Nach tödlichem Unglück
Gefahr unter Bäumen: Wer schützt Spaziergänger und Wanderer?

Dass Bäume umstürzen, kann an Wurzelfäule liegen. Durch den Klimawandel kann dies häufiger vorkommen. Foto: Carolin Eckenfels/dp
Dass Bäume umstürzen, kann an Wurzelfäule liegen. Durch den Klimawandel kann dies häufiger vorkommen. Foto
© Carolin Eckenfels/dpa
Trotz regelmäßiger Kontrollen bleibt ein Restrisiko: Warum Spaziergänge im Wald oder Park nie ganz ungefährlich sein können – und was Kommunen und Forstämter zum Schutz tun.

Drei Menschen starben an Ostern durch einen umgestürzten Baum bei Flensburg - der Fall hat auch Menschen in Hessen aufgeschreckt. Denn umgefallene Bäume sieht man auch hierzulande beim Waldspaziergang. Wie kann verhindert werden, dass jemand zu Schaden kommt? 

Sowohl in Teilen des Waldes als auch in der Stadt werden Bäume regelmäßig kontrolliert - so erklären es der Landesbetrieb Hessen Forst und die Stadt Frankfurt. Mitarbeiter schätzen dabei ein, ob Äste abzubrechen drohen oder gar die Standfestigkeit eines Baums gefährdet ist. 

Wo ist Betreten auf eigene Gefahr, wo nicht?

Je nach Fläche sind die Kontrollen vorgeschrieben oder nicht - so gilt beispielsweise im Wald an Park-, Spiel- und Grillplätzen eine Verkehrssicherungspflicht. In sonstigen Bereichen ist dies anders, dort heißt es "Betreten auf eigene Gefahr", wie Hessen Forst mitteilt: Wer den Wald betritt, müsse mit sogenannten waldtypischen Gefahren rechnen - neben Schlaglöchern und Wurzeln auch herabfallende Äste und umstürzende Bäume. 

In Parks und Grünanlagen müssen Kommunen dafür sorgen, dass Besucher und Besucherinnen sicher sind. Mindestens einmal im Jahr werde dies per Sichtkontrolle der Bäume überprüft, erklärt die Stadt Frankfurt. Bei Bedarf folgen weitere Untersuchungen.

"Auf diese Weise können Risiken frühzeitig erkannt und durch geeignete Pflegemaßnahmen minimiert werden. Ein Restrisiko bleibt jedoch, wie bei jedem lebenden Organismus, bestehen", sagt eine Sprecherin. Sonderkontrollen gebe es etwa im Umfeld von Schulen und Kindergärten sowie in besonders gut besuchten Parks und Friedhöfen.

Einfluss der Klimakrise - Zustand der Bäume

Der Kontrollaufwand steigt, denn Trockenheit und Schädlinge haben den Bäumen in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Die Gefahr abstürzender Äste sei dadurch gestiegen, sagt Thorsten Willig vom Forstamt Königstein im Taunus. Zu merken sei dies auch bei Waldarbeiten, es seien bereits Mitarbeiter verletzt worden.

Da der Taunus ein beliebtes Ausflugsziel ist, kontrollieren die Förster laut Willig auch große, stark frequentierte Wanderwege. An Stellen, an denen eine Bank oder Schutzhütten zum Verweilen einladen, werde ebenfalls darauf geachtet, dass kein erhöhtes Risiko bestehe. Dies geschehe auch außerhalb der gesetzlichen Verpflichtung zu Kontrollen, die etwa auch an Straßen bestehe.

Sichtkontrolle einmal im Jahr

Dort werde einmal im Jahr der Zustand der Bäume erhoben, im akuten Fall werde sofort veranlasst, dass Äste abgeschnitten werden oder der Baum ganz fallen muss. Denn auch im Taunus komme es vor, dass ganze Bäume umstürzen - auch relativ unvermittelt, wie Willig sagt: "Nicht täglich, nicht jede Woche, aber doch immer wieder." Waldbesucher sollten sich der Gefahren im Wald stets bewusst sein.

Am Osterwochenende zerstörte ein Baum im Bad Nauheimer Stadtwald eine Sitzbank - er stürzte an den Waldteichen quer über einen Fußweg. Verletzt wurde niemand. Die Stadt im Wetteraukreis vermutet Wurzelfäulnis als Grund, wie ein Sprecher mitteilt. Selbst nach engmaschigen Kontrollen könne es zu solchen Vorfällen kommen, erklärt das Forstamt Nidda auf Anfrage.

Die Folgen der Klimakrise seien für Waldbesucher nicht immer gleich erkennbar, sagt ein Sprecher von Hessen Forst: "Gerade bei Laubbäumen wie der Buche, die zurzeit verstärkt Dürreschäden zeigt, können unvermittelt teils noch grün belaubte Äste und Kronenteile abbrechen." Nach Stürmen oder im Fall von viel Schnee und Eis würden Bereiche mit geschädigten Bäumen extra kontrolliert. 

Mehr als 1.000 gefällte Bäume in Frankfurt

In Frankfurter Grünanlagen sowie entlang von Straßen mussten vergangenes Jahr 1.300 Bäume gefällt werden, teilt das Grünflächenamt mit. Problematisch seien Bodenverdichtung, eingeschränkte Wurzelräume, Trockenheit, Hitze. Schädlinge könnten so schlechter abgewehrt werden.

Gefällt werde nur dann, wenn es nicht mehr anders gehe und alle Mittel ausgeschöpft seien - etwa bei Fäule im Wurzelbereich, Pilzbefall, Sturmschäden, abgebrochenen Kronenteilen oder sonstigen Anzeichen, dass der Baum stirbt.

Verbände warnen vor unkalkulierbaren Haftungsrisiken 

Die Klimakrise verschärft auch Haftungsfragen. Damit dies nicht dazu führt, dass etwa Bänke abgebaut werden, dringen der Deutsche Wanderverband und der Deutsche Tourismusverband schon länger auf eine Reform. 

Im Dezember haben sich Bund und Länder schließlich auf Änderungen verständigt. Demnach sollen öffentliche Einrichtungen wie etwa Parkanlagen künftig auf eigene Gefahr benutzt werden. Die Haftung für Verkehrssicherungspflichten soll auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz beschränkt werden.

Die angekündigten Gesetzesänderungen müssten nun wie vorgesehen bis spätestens Ende 2026 in Kraft treten, fordern die Verbände.

dpa