätzlichen Emissionen. Spitzenreiter ist der geplante Ausbau der A5 vom Hattenbacher Dreieck bis zur Landesgrenze Baden-Württemberg, einschließlich der Erweiterung zwischen dem Westkreuz Frankfurt und dem Frankfurter Kreuz", erläuterte der Klimabeirat. 

Künftig auch mal eine Maut?

Er empfahl unter anderem, den öffentlichen Nahverkehr, das "Parkraummanagement" und den Radverkehr zu fördern. Um das Wachstum des Autoverkehrs zu dämpfen, sollten auch Maßnahmen in der Zuständigkeit des Bundes wie etwa Straßenmaut geprüft werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) forderte mit Blick auf die Studie der TU Dresden "beschleunigte Planungsverfahren und deutlich höhere Investitionen in das Radwegenetz, um den Menschen in Hessen eine echte Wahlfreiheit beim Verkehrsmittel zu ermöglichen". Eine Schlüsselrolle spielten Radschnellwege. "In ganz Hessen gibt es davon bislang aber gerade einmal rund 13 Kilometer", kritisierte der ADFC.

dpa