Schulen in MV
Umfrage: Jede fünfte Lehrkraft würde anderen Beruf wählen

80 Prozent der Lehrkräfte gaben in der Befragung an, unter Zeitdruck zu leiden. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa
80 Prozent der Lehrkräfte gaben in der Befragung an, unter Zeitdruck zu leiden. (Symbolbild) Foto
© Julian Stratenschulte/dpa
Viele Lehrerinnen und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich belastet. Warum so viele an ihrem Beruf zweifeln.

Viele Lehrerinnen und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern sehen sich einer Umfrage zufolge stark belastet. Rund ein Fünftel (19 Prozent) würde sich nicht noch einmal für den Lehrberuf entscheiden, wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) MV und die Georg-August-Universität Göttingen mitteilten. 42 Prozent würden ihren Beruf erneut wählen, 39 Prozent sind demnach unentschlossen. Die Hälfte der Befragten würde sogar vom Lehrberuf abraten, hieß es.

An der landesweiten Befragung im November 2025 nahmen demnach mehr als 2.000 Lehrkräfte teil. Die Ergebnisse seien Teil des Forschungsprojekts "Verbesserung der Attraktivität des Lehrberufs in MV", das von der Göttinger Uni zusammen mit der Gewerkschaft durchgeführt und von der Max-Traeger-Stiftung in Frankfurt am Main gefördert wird. Weitere Ergebnisse sollen in den kommenden Monaten vorgestellt werden. 

Viele stehen unter Zeitdruck

Ein Großteil der Befragten fühlt sich demnach vor allem durch Zeitdruck stark belastet (80 Prozent). Als Gründe für eine Belastung seien außerdem eine deutliche Zunahme der Arbeitsanforderungen in den vergangenen Jahren (73 Prozent) oder regelmäßige Mehrarbeit (68 Prozent) genannt worden.

Die Angaben zur Work-Life-Balance seien ebenfalls alarmierend gewesen: 81 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer gab demnach an, neben der Arbeit nicht genügend Zeit für Familie, Freundschaften und private Interessen zu haben. Fast ein Drittel empfand den beruflichen Einsatz nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zu Anerkennung, Entwicklungsmöglichkeiten und Entlohnung.

Höheres Risiko für Burn-out

Laut GEW bewerteten die Lehrkräfte ihre Gesundheit laut Umfrage schlechter als andere Berufsgruppen. 40 Prozent sprachen von einem guten oder sehr guten allgemeinen Gesundheitszustand, 22 Prozent von einem weniger guten oder schlechten. Auch beim psychischen Wohlbefinden und Burn-out-Risiko seien die Werte verhältnismäßig schlecht. 

Rund jede vierte Lehrkraft gab demnach zudem an, im kommenden Schuljahr weniger Stunden arbeiten zu wollen. In der Gruppe der über 55-Jährigen hätten 60 Prozent angegeben, voraussichtlich nicht bis zum regulären Pensionsalter an der Schule zu bleiben.

Oldenburg: Weniger Unterrichtsausfall

Trotz des Lehrkräftemangels fanden im vergangenen Schuljahr 97 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen in MV statt, wie das Bildungsministerium mitteilte. Damit sei weniger Unterricht ausgefallen als im vorherigen Schuljahr. Auch der Vertretungsunterricht sei weniger geworden. An den beruflichen Schulen öffentlicher Träger hätten 92 Prozent des Unterrichts stattgefunden.

Der Unterrichtsausfall sei vor allem durch Mehrarbeit von Lehrkräften vermieden worden. "Durch den Lehrkräftemangel ist die Lage an den Schulen alles andere als einfach. Wir dürfen nichts beschönigen, aber die Lehrerinnen und Lehrer setzen alles daran, dass so wenig Unterricht wie möglich ausfällt", sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) demnach.

Die Landesregierung setzt sich nach Angaben des Ministeriums dafür ein, dass Lehrerinnen und Lehrer von Alltagshelfern und Verwaltungskräften unterstützt werden. Unter anderem Neuregelungen bei Prüfungen oder der Erarbeitung von Konzepten würden Lehrkräfte im Schulalltag mittlerweile spürbar entlasten, hieß es.

dpa