Neue Perspektiven für den historischen Sitz der Bundesbank in Frankfurt: Nachdem die Bank verkündet hat, nach der Sanierung ihrer Zentrale nicht wieder in diese zurückkehren zu wollen, soll die Europäische Schule in das denkmalgeschützte Gebäude einziehen.
Das Gebäude eigne sich hervorragend, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). "Die Fläche ist als Gemeinbedarf ausgewiesen, unter anderem für Schulen. Wir sind der Auffassung, das ist eine überzeugende Lösung."
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, die sich wiederholt für die Europäische Schule starkgemacht hat, sprach von einem "bahnbrechenden Moment". Endlich sei eine "vielversprechende Lösung für den künftigen Standort" gefunden.
Goldschatz sollen auf Gelände bleiben
Sollte die Schule dort einziehen, wird sie quasi auf einem Goldschatz sitzen. Denn auf dem Gelände der bisherigen Bundesbank-Zentrale, von dem die Stadt Teile erwerben will, lagert - hochgesichert in Tresoren - mehr als die Hälfte der deutschen Goldreserven, die die Bundesbank für den deutschen Staat verwahrt: 1.710 Tonnen Gold.
Aber warum gibt die Bundesbank das markante Betongebäude im Norden der Stadt auf? "Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hat klar ergeben, dass der Kauf einer Immobilie deutlich kostengünstiger ist als eine Unterbringung der Bundesbank-Zentrale am bisherigen Standort in der Wilhelm-Epstein-Straße", teilte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel mit.
Wertgutachten soll Preis ermitteln
Daher suche die Bundesbank nun nach einer geeigneten Immobilie in Frankfurt - möglichst innerhalb der nächsten 18 Monate bis zum Auslaufen des Mietvertrags in ihrem derzeitigen Ausweichquartier in der Innenstadt.
Wenn die Stadt Frankfurt Teile des Geländes erwerben möchte, sei dies rechtlich zulässig, erklärte die Bundesbank. Als einer der nächsten Schritte soll ein Wertgutachten den Preis der zur Verfügung stehenden Flächen und Gebäude ermitteln.
Die Schule sei abgegrenzt von den Goldreserven, sie sitze quasi daneben, sagte Josef - und scherzte: "Das Gold erwerben wir nicht, das können wir tatsächlich nicht finanzieren."
Der OB wies zudem darauf hin, dass die Bundesbank das Gelände per Direktvergabe an die Stadt veräußern kann. Dies sei auch seitens der Stadt beabsichtigt. Und - so betonte der OB: "Die bisher lange diskutierte Fläche am Ratsweg ist vom Tisch. Die Dippemess‘ bleibt an ihrem Platz."
Bundesbank hatte Pläne bereits deutlich zusammengestrichen
Die Bundesbank hat das "Projekt Campus" zur Umgestaltung des Areals schon vor fast zehn Jahren begonnen. Vorgesehen waren mehrere Neubauten: Kindertagesstätte, Sportzentrum, Gastronomiepavillon. Kosten nach einer Schätzung des Bundesrechnungshofes aus dem April 2024: rund 4,6 Milliarden Euro.
Nach Nagels Amtsantritt Anfang 2022 wurden die Pläne zusammengestrichen - auch wegen der Ausweitung von Homeoffice-Arbeitsmodellen. Im August 2025 bekräftigte die Bundesbank: "Das ursprüngliche Projekt Campus ist passé." Statt mit 5.000 Büroarbeitsplätzen plant die Bundesbank nun mit gut 3.300 Arbeitsplätzen für die Beschäftigten ihrer Zentrale.
Auch eine abgespeckte Version des alten Standorts hätte sich der Bundesbank zufolge nicht gerechnet. Bisher flossen nach Angaben der Bundesbank 168 Millionen Euro in Architekturwettbewerb, Schadstoffsanierung und Umbau.