Demonstration
Schulstreik - Lehrkräfteverband kritisiert nicht nur Uhrzeit

In mehreren Städten sind Demonstrationen von Schülerinnen und Schülern gegen einen neuen Wehrdienst geplant. (Archivbild) Foto:
In mehreren Städten sind Demonstrationen von Schülerinnen und Schülern gegen einen neuen Wehrdienst geplant. (Archivbild) Foto
© Martin Schutt/dpa
Demonstrieren während des Unterrichts? Ein Verband von Lehrkräften sieht den geplanten Schulstreik gegen eine neue Wehrpflicht aus gleich mehreren Gründen kritisch.

Streiks von Schülerinnen und Schülern sollten aus Sicht des niedersächsischen Philologenverbandes nach Schulschluss organisiert werden. "Demokratisches Engagement von Jugendlichen ist ausdrücklich zu begrüßen, aber nicht auf Kosten der Unterrichtszeit", sagte der Verbandsvorsitzende, Christoph Rabbow, mit Blick auf die für Donnerstag geplanten Demonstrationen gegen einen neuen Wehrdienst.

In mehreren niedersächsischen Städten und in Bremen sind am Vormittag Veranstaltungen unter dem Motto "Schulstreik gegen Wehrpflicht" geplant - etwa in Hannover, Oldenburg und Osnabrück. 

Verband: Schulstreiks stellen Schulpflicht infrage

"Schülerinnen und Schüler sollen sich politisch informieren, Positionen entwickeln und sich in eine demokratische Debatte einbringen", so Rabbow. Es sei aber unverständlich, wenn Demonstrationen bewusst in die Unterrichtszeit gelegt werden, obwohl es viele Möglichkeiten außerhalb des Stundenplans gibt. So werde genau der Unterrichtsausfall provoziert, der sonst regelmäßig und zu Recht kritisiert werde. Wer zum Schulstreik aufrufe, stelle die Schulpflicht als Grundlage von Bildungsgerechtigkeit infrage. 

Bei den für Donnerstag geplanten Streiks kritisierte der Verband zudem, dass sich die Initiatoren der Kampagne nicht klar zu erkennen geben. "Wer zu Streiks aufruft, sollte namentlich zu seiner Meinung stehen und mit offenem Visier arbeiten", so Rabbow laut Mitteilung. "Auch das gehört dazu, wenn man Schülerinnen und Schüler als mündige Mitglieder der Gesellschaft ansprechen und befähigen will."

Inhaltlich hat der Verband Zweifel an der Sachlichkeit der Aktion. Die Zuspitzung auf einen drohenden Zwang zum Waffendienst sei nach derzeitiger Sachlage nicht haltbar, schrieb der Verband. Er verwies darauf, dass das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung uneingeschränkt weiter gelte.

dpa