An der Tankstelle ist es zurzeit teuer: Das betrifft nicht nur den Alltag vieler Menschen, sondern auch zahlreiche Unternehmen und Firmen. Hat das Folgen für Verbraucher und Kundinnen?
Taxibranche leidet unter Preissteigerungen
Die Taxibranche in Hessen ächzt unter den Mehrkosten. In ländliche Gebieten wirke sich die Preissteigerung besonders negativ aus, da dort viele Leerfahrten notwendig seien, sagt Hans-Peter Kratz, Vorsitzender des Taxiverbands Hessen. "Grundsätzlich frisst der Dieselpreis jetzt jegliche Gewinnmarge auf." Die Mehrkosten lägen insgesamt bei rund sieben Prozent.
Abfedern könnten die Unternehmen das nicht. "Es gibt ja keine Alternative, die Lohnkosten bleiben da Mindestlohn, die Fixkosten bleiben und die variablen Kosten wie für Diesel steigen zudem", sagt Kratz. Elektrofahrzeuge seien grundsätzlich eine Alternative für die Unternehmen, jedoch sei nicht die Zeit für Investitionen. "Mit den eingesparten Treibstoffkosten können die Mehrkosten eines E-Autos nicht kompensiert werden und die Ladeinfrastruktur ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden."
Zu den Mehrkosten komme seit den steigenden Preisen auch ein verändertes Kundenverhalten hinzu. Der Geschäftsreiseverkehr habe nochmals nachgelassen, schildert Kratz. "Der private Kunde spart sowieso nur noch. Wenn die Gaststätte oder das Einkaufszentrum nicht mehr besucht werden, gibt es auch keinen Beförderungsbedarf."
An die Kunden würden die zusätzlichen Belastungen nicht weitergegeben. "Wir als Teil des ÖPNV sind natürlich tarifgebunden, die Vergütungsvereinbarungen zum Beispiel mit Krankenkassen sind auch langfristig."
Lufthansa legt Cityline still
Wegen hoher Kosten für Kerosin und der fortgesetzten Streiks schließt die Lufthansa ihre Regionaltochter Cityline. Nach dem Willen des Vorstands sollen 27 ältere Canadair-Jets der aktuell noch bestreikten Gesellschaft gar nicht mehr im Linienverkehr abheben. Bei dem vorgezogenen Sparprogramm muss auch die ebenfalls bestreikte Kerngesellschaft Lufthansa Federn lassen.
Als Grund für die Einschnitte nennt der Konzern die deutlich gestiegenen Kerosinpreise sowie die Kosten durch die laufenden Arbeitskämpfe. Es würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohöl-Preises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert.
Spritverteuerung überrascht auch Pflegedienste
Ebenfalls unter den stark gestiegenen Spritpreisen leiden die Pflegedienste. Laut dem Vorstandschef des Ambulanten Stationären Pflegeverbands Hessen (ASPV), Richard Graubert, werden diese Ausgaben im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen mit den Pflegekassen und anderen Kostenträgern meist gleich für zwölf Monate verhandelt. Der Nahost-Krieg mit seinen extrem preistreibenden Folgen sei dabei natürlich nicht vorausgesehen worden.
"Zugleich sind wir gezwungen, die Versorgung unserer Kunden sicherzustellen", sagt Graubert, der selbst einen Pflegedienst in der Wetterau leitet. Regional seien die Folgen unterschiedlich: "Es wird den einen oder anderen Pflegedienst in sehr ländlichen Regionen mit weiten Strecken viel mehr treffen als in einer Großstadt wie Frankfurt mit kürzeren Wegen." Da könne es auf dem Land schon zu der Überlegung kommen, "ob ich Neukunden aufnehme".
Und Pflegedienste mit preiswerter fahrenden E-Autos? US-Präsident Donald Trump fördere mit seinem Krieg indirekt die E-Mobilität in Deutschland - ohne Abstimmung mit den Grünen, scherzt der Pflegeverbandschef. Aber geschätzt sei erst rund ein Fünftel der Fahrzeugflotte der hessischen Pflegedienste elektrisch unterwegs. Gerade mit Blick auf die branchentypischen Kleinwagen gebe es noch nicht viele preiswerte E-Angebote.
Bauern in Sorge
Die stark gestiegenen Treibstoffkosten belasten die landwirtschaftlichen Betriebe in Hessen erheblich, da Diesel nach Angaben des Bauernverbandes ein zentraler Produktionsfaktor für Feldarbeit, Ernte und Transporte ist und kurzfristig kaum eingespart werden kann. "Eine Weitergabe der Kosten ist für viele Betriebe nur sehr begrenzt oder gar nicht möglich, weil sie in starkem Wettbewerb stehen und Erzeugerpreise kaum beeinflussen können", erklärt Sprecherin Marie-Claire von Spee.
Erschwerend komme hinzu, dass die Erzeugerpreise aktuell zum Teil auf einem niedrigen Niveau sind. Um die Folgen abzumildern, seien spürbare und verlässliche Entlastungen bei Energieabgaben wie die temporäre Senkung der Energiesteuer sowie weitergehende Maßnahmen, etwa eine zusätzliche Entlastung beim Agrardiesel, notwendig, erklärte die Verbandssprecherin.
Handwerk: Befristete Senkung der Energiesteuer reicht nicht
Das hessische Handwerk sieht eine weitere Verschärfung des Kostendrucks. Stark betroffen seien beispielsweise überregionale Betriebe etwa im Bausektor und Unternehmen mit Liefergeschäft wie Bäckereien.
"Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen können diese Belastung nur begrenzt abfedern", sagt der Präsident des Hessischen Handwerkstages, Stefan Füll. Die befristete Senkung der Energiesteuer sei ein sinnvoller Schritt, reiche aber nicht aus. Weiterhin notwendig bleibe eine spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben. Die Entlastungsprämie hingegen verfehlt ihre Wirkung. Mit ihr wird der Entlastungsdruck auf die Betriebe verlagert, für die sie einen weiteren Kostenfaktor darstellt.
RMV hält Preise - zunächst - stabil
"Temporäre Schwankungen in den Preisen – sowohl steigende als auch sinkende – haben keinen kurzfristigen Einfluss auf das Fahrplanangebot oder den Tarif", heißt es beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Trotz der gestiegenen Preise für Kraftstoffe versichert ein Sprecher des RMV: "Der Tarif für das Jahr 2026 bleibt in jedem Fall unverändert."
Generell ist es so: Steigen die Kosten der Verkehrsunternehmen - wie nun etwa für Energie - "entscheidet der RMV-Aufsichtsrat üblicherweise ein Mal pro Jahr, wie die höheren Aufwände gegenfinanziert werden", so der Sprecher. Preise würden also erst mit Zeitverzug angepasst.
Ambulanter Stationärer Pflegeverband Hessen